Sagt ihr es euren Kindern?

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katl0607
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Sagt ihr es euren Kindern?

Beitrag von katl0607 » 20:08:2016 22:32

Hallo!

Wollte von euch mal wissen, ob ihr euren Kindern irgendwann mal von unserer Erkrankung erzählt?
Und wenn ja, in welchem Alter und vorallem mit welchen Worten?

Lg
1. Kind geboren 7/14
Ab der Geburt schleichend Ängste und Panikattacken.
September 2015 psychosomatische Tagesklinik für 7 wochen
Diagnosen: Panikstörung, depressive Episode
sertralin 100 mg
Quetiapin 75 mg
Promethazin Trpf

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Marika
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Re: Sagt ihr es euren Kindern?

Beitrag von Marika » 21:08:2016 9:56

Hallo,

ja, ich habe meinen Sohn mittlerweile vollkommen aufgeklärt - er ist aber auch schon 11 Jahre alt und versteht es somit schon sehr gut.

Ich glaube er war so 5 Jahre alt, als er einfach bemerkt hat, dass ich jeden Tag eine Tablette nehme und hat mich gefragt was das ist. Da habe ich erstmals angefangen zu erklären, dass in meinem Kopf ein wichtiger Stoff nicht ausreichend vorhanden ist. Mein Sohn war und ist sehr neugierig und wollte das genau wissen. So habe ich ihm die Funktion des Gehirns erklärt - mit Unterstützung geeigneter Bücher für Kinder. Manches habe ich ihm einfach auch selber aufgezeichnet.

Warum ich erkrankt bin, wollte ich er natürlich auch wissen. Auch da habe ich es ihm ganz ehrlich erklärt. Nämlich dass es nach der Geburt eines Babys im Körper der Mama zu Mangelerscheinungen bestimmter Hormone bzw. Botenstoffe kommen kann. Das alles in kindgerechten Worten natürlich. Je älter er wurde, umso genauer und besser konnte ich ihm alles erklären, er hat nämlich immer wieder nachgefragt. Irgendwann wurde dann auch meine eigene Kindheit zum Thema - ich war ja schon als Kind zwanghaft. Auch hier habe ich ihm genau erklärt, was dazu geführt hat - aber OHNE meine Eltern (also seine Großeltern) zu verunglimpfen. Denn sie haben damals ja in besten Absichten gehandelt, ohne zu wissen, dass mir manches halt dann doch geschadet hat.

Mein Sohn hat selbst so manche leichte zwanghaften Anlagen und Phasen durch gemacht und er war als Kind ängstlicher als andere. Er war eigentlich wie ich als Kind. Ich konnte aber bewusst dagegen steuern und sogar bei ihm Dinge aus meiner Therapie anwenden, um seine Ängste in normale Bahnen zu lenken. In Verbindung mit dem Wissen was ich habe (Ängste und Zwänge), konnte er mit seinen eigenen Anlagen sehr gut umgehen und schon früh verstehen, dass man Ängste überwinden kann. Heute ist er ein so selbstbewusstes Kerlchen (ohne aber unvorsichtig zu sein), wie ich es immer gerne gewesen wäre als Kind. Und das macht mich unendlich glücklich - ich glaube mein Mann und ich haben recht viel richtig gemacht. :D Deshalb hat meine PPD einen Sinn: hätte ich sie nicht bekommen, wäre ich nie in Therapie und hätte sicher viele krankmachende Verhaltensmuster an meinen Sohn weiter gegeben. Und das wäre denkbar schlecht gewesen. :idea: So haben aber wir alle in unserer Familie profitiert - sogar meine Eltern konnten so einiges aufarbeiten.

Ich sehe heute an meinem Kind, dass er das alles sehr gut verstanden hat und damit ganz normal umgeht. Er hat mich aber auch nie wirklich "depressiv" erlebt - meine akute Phase war vorbei, als er 1 Jahr alt war. Und ich hatte immer extrem viel tolle Unterstützung meiner Familie.

Für mich war es sehr wichtig, alles ehrlich zu erzählen, denn ich möchte dass diese Erkrankung ohne Tabu gesehen wird. :-)
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Aoi
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Re: Sagt ihr es euren Kindern?

Beitrag von Aoi » 07:12:2016 10:31

Hallo,

Bei mir war das gar nicht anders möglich...
Da meine 3 Kinder im Abstand von etwa je 2 Jahren kamen waren die beiden Großen schon "große genug" um zu bemerken, dass mit "Mama etwas nicht stimmt". Ich habe zum Glück einen sehr fürsorglichen Mann, der da sehr viel aufgefangen hat und wenn dann Fragen kamen wie "warum ist Mama schon wieder im Bett?" oder "Was ist mit der Mama los?" hat er einfach immer erklährt, dass ein Baby bekommen für Mama anstrengend ist und ich viel Ruhe brauche. Eben sehr sehr einfach und ohne auszudrücken "Ihr Kinder seid Schuld das es Mama nicht gut geht!" - das wäre sehr schlimm!
Mein "Großer war bei der 3. SS erst 4 1/2 - aber eben sehr aufmerksam.

Ich weis nicht ob ich jemals ausführlicher mit ihnen sprechen werde.
Sicher nicht im Sinne von "ich muss dir mal was erzählen". Ich stelle mir das eher so vor, dass man mal auf das Thema kommt. Es gibt im Fotoalbum z.B. Bilder auf denen man mir einfach Ansieht, dass es mir nicht gut geht. Wenn da Fragen kommen erklähre ich ihnen jedes mal ein Stückchen mehr.

Prinzipiell wäre es mir aber wichtig, dass sie Bescheid wissen - im entsprechenden Alter (was wir noch lange nicht erreicht haben).
Zum einen zum Selbstschutz (ich habe erst in der 2. SS erfahren, dass das was ich Erlebe schlicht und einfach eine "Krankheit" und somit "erlaubt" und "ok" und vor allem "behandelbar" ist) falls sie jemals mit ähnlichen Sittuationen bei sich selbst oder bei anderen Konfrontiert werden.
Zum anderen weil ich es wichtig finde ehrlich zu sein. Meine Kinder stellen von sich aus Fragen (eben zu Fotos, oder warum ich mich Mittags immer hinlege und ausruhe etc.) und die verdiehnen eine ehrliche (nicht herruntergespielte!) Antwort.

Liebe Grüße,
Aoi

Astrid
Beiträge: 48
Registriert: 18:09:2017 11:34

Re: Sagt ihr es euren Kindern?

Beitrag von Astrid » 06:12:2017 10:49

Hallo Du,

ja ich habe meinem Sohn auch davon erzählt. Sogar erst vor Kurzem... . Ich hatte immer Angst davor, weil ich ihn damals so abgelehnt habe und nicht wusste wie ich es ihm sagen soll. Er ist jetzt 11 Jahre alt. Es hat sich ganz zufällig ergeben. Wir haben im Fernsehen auf KiKa eine Sendung über Depressionen gesehen, und er fing an darüber mit mir zu sprechen. Da habe ich ihm gesagt, dass ich die nach seiner Geburt auch bekommen habe. Er wollte viele Dinge wissen, wie ich mich gefühlt habe, was mir geholfen hat, wodurch das gekommen ist, ob er das auch bekommen kann.... Und ich habe ihm offen und ehrlich geantwortet. Dieses Gespräch fand dann übrigens im Auto statt, auf dem Weg zu irgendeiner Aktivität. Autos sind gute Orte zum Reden, habe ich festgestellt :-) . Er war sehr verständnisvoll und neugierig, und das war es dann. Er hatte ja auch bereits mitbekommen, dass ich eine Selbsthilfegruppe habe, und konnte jetzt eher verstehen, was wir dort machen. Er findet das gut. Ich bin froh, dass es sich so einfach aufgelöst hat. Wie Marika möchte ich offen mit meiner Erkrankung umgehen können. Ich möchte, das die Menschen wissen, dass es PPD gibt, aber das man auch wieder gesund werden kann.

LG Astrid
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
2011 zweites Kind ohne PPD
heute gesund ohne Medis

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