Ich bin wieder gesund!

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Astrid77
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Ich bin wieder gesund!

Beitrag von Astrid77 » 19:10:2017 15:14

Hallo an alle!

Ich wollte mich nur noch einmal melden, ich glaube außer dass ich ab und zu hier hineinschaue, werde ich nichts mehr schreiben – denn ich habe gottseidank nichts mehr zu berichten!
Mein 2. Kind, was ja die Depression ausgelöst hat einen Monat nach der Geburt, wird nun bald 3 Jahre alt. Für diejenigen, die jetzt gerade mit der Depression/Panik/Angst kämpfen, ist das jetzt sicherlich nicht so toll zu lesen, dass es bei mir fast drei Jahre gedauert hat, aber auch meine Ärztin damals sagte mir, dass es wohl bei mir einfach länger dauert als beim Durchschnitt. Aber im Nachhinein denke ich mir nur, egal wie lange es gedauert hat, Hauptsache es ist vorbei! Was dazu beiträgt ist eben auch das Alter des Kindes, denn ich habe nun nicht mehr dieses hilflose kleine Baby, bei dem ich nie wusste was nun schon wieder ist wenn es schreit, sondern ein Kleinkind das mir wenigstens ungefähr sagen kann, was es mag/braucht/nicht will etc.
Ich glaube ich bin jetzt eine normale Frau, die ab und zu mit dem Mutterdasein hadert, der ewigen Tretmühle mit trotzigen Kindern etc., aber all das hält sich irgendwie im Rahmen, ich habe keine Attacken und nicht mehr dieses düstere Gefühl grundlos. Ich nehme viele Sachen lockerer und bin insgesamt fröhlicher. Ich vergleiche mich oft so nach dem Motto „Was hast du heute vor einem Jahr (zwei Jahren, drei Jahren) gefühlt?“ und da muss ich sagen, ich bin wie ausgewechselt. Sachen die für mich vor zwei Jahren Horror waren, machen mir nun sogar Spaß. Ich bekomme keinen Absturz mehr, nur weil auf dem Spielplatz mal niemand mit mir redet – denn wenn ich will, spreche ich selbst andere an.
Mein Leben ist in keinster Weise wunderschön oder perfekt, aber all das stört mich gerade nicht so, ich bin nur SO froh dass diese Krankheit vorbei ist, und eigentlich denke ich auch, sie wird nicht wieder kommen, denn ein weitere Kind bekomme ich auf keinen Fall. Erstens auf Grund der Erfahrungen und zweitens bin ich dieses Jahr vierzig geworden.
Ich versuche es mir irgendwie einfach zu machen, damit meine Gesundheit auch so bleibt. Meine Kinder sind daher relativ lang im Kindergarten, aber so wirklich Vorwürfe mache ich mir deswegen nicht, denn ich weiß es geht einfach nicht anders. Am Wochenende habe ich oft nachmittags eine Babysitterin die mir die Kinder mal 4 Stunden abnimmt.
Ich habe echt noch viele Baustellen zu bearbeiten (Arbeitssuche, Probleme mit meinem Mann), aber wie gesagt, das wichtigste ist, das man gesund ist! Ich habe sogar ab und zu immer noch Suizidgedanken, aber das ist kein Zwangsgedanke mehr, sondern kommt immer mal in schlechten Situationen und geht dann wieder.
Dieses Forum hat mir sehr geholfen, ich habe dennoch immer mal wieder lange Zeit nicht reingeschaut, weil es mich auch traurig gemacht hat, diese vielen Schicksale zu lesen. Auch jetzt fällt es mir noch schwer hier zu lesen, es löst halt immer Erinnerungen aus.
Allen, die hier sind wünsche ich, dass sie irgendwann auch Gesund werden, egal ob es 3 Wochen oder 3 Jahre dauert! Wem nichts hilft (wie mir damals, also Medikamente, Reden, Therapie, die mir verhassten positiv- und negativ Tagebücher…) dem hilft halt die Zeit.

LG Astrid
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1. Kind 1/2013 keine PPD

2. Kind 12/2014 PPD 1 Monat später

Sertralin, Cymbalta, Venlafaxin, Mirtazapin, Lyrica durchprobiert und wieder abgesetzt.
Momentan ohne Medikament - mal mehr und mal weniger stabil.

Regenbogen
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Re: Ich bin wieder gesund!

Beitrag von Regenbogen » 20:10:2017 9:17

Liebe Astrid77,

vielen Dank für deine Worte. Mein Kind ist nun 3,5 Jahre und ich hatte vor kurzem, nach Absetzen meines AD´s einen "Rückfall". Im Moment geht es mir mal so mal so. Bin dabei eine VT-Therapie zu beginnen, nachdem meine erste Therapie nicht hilfreich war. Immerhin ging es mir 1 Jahr lang mit AD einigermaßen gut. NOch habe ich mit den AD nicht angefangen, weil wir einen Kinderwunsch haben. Vermutlich hat mich das auch getriggert. Ich werde nächstes Jahr 40 und wollte bis dahin die Familienplanung abschließen. Nun kommen mir immer wieder Zweifel, ob es egoistisch ist, mit meiner Erkrankung überhaupt ein Kind zu bekommen. Insbesondere mit meinem furchtbaren Zwangsgedanken. Aber ich wünsche mir für meinen Kleinen so gern ein Geschwisterchen und gleichzeitig dreht sich mir der Magen schon rum, wenn ich Babyklamotten sehe. Werde bald mit einer Hormontherapie beginnen, weil sich da nach einem Speicheltest gezeigt hat, dass einiges nicht im Lot ist. Ob ich mich da in was verrenne, weiß ich nicht. Ich möchte es jedoch nicht unversucht lassen, dies und meine Schilddrüse wieder i. O. zu bringen, bevor ich wieder mit den AD beginne. Auch hoffe ich, dass vllt. die VT mir diesmal hilft.
In schlechten Zeiten, kommt jedoch immer wieder diese Hoffnungslosigkeit, dass es nie besser wird. Andere Frauen schreiben schon nach einem Jahr, dass es Ihnen gut geht. Mein Kind ist 2014 geboren und ich sitze hier und schreibe weinend dieses Zeilen. Ich habe solche Angst, dass es immer so bleibt und bei mir nichts anschlägt.

Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und freue mich sehr, dass du über den Berg bist!!!!
März 14: Geburt Kind
Mai 14: PPD mit Angst- und Zwangsstörung
Jan 15 - März 16: Therapie (keine VT leider)
Okt 15 - Feb 16 : Opipramol 100
Nov 15 - April 17 : Escitalopram 10 (Jan 16 - Aug 17 beschwerdefrei)

August 17 : Rückfall
Januar 18: Beginn Verhaltenstherapie

Astrid77
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Re: Ich bin wieder gesund!

Beitrag von Astrid77 » 20:10:2017 11:01

Hallo Regenbogen,

das kann ich gut glauben, dass es dir nicht besser geht. Habe es ja selbst so erlebt, dass andere irgendwie über den Berg waren und man selbst nicht. Ich denke aber, wenn ich jetzt in deiner Situation wäre, dann wäre ich auch nicht gesund. Bei mir ist nämlich der springende Punkt, dass ich all das hinter mir lassen kann - Babysachen, Neugeborenes, Zeit nach der Geburt im Krankenhaus, Stillen/Fläschchen alle 3 Stunden (oder öfter)... all diese Sachen werde ich nicht noch einmal erleben, und das gibt mir Sicherheit. Dass diese Sachen gerade DAS ist, was viele am Baby-bekommen so schön finden, ich aber nicht, damit habe ich meinen Frieden gemacht. Ich fand es halt nicht schön und es ist ok.
Als mein zweites Kind kurz vor der Geburt war, habe ich auch Babysachen wieder herausgekramt, und da hat sich mir auch der Magen umgedreht. Es war das erste Anzeichen für die Depression (von der ich damals nichts geahnt habe). Ich habe meinen Mann angerufen und es ihm irgendwie erklären wollen, dass es mir schlecht geht, weil ich diese winzigen Bodys, Mützchen etc. herausgekramt habe, und das kam mir dann so dumm vor. Aber ich verstehe dein Gefühl total! Dann war es auch so, dass wenn ich ein kleines Baby habe schreien hören, hatte ich gleich Beklemmungen. Das ist jetzt zum Glück weg. Ich denke mir dabei mittlerweile gar nichts mehr.
Ich hoffe, du findest einen Weg, dass es dir ein bisschen besser geht und du das zweite Kind in Angriff nehmen kannst. Wenn du es dir wünschst und es für dich klar ist dass du es willst, dann ist das doch ein guter Anfang! Vielleicht gibt es dir ja auch den extra-Kick an Selbstbewusstsein oder gutem Gefühl, sodass es gar nicht erst so schlimm wird wie beim ersten? Die Leiterin der Selbsthilfegruppe in der ich ab und zu war, hatte selbst nach dem zweiten Kind eine Depression, und hat sich in der Schwangerschaft vom dritten Kind mit der Bindungsanalyse beschäftigt - dies soll ein fast sicherer Schutz vor postpartaler Depression sein. Vielleicht ist es ja etwas für dich? Hier ist der link zur Webseite zum lesen: https://www.bindungsanalyse.at/
Ich wünsche dir alles Gute!
LG Astrid
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Regenbogen
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Re: Ich bin wieder gesund!

Beitrag von Regenbogen » 24:10:2017 9:15

Hallo Astrid,

das was du schreibst, kann ich absolut nachvollziehen. Ich denke mir manchmal, dass wenn das zweite Kind da wäre und die Familienplanung somit abgeschlossen, wäre ein großer Risikofaktor für einen Rückfall weg. Ich müsste mich damit einfach nicht mehr beschäftigen und kann mich voll auf darauf konzentrieren, was ich tun kann um gesund zu werden bzw. mit meiner Erkrankung umzugehen. So hängt dieses Thema wie ein Damoklesschwert über mir. Das mit den Beklemmungen, wenn ein Baby schreit oder auch nur in der Nähe ist kenne ich auch. Ich dachte, dass es wg. meinen ZG´s sein könnte, aber es ist einfach auch so, dass es mich an die Anfänge meiner furchtbaren Zeit erinnert und Ängste hervorruft. So traurig das auch klingt :(
März 14: Geburt Kind
Mai 14: PPD mit Angst- und Zwangsstörung
Jan 15 - März 16: Therapie (keine VT leider)
Okt 15 - Feb 16 : Opipramol 100
Nov 15 - April 17 : Escitalopram 10 (Jan 16 - Aug 17 beschwerdefrei)

August 17 : Rückfall
Januar 18: Beginn Verhaltenstherapie

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