Positives Denken

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Nox

Positives Denken

Beitrag von Nox » 17:03:2016 20:41

Meine Therapeutin hat mir die Aufgabe gestellt, ein Positivtagebuch zu führen..

Himmel, es fällt mir wahnsinnig schwer, mich abends daran zu erinnern, wenn es nicht sowas einmaliges war, wie: mein Sohn hat mich heute das erste mal richtig angelächelt. :D

3 Dinge aufschreiben, die schön waren, oder auf die ich stolz war. Hmmm... ich schreibe dann eben so banale Dinge wie: heute war schönes Wetter, oder ich war lange spazieren..
Über negatives Denken könnte ich ein Buch schreiben.

Außerdem soll ich versuchen, immer vom positivsten Fall auszugehen, wenn ich schon über etwas nachdenken muss, um alte Denkmuster zu zerschlagen..

Wie macht ihr das? Gibt es da einen Trick?

Graureiherin
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Re: Positives Denken

Beitrag von Graureiherin » 17:03:2016 22:32

Hallo Du,

das Positivtagebuch kennen hier einige und haben es längere Zeit geschrieben. Ich auch.

Es wird dir helfen, deinen Blick (bzw. der Blick deines Gehirns) auf positive Dinge zu lenken. Das ist tatsächlich meist nichts weltbewegendes, sondern es sind Kleinigkeiten, wie z. B. die Farbe einer Blüte, die Form einer Wolke, die Silouette (ähh, schreibt man das so :wink: ) eines Baumes etc., Es ist eine gut erprobte Methode vor allem auch bei Depressionen.

Die negativen Gedanken sind natürlich trotzdem da, es geht darum ganz bewußt zusätzlich auf Positives zu achten.

Luise Reddemann (Traumatherapeutin) schreibt, man kann neben dem Positivtagebuch auch ein ganz normales Tagebuch führen, wenn man möchte. Doch das Positivtagebuch sollte gesondern geführt werden.

liebe Grüße an Dich
die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
seit Mai 2016 Escitalopram 10 mg
seit Juni 2017 6 mg Escitalopram
Verhaltens- und Gesprächstherapie

Nox

Re: Positives Denken

Beitrag von Nox » 18:03:2016 9:03

Liebe Graureiherin,

Ich werde mir erstmal das Positive, wenn ich es spüre, gleich im Handy notieren... und abends dann übertrage ich es ins Buch.

Vielleicht werde ich tatsächlich Tagebuch schreiben.. auch wenn es mich wahrscheinlich erschrecken wird, was ich da schreibe.. die Ängste und die Zwangsgedanken.

Das einzige, was mich zur Zeit beruhigt, ist, dass ich wieder Hoffnung auf Besserung habe.

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Marika
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Re: Positives Denken

Beitrag von Marika » 18:03:2016 9:06

Hallo,

ich habe auch ein "Glückstagebuch" geschrieben - lange Zeit!!! War ein Teil meiner Therapie. Genau darum geht es ja: auch die kleinsten schönen Dinge wieder wahr zu nehmen - praktisch als "Gegenpol" zu den vielen kleinen negativen Gedanken.

Es geht in dieser Übung um das Trainieren des Gehirns - sprich um das stärken jenes Gehirnareals, dass für das "positive Denken" zuständig ist. Das Gehirn ist ein Muskel und genau wie jeder andere Muskel kann es trainiert werden - in jede gewünschte Richtung. Mit dem Tagebuch wird jetzt eben der Teil des Hirns der für das Positive da ist angeregt, mehr, intensiver und stärker zu arbeiten. Im Gegenzug verändert sich jener Teil der für das Negative arbeitet auch - dieses Gehirnareal arbeitet weniger und tritt mit der Zeit in den Hintergrund.

Eine tolle und einfache Ãœbungen die so viel bringt - unbedingt dranbleiben, versprochen? :wink:

Genau das ist kognitive Verhaltenstherapie - das aktive Umtrainieren des Gehirns - und das kann keine Tablette der Welt vermitteln. Daher ist eine Therapie zusätzlich zum AD so, so wichtig!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

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Re: Positives Denken

Beitrag von Sanna » 18:03:2016 10:27

Hallo!

Ich habe auch "Sonnentagebuch" geschrieben, wie meine Therapeutin es nannte. Sehr lange, bestimmt zwei Jahre. Marika hat schon erklärt, wofür es gut ist.

Du kannst es auch anders machen, so wie ich heute. Immer, wenn ich einen Glücksmoment erlebe, schieße ich ein Handyfoto. Dann habe ich direkt vor Augen, was mir Freude gemacht hat. Ich brauche es heute nicht mehr zu therapeutischen Zwecken, trotzdem ist es schön diese Erinnerungen zu haben. Das können Kleinigkeiten sein. Manchmal fotografiere ich auch einfach meine Tasse Kaffee, weil sie mir in dem Moment gut getan hat. Oder meine Schuhe (so wie gestern), weil ich nach dem langen Winter endlich meine Chucks wieder rausholen konnte. Es sind die kleinen Dinge, die du aufschreiben/fotografieren kannst. Du kannst natürlich auch beides machen.Das wäre noch besser. Ich lasse mir am Ende des Jahres daraus immer ein Fotobuch machen. Das hilft auch dabei zu sehen, wieviel sich in den letzten Jahren getan hat im Bezug auf die Erkrankung.

Nur Mut!

Liebe Grüße, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei

Nox

Re: Positives Denken

Beitrag von Nox » 18:03:2016 11:24

Danke euch zwei..

Gut, werde artig damit fortfahren. :-) Das mit den Handybildern ist auch eine gute Idee!

Was mich immer wieder kurz in ein Loch fallen lässt, sind diese "neuen" Zwangsgedanken. Immer, wenn ich mich gerade mit einem arrangiert habe, kommt ein neuer um die Ecke.

Vorhin habe ich z.B. mit meinem Kleinen im Tragetuch die Dachterrassenfenster geputzt... und fand es richtig toll. Er war soooo niedlich, mit seiner kleinen Mütze, eingekuschelt ins Tuch und mich..

und dann plötzlich wieder ein ZG - Was, wenn ich ihn von der Dachterrasse werfe ? Bäm, Panik. Habe trotzdem zu Ende geputzt, nur leider hat es mir den schönen Moment kaputt gemacht .. :? :cry:

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Re: Positives Denken

Beitrag von Marika » 18:03:2016 12:32

Ja, das ist sehr gemein, ich weiß. Das geht allen mit ZG so. Aber SUPER, dass du trotzdem weiter geputzt hast - du hast die Angst und die Panik ausgehalten. So konnte dein Gehirn registrieren: o.k. es passiert ja gar nicht, was ich da denke.... mit der Zeit wird das so verinnerlicht, dass das Gehirn aufhört solche zwanghafte Bilder zu senden. Es lernt, dass es nicht nötig ist.

Hast du ganz toll gemacht, Kompliment - es ist nämlich alles andere als einfach in der Situation zu bleiben!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

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Re: Positives Denken

Beitrag von Inga » 18:03:2016 14:43

Hallo Nox!

Mich haben auch all diese fiesen Gedanken geplagt und weiß genau was du meinst, da hat man einen schönen Moment und diese ZG´s machen das alles wieder kaputt und man kann es nicht genießen.

Ich hatte auch sehr oft den Gedanken, ich könnte meine kleine irgendwo herunter werfen...das ist total ätzend ABER es wird niemals passieren. Das ist das Gute an dieser Erkrankung, für uns fühlt es sich furchtbar an, aber es gibt ÜBERHAUPT keine Gefahr...

Sehr gut, das du dich der Angst stellst. Das habe ich auch IMMER gemacht und nach und nach wurde die Angst weniger und dann verschwanden auch die fiesen Gedanken.
Mein Therapeut hat mir mal erzählt, er hatte auch mal so einen Gedanken als sein Sohn gerade geboren wurde. Da er nicht an einer Zwangserkrankung leidet, war der Gedanke bei ihm sofort wieder weg und er hat gar nicht weiter drüber nachgedacht...ist halt gedanklicher Müll und weg damit.

Unser Gehirn hat da halt eine kleine Störung, weshalb wir immer und immer wieder diesen Gedanken denken müssen, wie eine Platte die einen Sprung hat und dann kommt die Angst und Panik.

Für mich war es unumgänglich ein Medikament einzunehmen. Es hat mir wirklich sehr geholfen, natürlich mit einer begleitenden Verhaltenstherapie. Ich habe auch einen Therapeuten der auf Zwänge spezialisiert ist.

Ich habe gerade jetzt wieder gemerkt, wieviel Einfluss auch das Medikament hat. Ich habe mein AD etwas reduziert und hatte ein paar Wochen in denen ich mich, nach langer Zeit, wieder wakeliger gefühlt habe.

Ich kenne allerdings auch die ein oder andere Frau, die es ohne AD gemeistert hat. Für mich persönlich wäre das keine Option gewesen, da ich sehr tief im Zwang hing.

Ich drücke ganz doll die Daumen, das es bald besser wird und mach weiter so.

Liebe Grüße Inga
Diagnose:
schwere PPD mit massiven ZG

Nox

Re: Positives Denken

Beitrag von Nox » 18:03:2016 20:59

@Marika: Ich danke dir. Es ist wirklich schwer.. vor allem, weil mein Kopf noch immer erwartet, dass es morgen weg ist. Schließlich habe ich doch alles brav gemacht, was der Therapeut gesagt hat. :? Und dann wacht man wieder den nächsten morgen enttäuscht und ängstlich auf.. :(

@Inga: Euer Schreiben, dass nichts passieren wird, und die Krankheit auch heilbar ist, macht mir immer wieder Mut... und auch, dass ich nicht allein damit bin. Im Moment habe ich noch so Zukunftsängste..

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