angst davor alleine mit dem kind zu sein

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Liska
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angst davor alleine mit dem kind zu sein

Beitrag von Liska » 23:10:2017 16:05

ihr lieben,

in nrw sind ferien. mein freund ist lehrer (teilzeit) und hat somit jetzt 14 tage frei. ich habe mich so sehr darauf gefreut, aber jetzt ist die freude schon wieder getrübt, weil ich jetzt schon davor angst habe, dass er danach wieder arbeiten gehen wird und ich alleine mit dem kind bin. unser sohn ist jetzt acht wochen alt. ich möchte einfach noch nicht und vom gefühl her auch manchmal nie wieder mit ihm alleine sein. ich habe das gefühl ich schaffe das einfach niemals. und dann kommen wieder die gedanken: du bist eine schlechte mutter. du bist nicht in der lage...du ahst schon bei der geburt versagt und versagst auch jetzt...

noch was: spricht man pathologisch eigentlich nur von einer ppd wenn man auch mit zwangsgedanken und suizidalen gedanken zu tun hat? habe ich nämlich nicht und meine behandelnde psychiaterin hat mir trotzdem die diagnose ppd gegeben.
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Astrid
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Re: angst davor alleine mit dem kind zu sein

Beitrag von Astrid » 25:10:2017 11:16

Auch Hallo Du Liebe,

nein, eine PPD bedeutet nicht, dass man auch Zwangsgedanken haben muss. Die Symptome sind sehr vielfältig und verschieden. Ich hatte auch unglaubliche Angst mit dem Kind alleine zu sein. Ich bin morgens schon in Tränen ausgebrochen und habe gedacht ich schaffe es nicht über den Tag. Mein Sohn war ein Schreikind und ich konnte ihn nicht beruhigen... . Die Angst dem Kind nicht gerecht zu werden, die Angst vor der Verantwortung für dieses kleine Wesen, waren wohl zu viel für mich. Ich wollte mein Kind irgendwann nur noch loswerden (in Gedanken) und gleichzeitig hatte ich unglaubliche Schuldgefühle für diese Gedanken, ein Teufelskreis. Alle um mich herum waren glücklich mit ihren Babys nur ich ein Monster, das Angst hatte und verzweifelt war. Das ist die PPD. Auch ich habe die Wochenenden und Urlaubstage herbeigesehnt, und dann Panik gehabt, dass die Zeit schon wieder um ist. Aber, Du kannst es besser machen als ich. Du weisst, was mit dir los ist. Es gibt Hilfen. Kannst Du deiner Ärztin, Therapeutin nicht schildern, welche Angst Du vor dem allein sein hast? Es gibt Haushaltshilfen, frühe Hilfen durch den Landkreis bei uns, eventuell kann auch dein Mann Erziehungszeit einreichen? Wartet nicht, bis gar nichts mehr geht, würde ich nach meiner Erfahrung raten. Du musst das nicht alleine aushalten. Kann jemand aus deiner Familie kommen? Mama, Tante, Freundin? Frage nach Hilfe, das ist keine Schwäche. Wenn Du an einer anderen Krankheit (z.B. Krebs) erkranken würdest, würdest Du auch alle Hilfe in Anspruch nehmen. Nur weil man die Krankheit bei uns nicht sehen kann, heisst das nicht, dass es weniger schlimm ist. Und es brauch Zeit. Viel Zeit unter Umständen.
Und Du bist kein Versager!!! Mamas sind nie Versager! Du bist da für dein Kind und du versuchst alles um gesund zu werden, mehr geht nicht. Sei lieb zu dir. Du hast es verdient. Und Du wirst wieder gesund. Es dauert nur seine Zeit.
Ganz liebe Grüße Astrid
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
2011 zweites Kind ohne PPD
heute gesund ohne Medis

Liska
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Re: angst davor alleine mit dem kind zu sein

Beitrag von Liska » 25:10:2017 18:58

liebe astrid,

danke für deine nachricht!! wann hat die angst allein zu sein mit dem kind denn aufgehört? ich hoffe es dauert nicht mehr allzulang! 😔 das mit den schuldgefühle kenne ich zu gut! hast du medikamente nehmen müssen? wer hat die diagnose gestellt?

ganz liebe grüße,
liska

katl0607
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Re: angst davor alleine mit dem kind zu sein

Beitrag von katl0607 » 25:10:2017 19:50

Hi liska!

Deine Ängste kenne ich auch sehr gut. Bei mir war es sehr sehr ähnlich.
Als wir aus dem kh heim kamen, war mein mann noch 4 tage zu hause und ging dann wieder arbeiten im 5 Schicht System. Das hieß für mich, den grossteil alleine stemmen!
Leider war ich zu dieser Zeit schon erkrankt. Das wurde mir aber erst in meiner genesungsphase bewusst.
Die Großeltern unsrer Tochter und auch ihre Tanten währen immer abrufbereit gewesen. Doch ich konnte keine Hilfe zulassen.
Das ging dann soweit, dass ich nicht mehr alleine bleiben konnte. Und dann fiel für mich der Entschluss in eine Tagesklinik zu gehen. Dort konnte ich dann innerhalb einer Woche anfangen. 7 Wochen wurden es insgesamt.
Es war eine sehr harte Zeit für uns drei und unsere Familien.
Aber wir haben es geschafft! Durch viel Offenheit und ehrlichkeit untereinander kriegen wir es heute immer noch prima gebacken.
Seitdem habe ich mich mit meiner Kindheit ausgesöhnt, und somit mit meinen Eltern. Ich vertraue ihnen jetzt mehr als jemals zuvor. Und wenn es bei mir mal wieder schwankt, rede ich offen darüber mit meinem man und meiner Familie.
Und wenn ich dir einen tip geben darf: lass dirgendwie helfen! Öffne dich und sprich über deine Gedanken und Gefühle. Erst dann wirst du viel positive Resonanz hören.
Soviele Frauen und auch Männer leiden an Depressionen, ob postnatal oder nicht.
Und, ich kann dir sagen, dass du wieder gesund wirst! Es wird wirklich besser und besser!
Arbeite an dir! Geh evtl in Gesprächstherapie und nimm Medikamente solange du nicht ganz über den Berg bist.
Und lass dich von schwankungen nicht entmutigen.
Dieses auf und ab gehört auch zu der Krankheit. Es ist ein typisches Symptom, dass hier jede kennt.
Die schwankungen werden weniger und schwächer werden.
Es dauert schon ein wenig. Aber es wird wieder bergauf gehen und du wirst ein normales Leben führen.
Und auch wenn du gesund bist, wird es schwankungen geben, weil es zum Mensch sein dazu gehört!

Alles Gute und viel Kraft wünsche ich dir
1. Kind geboren 7/14
Ab der Geburt schleichend Ängste und Panikattacken.
September 2015 psychosomatische Tagesklinik für 7 wochen
Diagnosen: Panikstörung, depressive Episode
sertralin 100 mg
Quetiapin 75 mg
Promethazin Trpf

Astrid
Beiträge: 99
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Re: angst davor alleine mit dem kind zu sein

Beitrag von Astrid » 25:10:2017 21:45

Hallo Du,

bei mir hat die Angst lange gedauert... . Aber das lag daran, dass es sieben Monate gedauert hat bis man erkannt hat, das ich an PPD erkrankt war. Mein Sohn war ein extremes Schreikind, und dadurch bin ich in den Hintergrund getreten. Alles drehte sich nur um ihn, ich existierte eigentlich gar nicht mehr. Als es ihm besser ging, bin ich zusammengebrochen, und da erst ist die Diognose gefallen. Eine Vertretung meines Hausarztes hat mir quasi das Leben gerettet, und mich zu einer Therapeutin geschickt. Da war ich aber schon verstummt, und konnte schon nicht mehr reden, ich sah keinen Sinn mehr darin. Ich habe Medikamente genommen, ja. Ich hatte vorher noch nie unter Depressionen gelitten. Und meine Therapeutin sagte damals, es sei so fast sicher, dass eine Stoffwechselstörung im Gehirn vorliege und das das durch Reden darüber nicht wieder weggehe, genauso, wie Durchfall von Reden nicht wegggehe... . Es war meine Rettung, auch wenn der Teil furchtbar war, weil ich mehrere Medis ausprobieren musste, bis das Richtige gefunden war. Mein Kind war da 14 Monate alt. Leider hat bei mir keines der gängigsten neuen Mittel gewirkt, und ich sprach erst auf ein altes nicht so oft eingesetztes AD an. Aber dann war es ein auftauchen aus dem Dunkel. Unbeschreiblich. später hat sie meine Therapeutin mir gesagt, man hätte auch abwarten Können, der Körper regle das irgendwann wieder von alleine, etwa drei Jahre müsse man rechnen, aber das Leiden wäre so groß, dass die meisten nicht mehr leben wollten. Ich kann mir das vorstellen, denn ich dachte da schon, meine Umwelt wäre besser ohne mich dran. Ich sah, wie alle mit mir litten, mein Mann, meine Eltern... . Und die Schuldgefühle die mich auffraßen.
Im Endeffekt war es eine riesen Erleichterung zu wissen, dass ich krank bin, und das es Heilung dafür gibt. Die Angst lies dann nach. Meine Mutter km dann sehr oft, und ich war auch oft bei meinen Eltern, die 200 km entfernt wohnen. Manchmal kann ich es nicht fassen, das jetzt alles so gut ist.
Ich bin sehr sehr dankbar. Ich drücke Dich und hoffe, dass es bei dir schneller geht.

Astrid

P.s. ich bin unglaublich dankbar, dass es diese Medikamente gibt, und ich würde sie mein ganzes Leben lang nehmen, wenn es sein müsste, um nie wieder in diesem Dunkel zu landen.
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
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