Mutter-Kind-Beziehung wird schlechter

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Steph
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Mutter-Kind-Beziehung wird schlechter

Beitrag von Steph » 14:03:2016 10:24

Hallo zusammen,
ich habe seit Oktober wieder eine schwere Episode. Zuerst war ich wochenlang in einer Tagesklinik, übermorgen gehe ich in stationäre Therapie. Seit es mir wieder schlecht geht, leidet mein Verhältnis zu meinem 10-jährigen Sohn sehr. Er drückt mich weg wenn ich ihn nur kurz umarmen will, mit seinem Vater hingegen kuschelt er regelmäßig und lange. Leider gibt es in letzter Zeit häufig Streit zwischen mir und meinem Mann, was unser Sohn auch öfters mitbekommt. Ich habe das Gefühl, er sieht mich als die böse, kalte, strenge Mutter und er stellt sich auf die Seite seines Vaters, der ihm kaum Regeln vermittelt. Es fühlt sich an wie eine Allianz gegen mich.
Ich habe Angst davor, dass der stationäre Aufenthalt einen weiteren Keil zwischen uns treibt und die Mutter-Sohn-Beziehung weiter verschlechtert.
Kennt jemand ein solches Sich-Abwenden des Kindes?

LG, Steph
2006-07 schwere postpartale Depression mit Panikstörung und Zwangsgedanken.
Zuerst Insidon, dann nacheinander Paroxetin, Citalopram, Trevilor.
2007-2015 Überwiegend beschwerdefrei, nur wenige und kurze Tiefs.

Herbst 2015-Frühsommer 2016 schwere depressive Episode.
Im Moment 300mg Elontril und 75mg Trevilor
und stabil- yipee :D

Sanna
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Re: Mutter-Kind-Beziehung wird schlechter

Beitrag von Sanna » 14:03:2016 10:48

Hallo!

Mein Sohn war sieben als ich nach der Geburt des zweiten Kindes an einer sehr schweren PPD erkrankte. Alles, was du beschreibst, kenne ich nur zu gut. Auch mein Sohn hat sich abgewandt und ich glaube, das war einfach ein Schutzmechanismus. Sie wenden sich ab um einen Schutzwall zu unserem Leiden aufzubauen. Ich glaube, das ist sehr gesund und auch gut für die Kinder. Man sollte darauf vertrauen, dass sie schon instinktiv das Richtige tun um sich zu schützen.

Je besser es mir ging, desto besser wurde auch wieder das Verhältnis zu meinem großen Sohn. Heute ist wieder alles normal. Ich merke aber, dass diese schwere Zeit auch bei ihm Spuren hinterlassen hat. In letzter Zeit fragt er mich sehr häufig, ob ich denn jetzt auch wirklich gesund sei. Und er fragt genrell sehr viel über psychische Erkrankungen. Ob das jeden treffen kann, z.B. Es beschäftigt ihn nach wie vor, was mir zeigt, wie sehr es ihn mitgenommen hat.

Versuch zu akzeptieren, dass es jetzt eben so ist. Und vertrau darauf, dass es mit einer Besserung deines Gesundheitszustandes auch wieder gut werden wird. Ich finde es super, dass du in die Klinik gehst. Vielleicht hilft das auch deinem Sohn. Erstmal ein bisschen Abstand und dann ein Neuanfang. Du vermittelst deinem Kind gerade was ganz wichtiges: Es gibt Krisen im Leben. Aber man kann es da raus schaffen, wenn man sich Hilfe holt. Das lebst du vor und das ist ganz, ganz wichtig!

Ich wünsche dir einen guten Start in der Klinik und hoffe, dass du dich schnell und gut stabilisieren kannst.

Liebe Grüße, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei

Steph
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Re: Mutter-Kind-Beziehung wird schlechter

Beitrag von Steph » 14:03:2016 11:28

Liebe Sanna,
vielen Dank für Deinen Zuspruch! Deine Geschichte gibt mir Hoffnung. Ich habe meinem Sohn erzählt, dass ich unter chronischen Kopfschmerzen leide und deshalb so oft traurig und niedergeschlagen bin. Irgendwie will ich das Wort 'Depressionen' nicht verwenden. Ich stelle mir vor, dass eine körperliche Erklärung für einen Zehnjährigen leichter zu verstehen ist. Was mir auch Angst macht ist, dass mein Sohn eventuell in der Schule erzählen könnte, dass ich in der Klinik bin. Er wollte schon, dass ich das der Klassenlehrerin mitteile. Ich weiß, dass ich mich nicht für die Erkrankung schämen sollte, allerdings ist es ein schreckliches Gefühl, zu wissen, dass die Eltern eventuell untereinander reden oder tuscheln. Ich habe ihn gebeten, es für sich zu behalten, weiß allerdings nicht, ob ich ihm damit zu viel zumute :?
LG, Steffi
2006-07 schwere postpartale Depression mit Panikstörung und Zwangsgedanken.
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Nickolakala
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Re: Mutter-Kind-Beziehung wird schlechter

Beitrag von Nickolakala » 14:03:2016 11:58

Hallo Steph,

von mir ein ganz klares JA du must ihm die Wahrheit sagen!

Wie um Himmels Willen soll ein Kind denn verheimlichen, dass die Mutter in einer Klinik ist?
Dein Sohn hat Recht, sprich mit der Klassenlehrerin und versuch auch sonst offener mit dem Thema und der Krankheit umzugehen. Sollen doch die anderen tuscheln und reden. Was soll !!!!

Die Heimlichtuerei macht Deinem Sohn nur Ängste. Einfacher ist es für ihn, wenn Du authentisch bist und die Wahrheit sagst.
ich hab es als kind oft erlebt, dass die Wahrheit nicht gesagt wurde ! Und trotzdem habe ich immer gefühlt dass etwas nicht stimmt.

Und für Dich ist es auch viel einfacher wenn Du mit offenen Karten spielst. Diese heimlich Tuerei und Lügenei kostet Dich nur unnötig Energie und Kraft.

Sprich mit ihm offen und ehrlich ! Du wirst sehen, es tut euch beiden gut !!!

Alles Gute und sehr gut, dass Du Dich in einer Klinik behandeln lässt.

Liebe Grüsse
N.

Kika30

Re: Mutter-Kind-Beziehung wird schlechter

Beitrag von Kika30 » 14:03:2016 12:09

Hallo Steph,

ich möchte mich Nickolakala anschließen. Sag deinem Sohn die WAHRHEIT.
Es gibt tolle Bilderbücher zu dem Thema. Meine Kinder sin 4,5 Jahre und 6,5 Jahre und beide wissen das ich ein Gefühlsmonster hatte. Ich deswegen im Krankenhaus war und ich auch Tabletten nehmen muss. Mein großer frägt mich auch hin und wieder ob das Gefühlsmonster wieder kommen kann und da sage ich ich weiß es nicht. Denn wenn ich sage nein es kommt nicht wieder und es dann doch kommt wäre er sehr enttäuscht.

Generell gehe ich mit meiner Erkrankung eher offen um, ich möchtemich nicht isolieren. Ich habe viele Menschen inmeiner Umgebung die mich für meinen Kampf und meine stärke bewundern. Die anderen die Tuscheln intressieren mich nicht.

Hab Mut und rede mit deinem Sohn. Vielleicht gibt es auch in der Klinik die Möglichkeit, dass man mit deinemSohn redet und ihm erklärt was mit dir los ist.

ICh wünsche dir für deinen Klinikaufenthalt viel Kraft und Durchhaltevermögen sowie schnelle Genesung.

Liebe grüße
Kika

Sanna
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Re: Mutter-Kind-Beziehung wird schlechter

Beitrag von Sanna » 14:03:2016 12:30

Hallo!

auch ich war immer sehr offen mit meinem Sohn und er weiß, dass ich eine psychische Erkrankung hatte. Das ist auch gut so. Denn wir sind es unseren Kindern schuldig, dass wir ehrlich zu ihnen sind.

Ja, du mutest deinem Sohn zuviel zu, wenn du ihn das geheim halten lässt. Das liegt NICHT in seiner Verantwortung. Außerdem wirst du dich wundern, wie viele verständnisvoll reagieren. Mir hat gerade erst wieder jemand gesagt, dass mein Durchhaltevermögen und meine Offenheit bewundernswert sind. Bestimmt wird auch getuschelt, das ist mir aber scheißegal. Als mein Kleiner in den Kindergarten kam, habe ich zunächst nichts gesagt, mich aber später dann doch geöffnet. Und dabei haben mir dann zwei andere Mütter anvertraut, dass sie auch Antidepressiva nehmen, beide waren stationär, eine sogar auf der Geschlossenen. Wir sind nicht allein! Auch in der Schule deines Sohnes gibt es andere psychisch kranke Eltern. Ganz sicher, denn es ist eine Volkskrankheit, die nun mal viele betrifft.

Ich sag ja nicht, dass du es jedem erzählen musst. Aber deinem Sohn musst du, meiner Meinung nach, schon die Wahrheit sagen. Er ist alt genug und versteht es sicher. Vielleicht würde ich auch mit der Lehrerin sprechen. Wir waren mit den Lehrern und Kindergärtnern von Anfang an sehr offen und haben dort jede Menge Unterstützung bekommen. Nur Mut!

LG, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei

kitty
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Re: Mutter-Kind-Beziehung wird schlechter

Beitrag von kitty » 14:03:2016 23:04

Hallo Steffi,

wollte dir nur kurz schreiben, das ich dich mit deinen Ängsten sehr gut verstehen kann.

Eine Lösung für dich habe ich leider nicht. Würde auch sagen, dass du deinem Sohn die Wahrheit sagen solltest. Ich denke er bekommt doch schon so einiges mit und vermutet eventuell, das du nicht unter chronischen Kopfschmerzen leidest.
Klar hätte ich wie du dann Angst, das er es weiter erzählt. Eigentlich sollte es uns egal sein, wenn andere Menschen was Negatives denken. Die sind es nicht wert, das wir was mit denen zu tun haben. Und trotzdem möchte man nicht, das die Leute tuscheln und/oder was Negatives von einem denken.

Ich finde es gut, wenn hier einige die Stärke besitzen und offen zu ihrer Krankheit stehen. Ich kann es leider (noch) nicht. Vielleicht kann ich mal irgendwann offen damit umgehen und du vielleicht auch.

LG
Sandra
Geburt Tochter März 2015 / PPD direkt nach der Geburt

Mirtazapin 15mg seit April 2015 (im Juni 2015 eine Zeit auf 30 mg erhöht - keine Verbesserung)
Citalopram 20mg seit Oktober 2015, seit März 2016 30 mg

Steph
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Re: Mutter-Kind-Beziehung wird schlechter

Beitrag von Steph » 14:03:2016 23:28

Ihr Lieben,
vielen Dank für Eure ehrlichen Antworten!
Ich denke, ich werde mit den Psychologen in der Klinik reden und sie fragen, wie ich ihm das am besten erklären kann.
LG,
Steffi
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Re: Mutter-Kind-Beziehung wird schlechter

Beitrag von Sanna » 15:03:2016 10:41

Das ist eine gute Idee! Ich hatte auch ein Gespräch in der Klinik mit meinem Sohn und der Therapeutin. Das war echt super!

Ich wünsche dir einen guten Start in der Klinik! Gib dir Zeit erstmal anzukommen und dann wird das schon wieder.

LG, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei

kitty
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Re: Mutter-Kind-Beziehung wird schlechter

Beitrag von kitty » 15:03:2016 14:32

Finde deine Idee auch sehr gut Steffi. Oder wie Sanna schrieb, ein Gespräch in der Klinik wo dein Sohn dabei ist.
Ich kann mir gut vorstellen, das er in dem Alter auch schon viel versteht und es ihm sicherlich gut tut, das er das Gefühl bekommt auch irgendwie ernst genommen zu werden.

Drück dir die Daumen und für die Klinikzeit auch alles Gute.

LG
Sandra
Geburt Tochter März 2015 / PPD direkt nach der Geburt

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