Briefe an die Enkelin

Hier können sich die Angehörigen der PPD/PPP-Betroffenen untereinander austauschen.

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omi

Briefe an die Enkelin

Beitrag von omi » 11:02:2013 8:25

Hallo, habe vor kurzem schonmal in diesem Forum geschrieben. Kurz zu meiner Situation: Meine Tochter hatte oder hat immer noch eine mehr oder wenig schwere nicht diagnostizierte (sie geht immer noch nicht zum Arzt) postnatale Depression, wir waren immer zur Stelle. Nach schwerer Krankheit meines Mannes hatte auch ich nicht die besten Nerven und bat sie nach einem erneuten Zusammenbruch ihrerseits (Kind war damals 1/2 Jahr) zum Arzt zu gehen und sich medikamentös behandeln zu lassen. Seitdem ist mehr oder minder funkstille, das ich sie ja "in die Klapse" (ihre Worte) stecken wollte. Habe ihr immer wieder gesagt, das ich Sorge um sie habe und sie nicht ärgern will. Leider nimmt sie bis heute keine Hilfe an. Mein Problem ist, das ich mein Enkelkind seit diesem Zeitpunkt nur noch sporadisch zu sehen bekommen, Anrufe meinerseits werden nur knapp beantwortet. Das tut mir umso mehr weh, da wir immer ein inniges, fast freudschaftliches Verhältnis hatten und viel gemeinsam unternommen haben. Ich vermiss mein Enkelkind total und die Vorstellung, das ich sie auf lange Sicht verliere ist mir unerträglich. Ich habe mir fest vorgenommen, ihr ein Brieftagebuch anzulegen, in dem sie vielleicht später, falls sich die Situation nicht ändert, einfach mal nachlesen kann, wie sich unser Leben gestaltet, das wir sie liebhaben und vermissen und immer an sie gedacht haben. Ich weis mir sonst keine andere Lösung. Ich möchte nicht, das sie später mal denkt wir wollten sie nicht oder hätten sie abgelehnt. Ich vermisse sie unendlich. Vielleicht helfen die Briefe ja.
Hat jemand einen Rat?

Eine einsame Omi :arrow: :arrow:

Bommelchen

Beitrag von Bommelchen » 11:02:2013 9:36

Liebe Omi,

zunächst einmal möchte ich Dir sagen, dass ich Deine Tochter um Dich beneide! Meine Mutter lebt leider nicht mehr, und mein Vater kann mit meiner Erkrankung nicht gut umgehen. Glücklicherweise habe ich aber den besten Ehemann der Welt :-)) !

Ansonsten kann ich Dir nach meiner Erfahrung nur wenig Hoffnung machen. Die Behandlung psychischer Erkrankungen hat nur dann Erfolg, wenn der Erkrankte die Einsicht hat, dass er Hilfe benötigt. Wenn es Deiner Tochter an dieser Einsicht fehlt bzw. sie Angst davor hat, als "verrückt" abgestempelt zu werden, wird sie nicht zu einem Arzt gehen. Da kannst Du leider nicht viel tun.

Die Idee mit dem Brieftagebuch finde ich gut. Auch kannst Du Deiner Tochter ja als letzten Versuch einen Brief schreiben, in dem Du sie u.a. bittest, zu einem Arzt zu gehen. Vielleicht hast Du Glück und Du erreichst sie.

LG Bommelchen

scaramouch

Beitrag von scaramouch » 11:02:2013 9:38

Liebe Omi
es tut mir sehr leid das ihr in so einer verfahrenen Situation steckt. Eine PPD ist schon schlimm genug, aber wenn die Betroffene sich selber nicht als krank empfindet, ist es fast unmöglich, als Aussenstehender dafür zu sorgen das sie Hilfe annimmt.
Und nun "entzieht" sie aus falschem Stolz auch noch den Grosseltern das Enkelkind, was natürlich schmerzt, das versteh ich gut.
Hast du ihr mal diese Seite hier empfohlen oder kennt sie sie vielleicht von selber schon?
Wie äussert sich ihre PPD denn? Was für Symptome hat sie oder nimmst du an ihr wahr?
Bitte erzähl noch etwas mehr. Würde dir sehr gerne helfen bzw. ein paar Ansätze vermitteln.

Liebe Grüsse
scara

Sonnenschein84

Beitrag von Sonnenschein84 » 11:02:2013 9:39

Liebe Omi,
ich finde es schön, dass du den Weg hier hn gefunden hast. Es ist ja für Eltern nie leicht zu sehen, wenn ein Kind krank ist. Ich finde es aber umso besser, dass du deine Tochter darauf aufmerksam gemacht hast, dass du dir Sorgen um sie gemacht hast und du vermutest, dass sie postnatale Depressionen hat, mit denen sie zum Arzt gehen sollte. Das ist meines erachtens genau der richtige Weg gewesen. Ich wäre damals total froh gewesen, wenn meine Eltern mir geraten hätten zum Arzt zu gehen und nicht einfach zu denken "wird schon wieder"..., als offensichtlich war, dass ich krank bin.
Leider gibt es bei einigen Menschen immer noch große Vorbehalte gegenüber Psychiatern und Psychopharamka, obwohl diese Medikamente manchmal nötig sind um gesund zu werden oder es damit zumindest sehr viel schneller geht. Es tut mir wirklich leid, dass dein Versuch deiner Tochter zu helfen so abgeschmettert worden ist und du jetzt so wenig Kontkat zu ihr und deiner Enkelin hast.
Was das Verhältnis zu deiner Enkelin betrifft, da fände ich ein Brieftagebuch eine sehr schöne Idee. Das kann für deine Enkelin später mal sehr schön sein und ist auch für dich sicher sehr wichtig, weil du dich ihr dann mitteilen kannst.
Es wäre natürlich auch sehr schön, wenn sich das Verhältnis zu deiner Tochter irgendwann wieder verbessert. Gibt es noch Kontakt zu dem Vater des Kindes, der evtl. vermitteln kann? Hast du mal versucht das Gespräch mit ihr zu suchen? Vielleicht könntest du ihr auch mal anbieten mal 1-2 Stunden etwas mit deiner Enkelin alleine zu machen, wenn deine Tochter mal etwas Zeit für sich haben will. Das kann ich nicht einschätzen, ob das ginge. Nicht, dass sie misstrauisch ist und denkt, du würdest ihr das Kind dann wegnehmen wollen... manchmal kann das ja durch die krankheit ein Gedanke sein. Dann könntet ihr vielleicht etwas zu dritt machen.

Liebe Grüße

omi

Beitrag von omi » 11:02:2013 9:51

Danke euch allen für die lieben Antworten. Also, ich habe meiner Tochter vor ein paar Wochen einen sehr langen Brief geschrieben, auf den sie leider nicht reagiert hat. Leider ist ihr Lebensgefährte mit dem sie zusammen lebt zum Ja-sager mutiert. Alles wird gut....
Ich weiß, das es meiner Tochter immer noch nicht gut geht. Kommt immer mal wieder phasenweise. Sie kann sie aber mittlerweile gut verstellen. Vor ein paar Wochen rief sie an, warf mir vor, ich würde mich nicht kümmern, ihr Freund wäre auch nicht so toll, wie alle denken, ich bekomme gar nicht mehr alles zusammen. Ich bin im Moment aber ziemlich machtlos.
Meine Enkelin kann ich leider nicht rausholen, da sie sehr überbehütet wird und alleine mit ihr Autofahren ist "zu gefährlich". Es kommen ausreden wie wir sind die nächsten Wochen schon verplant etc. Da ich eine junge Oma bin stehe ich noch voll im Berufsleben und bin auch auf bestimmte Zeiten angewiesen. Es ist alles sehr verfahren im Moment. Das schlimme ist nur, ich bekomme sie nicht aus dem Kopf. Abend beim Zubettgehen und morgens beim Aufwachen.
Ich habe jetzt erstmal für mich eine Kur beantragt, weil mir das alles so zu schaffen macht.

sonnenblume

Beitrag von sonnenblume » 11:02:2013 11:48

Liebe Omi, ich habe noch eine Idee, wenn auch der Weg steinig sein mag. Erkundige dich doch mal beim Jugendamt oder bei einem Rechtsanwalt (Familienrecht), wie es mit dem Recht der Großeltern auf Kontakt zum Enkel steht und inwieweit man auch vielleicht gegen den Willen der Eltern einen Kontakt haben kann. Wie gesagt, es ist kein einfacher Weg und sicher auch belastend, aber eine grundsätzliche Information wäre vielleicht für dich hilfreich.
Ich finde die Idee mit dem Brieftagebuch auch sehr schön.
Ich wünsche dir sehr, dass du einen Weg findest und die Kur dir gut tut!
Liebe Grüße Sonnenblume

scaramouch

Beitrag von scaramouch » 11:02:2013 14:50

Oh Mann das klingt wirklich alles sehr verfahren. Du hast ihr sogar einen Brief geschrieben und sie damit scheinbar nicht erreicht, das wäre jetzt mein Vorschlag gewesen....schade.
Weisst du was ich glaube? Es ist nicht besonders positiv, aber vermutlich muss sie erstmal selbst merken, dass etwas nicht stimmt und du solltest dich wohl zurückziehen. Ich hoffe nicht, dass deine Tochter eines Tages einen richtigen Zusammenbruch erleidet, aber ich meine auch, dass es vielleicht soweit kommen muss, damit sie selber kapiert, dass es so nicht weitergehen kann und sie deine Hilfe braucht sowie auch professionelle Hilfe.
Darf ich noch fragen wie alt deine Tochter ist und wie alt deine Enkeltochter? Weiss jetzt grad nicht ob du das oben schon erwähnt hattest.
Du schreibst du bist eine junge Oma, deshalb geh ich mal davon aus das deine Tochter auch noch jung ist. Ich bin selbst sehr früh Mama geworden und bei mir war es auch so, dass ich allen beweisen MUSSTE und wollte, wie gut ich zurecht komme obwohl alle solche Zweifel hatten, als ich mit 17 schwanger wurde. Vermutlich spielt das bei deiner Tochter auch noch eine Rolle.

Ich hoffe das sich alles wieder zum Guten wendet und ich wünsche dir viel Kraft.

omi

Beitrag von omi » 11:02:2013 15:40

Also,bin eine junge omi,da ich meine tochter um die es geht mit 17 bekommen habe. Meine tochter selber ist ne späte mami. Sie ist 33 und mein enkelkind 2.. ich hatte früher die unterstützung meiner eltern und habe daher auch viel verständnis für sie. Aber ich glaube auch, ich sollte mich erst mal zurückziehen, da egal was ich im moment mache eh falsch ist. Ist nur so verdammt schwer.

scaramouch

Beitrag von scaramouch » 11:02:2013 21:40

Das verstehe ich aber glaub mir, es kommt der Tag an dem sie dich brauchen wird und sich bei dir meldet.

Bommelchen

Beitrag von Bommelchen » 12:02:2013 0:49

Jetzt muss ich ja mal ganz kurz protestieren. Späte Mami, wo sie das Kind mit 31 Jahren bekommen hat? Ich war 37, als mein Kleiner auf die Welt kam, und ich fühle mich durchaus noch ganz "frisch" ;-).

Mamis über 30 sind heutzutage mittlerweile die Regel.

LG Bommelchen

omi

Beitrag von omi » 12:02:2013 5:57

Tschuldigung,aber im verhältnis zu mir ist sie ne relativ "späte"mami. War nicht persönlich gemeint. :oops:

Bommelchen

Beitrag von Bommelchen » 15:02:2013 14:11

Alles gut :-).

omi

Beitrag von omi » 21:02:2013 8:11

Gestern war wieder ein ganz schlimmer Tag. Hatte mit meiner Mutter telefoniert und die erzählte mir, das meine Tochter mit meiner Enkelin gestern bei ihr waren und das es beiden gut geht. Da war bei mir Ende und ich könnte im Moment nur heulen, da ich es nicht in meinen Kopf kriege, das sie sich bei mir nicht meldet und den Kontakt meidet. Muss ich aber im Moment wohl mit leben. Die Brief an meine Enkelin tun mir ganz gut.
Ich musste das nur mal kurz loswerden, da mein Mann gesundheitlich durch Herzproblemen sehr angeschlagen und nicht wirklich belastbar ist. Auch deswegen habe ich ein wenig Angst, das es für meine Tochter irgendwann zu spät sein könnte. Er hat 3 Herzinfarkt und div. Stentsetzungen hinter sich und irgendwann kann auch mal der letzte Herzinfarkt kommen. Dann könnte seine Enkelin ihren tollen Opa nicht mal richtig kennenlernen.
Ps: Es tut gut, hier ab und an zu lesen und ein wenig verständnis zu bekommen. - Danke

scaramouch

Beitrag von scaramouch » 21:02:2013 10:51

Liebe Omi
ich kann gut nachvollziehen das es dich sehr schmerzt wenn du von anderen hörst, wie deine Tochter und Enkelin sie besuchen usw.
das geht ganz schön tief und tut im Herzen weh.
Auch deine Gedanken auf deinen Mann bezogen verstehe ich, und es tut mir selbst weh zu lesen, wie ihr darunter leidet.
Willst du nicht nochmal versuchen ihr zu schreiben? Das kann sie doch nicht kalt lassen, ich kapier das nicht.
Darf ich fragen was du ihr im letzten Brief geschrieben hast?
Es sollte ein Brief sein, in dem es keine Vorwürfe gibt, in dem du ihr nur schreibst, wie furchtbar ihr leidet, wie sehr ihr euch wünschen würdet sie unterstützen zu können und welche Gefühle ihr für sie habt.
Vielleicht ist ihr wirklich nicht klar, wie sehr ihr leidet.
Biete ihr auch an dass du nichts mehr sagst im Bezug auf PPD usw. Das sie meinetwegen nichtmal gross mit dir kommunizieren muss sondern dir deine Enkelin nicht vorenthalten soll und deinem Mann täte es auch gut für sein Herz.
Weisst du es geht jetzt nicht mehr darum wer Recht oder Unrecht hat, sondern um Schadensbegrenzung denn ihr leidet alle. Du weisst meine Meinung zu PPD usw, aber jetzt ist wichtiger das dieses Leid verschwindet und ihr zueinander findet.
Gibt es was, womit du ihr eine grosse Freude machen kannst? Ein Geschenk das ihr zeigt, dass sie immer noch deine Tochter ist und du sie liebst?
Versuch es nochmal. Was gibt es zu verlieren?
Mensch ich wünsch dir alles Gute.

omi

Beitrag von omi » 21:02:2013 11:20

Habe in meinem Brief geschrieben, was mich bewegt, was ich mir wünsche, wie es uns geht und was ich ihr wünsche. Habe ihr aber auch geschrieben, was mich verletzt. Es ist halt so, das alles was ich mache verkehrt ist. Hatte ein Paket zu Weihnachten geschickt. ist wieder zurück gekommen. Hätte ich es nicht geschickt, hätte es geheißen ich kümmere mich nicht. Ich denke ich habe alle Mittel ausgeschöpft. Es ist mir im Kopf ja auch alles klar. Aber das Herz sagt eben was anderes. Ich kann auch nicht wirklich immer alles schlucken, denn ich hab ja auch noch nen Leben, was ich gebacken kriegen muss. Da sie ja auch nicht sieht, das irgendwas nicht richtig läuft ist es auch schwer, das zu thematisieren. Muss mich halt irgendwie damit auseinandersetzen. Ich muss auch erstmal wegstecken, das sie mich anlügt, mir Sachen vorwirft, die nicht stimmen. Soetwas habe ich einfach noch nicht erlebt. Die ganze Familie hat immer (es gab schon mehrere schwere Situationen) zusammengehalten. Meine Kinder können mit allem kommen. Das hat uns immer als Familie ausgemacht. Das ist halt im Moment ziemlich kaputt und ich stelle die letzten 30 Jahre in Frage. ich suche immer noch bei mir. Das macht es so schwer. Habe das Gefühl langsam selber in eine Depression zu verfallen.

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