Männer und PPD

Hier können sich die Angehörigen der PPD/PPP-Betroffenen untereinander austauschen.

Moderator: Moderatoren

Wolfgang

Männer und PPD

Beitrag von Wolfgang » 26:02:2006 12:42

Hallo zusammen,

was mich persönlich interessieren würde, wie geht es Euren Männern nach der PPD ? Ich habe gemerkt, nachdem die PPD bei uns fast überstanden war, ging es mit mir und meiner Gesundheit rapide herunter.
Jetzt kämpfe ich gerade mit meiner Gesundheit. ( Magen , Rückenprobleme)
Gern auch Infos über PN.
Liebe Grüße Wolfgang

Daffy

Beitrag von Daffy » 02:03:2006 1:32

Hallo Wolfgang, lieber Leidensgenosse!

eines als Zusammenfassung vorweg: es ist vollkommen verständlich, dass eine PPD/PPP an Dir als (Ehe-?)Mann auch nicht spurlos vorbei geht!

Vielleicht kurz zu uns: Meine Frau (Forum: Anja) hatte nach der Geburt unseres Sohnes (Frühjahr 2003) eine (heftige!) PPPsychose, mit allem, was dazu gehört (drei Krankenhausaufenthalte, Selbsttötungsgedanken, Medikamenten-Odyssee,...). Nach eineinhalb Jahren (Herbst 2004) ging es ihr (endlich!) besser, und plötzlich war ich dran! Ein Arzt attestierte mir dann eine beginnende Depression, beruflich kamen bei mir Probleme, und gesundheitlich war es bei mir auch nicht mehr zum besten. Infekte kamen alle zu mir, ich schlief schlecht, war nervös und fahrig / zittrig, und hatte Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren. Mir selbst haben geholfen (und helfen noch heute!) aktive Entspannungstechniken wie z. B. Yoga (oder auch Chi Gong?) und ein paar Gespräche mit einem Therapeuten. Ich denke, das ist nicht zu unterschätzen, was Mann während einer PPd oder PPP mitmacht (vor allen¨m, wenn man, so wie Du (und ich!) davon spricht, "wir haben überstanden". So sehr man auch meint, unbeteiligt und hilflos "daneben" zu stehen, so sehr ist man doch damit beschäftigt, zu unterstützen und auch zu kompensieren (da ist ja immer auch noch das kleine Kind, das nach Beschäftigung und "Action" verlangt, auch das ist nicht zu unterschätzen!

Mein konkreter Tipp an Dich wäre, auch (? ich vermute, Deine Frau war in Behandlung?) Hilfe aufzusuchen, eventuell direkt dort, wo Deine Frau eine Ansprechperson hat (falls Du im süddeutschen -- münchner? -- Raum bist, gebe ich Dir gerne konkretere Adressen), um Dir auch mal "auf die Schulter klopfen" zu lassen.

Lass Dir jedenfalls gesagt sein, dass Du nicht alleine bist mit Deiner Situation, und dass ich hier sehr gut mitempfinden kann, wie es Dir wohl im Moment gerade geht. Ich weiss oder kann mir vorstellen, dass Du übermenschliches geleistet hast und verneige mich hiervor aus eigener Erfahrung tief!

Als kleiner Lichtblick sei Dir noch gesagt, dass es bei uns mittlerweile ein (gutes!) Ende gefunden hat (hoffentlich!?). Anja ist vor einiger Zeit nochmals -- ungewollt -- schwanger geworden und unser "Unfall ist gestern sechs Monate alt geworden. Es ist beim zweiten Mal alles wie im Bilderbuch gelaufen, ohne irgendwelche Komplikationen bei der Geburt, ohne PPD / PPP, mit Stillen usw. Wir hoffen jetzt dann auf das Absetzen der letzten Medikamente nach Ende des Stillens (da kommt wohl nochmal eine Hormon-Umstellung). Ich selbst habe jetzt noch ein wenig "Coaching", aber mehr, weil es gut tut, als weil das noch mit der Krankheit meiner Frau zusammenhängt.

Wolfgang, Kopf hoch, es wird wieder werden, und dass Du jetzt (auch massiv) leidest, ist mir nicht anders ergangen und GEHT AUCH WIEDER VORBEI!!!

Es grüsst Dich

Daffy

(oh Gott, ist das lang geworden...)

Wolfgang

Hallo Daffy

Beitrag von Wolfgang » 03:03:2006 22:37

Hallo Daffy,

vielen Dank für Deine wirklich gute Erklärung.
Beim Lesen kam es mir vor als schaute ich in einen Spiegel.
Seit letzter Woche lasse ich mich jetzt auch "coachen" :-)
Ich hoffe wir geben anderen damit auch einen funken Hoffnung das es uns Männern auch irgendwann wieder besser geht.
Zur Zeit habe ich eine dolle Halsentzündung so wie schon gesagt alle Infektionen mitnehmen.
Ein schönes Wochenende
Gruß
Wolfgang

Milla

Beitrag von Milla » 04:03:2006 0:53

Hallo Wolfgang! :D

Ich habe meiner Hausärztin meine Sorge geäußert,daß mein Mann eventuell an Depression leidet (es geht mir selber gerade besser).Sie hat geantwortet,daß Studien zufolge,Ehepartner, deren Partnerin an PPD/PPS erkrankt ist/war,oft auch an Depression selber erkranken.

Mein Mann hat seit dem Anfang meiner Krankheit sehr viel durchgemacht und mich erstaunt es nicht,wenn seine Nerven mit all diesen Belastungen jetzt schwach werden.

Darum habe ich ihm angeboten,jetzt mal Johanniskraut einzunehmen , da es mir selber so gut tut und ich möchte eine Ehetherapie mit ihm anfangen,um diese schlimmen Erlebnisse mit ihm zu verarbeiten.Unsere Ehe hat ganz schön gelitten,das Vertrauen zu mir ist zerrütet worden.

Eine Frage:was ist ein Coach?Ein Psychotherapeut?

LGMilla

Wolfgang

Hallo Milla

Beitrag von Wolfgang » 04:03:2006 11:13

Hallo Milla,

Du hast Recht " Coach" habe ich von Daffy übernommen, er hatte es auch für den Therapeuten genutzt. Die Aussagen von Daffy sind wirklich sehr gut, die geben das wieder, wie er, ich und wohl sehr viele andere Männer sich nach einer PPD fühlen.
Lieben Gruß
Wolfgang

Micha

An Wolfgang

Beitrag von Micha » 06:03:2006 10:19

Hallo Wolfgang,

mein Mann mußte ja schon 2 Depressionen mit mir durchmachen und die zweite gab unserer Ehe den Rest. Seit einem halben Jahr sind wir getrennt.

Aber wenn ich das hier lese, dass Männer auch Depressionen kriegen können, wennn ihre Frauen wieder gesund sind, wird mir das ein oder andere klar.

Mein Mann hat sich total verändert, zieht sich anders an, hört Musik wie ein 18-jähriger, hat abgenommen und geht jedes Wochenende fort. Sprich er geniesst jeden Tag, als wenn es sein letzter sein könnte, leider spielen wir in seinem neuen Leben nur eine Nebenrolle. Andererseits ist er gerade nicht er und ich denke nicht das er so für den Rest seines Lebens bleiben wird.

Egal wir hatten eine "geile Zeit" und es kommt wie es kommen will, bleibt abzuwarten. Ganz aufgeben will ich auch nicht.

Liebe Grüße, Micha

Wolfgang

Hallo Micha

Beitrag von Wolfgang » 08:03:2006 16:07

Ich denke/ weiß, dass es für einen Mann eine total schwere Zeit ist und ich kann Dir nur sagen kämpfe um Deine Ehe, es ist wichtig.
Man muß gemeinsam am Thema arbeiten, ich denke dann bekommt man es in den Griff.
Viel Glück
Liebe Grüße
Wolfgang

Ava

Beitrag von Ava » 16:03:2006 11:59

Hallo,

unsere Ehe ist durch meine zweite PPD nach dem zweiten Kind kaputtgegangen. Ich habe wohl gemerkt, dass mein Mann heftig leidet, und als es mir wieder richtig gut ging, da war alles aus - nichts mehr zu machen. Für mich der Schock meines Lebens, einfach vor dem Nichts zu stehen. Ich finde das gut, dass ihr Männer hier schreibt, wie für Euch die PPD ist. Bei meinem Mann war leider alles gelaufen, als es für mich vorbei war - und da bin ich ein Stück wieder hineingerutscht, Schuldgefühle und so weiter, jetzt lebe ich mit beiden Kindern alleine.
Wahrscheinlich hatten wir auch Manches nach der ersten PPD, die völlig abklang nach neun Monaten, nicht so richtig aufgearbeitet. Jedenfalls ist mein Mann ein Mensch, bei dem alles super und perfekt sein muß - und damit hat eine PPD nun gar nichts zu tun, das war ihm einfach zu viel - auch als es vorbei war - und damit habe ich Schwierigkeiten - bis heute.
Ich konnte nichts für die Krankheit, das Risiko einer zweiten Schwangerschaft sind wir beide eingegangen - und als alles wieder gut wurde - da war er völlig verbittert, nachtragend und am Ende - er konnte nicht mehr. Ich war nicht mehr die tolle, supertolle Frau, die alles anpackt und alles schafft, ich hatte meine schwache Seite gezeigt, und das war für ihn zu viel. Nur dass er mir gesagt hat - hinterher - dass er lange in mich verliebt war, mich aber - so vermutet er - nie geliebt hat - das fand ich nach zwanzig Jahren ziemlich hammerhart und knabbere immer noch daran. Daran, dass ich mich so getäuscht habe in ihm, daran, dass ich vor den Scherben stehe und nichts zu reparieren ist, denn er mag keine reparierten Teller - ich schon - ich kann damit gut leben, aber er nicht. Warum habe ich nicht gemerkt, wie unterschiedlich wir sind?
O weia, jetzt habe ich Euch zugetextet, sorry, dass es so lang ist und danke fürs Lesen

Ava

Mario

Beitrag von Mario » 16:03:2006 23:50

hallo,

ich weiss gar nicht was ich sagen soll.
Einerseits möchte ich mich hier auch dazu äussern aber andererseits fühle ich mich fast
beschämt, wenn ich Eure Beiträge lese.
Zu sagen es würde mir so ergehen (ergangen sein) wie Euch, wäre wohl stark übertrieben.
Ganz gefühllos bin ich dann aber doch nicht. Nachdem meine (zukünftige) Frau mehrere
Rückfälle und zwei Krankenhausaufenthalte hatte muss ich zugeben, dass die Emotionen in
mir hochkamen und ich meine Tränen unterdrücken musste, wenn sie nach langer Zeit mal
wieder lachen konnte. Ob das nun angebracht war oder nicht vermag ich nicht zu sagen.
Aber so ist das nun mal mit dem "Stolz" eines Mannes...
Sicher fehlte mir während dieser Zeit auch oft die Konzentration, um auf zB. auf Arbeit
richtig bei der Sache zu sein und ablenken konnte ich mich auch nicht immer. Und meine
körperlichen Wewehchen halte ich für normal.
Vielleicht liegt es daran, dass ich - wie ich selbst von mir denke - etwas oberflächlich bin
oder meine Gefühle nicht immer hunderprozentig verstehe.

Nun...eins gibt es da doch noch...manchmal wünschte ich mir innig, ich könnte Ihr ihr Leiden
abnehmen.

Wie dem auch sei. Soll heissen, dass ich Eurem Leiden nicht ganz mitfühlen kann. Ich kann
es verstehen (zumindest glaube ich das). Ansonsten kann ich nur versuchen es
nachzuvollziehen.

Aber ich bin davon überzeugt, dass das wieder vorbei geht, Wolfgang. Genau wie bei Daffy
auch. :-)

So, das wars zu mir (glaub ich)...ich hoffe meine Antwort ist hier nich völlig fehl am
Platz. Vielleicht schlummert noch irgendwo was tief in mir aber im Moment kann ich nicht
mehr dazu sagen.


...ich hoffe, meine Frau (zukünftige!) ist mir nicht böse. Ich schreibe manchmal komische
sachen...

In diesem Sinne...

Schöne Grüsse
Mario

Wolfgang

Hallo Mario

Beitrag von Wolfgang » 18:03:2006 12:17

Hallo Mario,

ich denke Deine Frau kann mächtig stolz auf Dich sein, denn es ist leider nicht immer so, ich habe von sehr vielen Paaren gehört, wo der Partner einfach nur das Weite sucht um sich aus der Verantwortung zu stehlen.
Ich denke die Männer die hier offen schreiben sind auch eher das Gegenteil und kämpfen für Ihre Ehe auch wenn zur Zeit der Weg sehr steinig ist.
Der Respekt der anderen Damen ist auf Deiner Seite , denn leider gibt es zu wenige von diesen Männern.
Wahre Stärke besteht darin auch seine Schwächen zuzugeben.

Gruß
Wolfgang

Nora

Beitrag von Nora » 20:03:2006 8:18

Guten Morgen,

toll, daß sich hier die Männern austauschen. Finde ich großartig. Mein Mann hat auch einiges durchmachen müssen, aber es immer wieder geschafft, mir Stabilität und Zuversicht zu vermitteln. Er ist jetzt auch ausgebrannt und hat nun 1 Woche Urlaub. Davon bin ich dann 4 Tage mit unserem Kleinen bei der Oma in Süddeutschland und ich freue mich für ihn, das er nun mal Luft holen kann. Das ist auch ganz wichtig für die Papas.
Ich habe im Internet eine Seite gefunden, allerdings in englisch, auf der Väter, deren Frauen von PPD/PPP betroffen sind, sich austauschen können. vielleicht habt Ihr Lust da mal reinzuschauen!

https://home.comcast.net/~ddklinker/mys ... e_page.htm

Liebe Grüße
Nora

tina

Beitrag von tina » 21:03:2006 16:02

Hallo Männer

Ich finde euch klasse.

1. ich bin der Meinung, dass es euch jetzt so schlecht geht bzw. ging: liegt daran, dass ihr euren Frauen soviel abgenommen habt. Ihr wollten ihnen helfen. Ihr habt mit ihnen gelitten. Leider habt ihr euch damit überfordert. Ihr seit auch nur menschen und keine fachleute auf diesem gebiet.

2. Ich finde total gut, dass ihr hier gemeinsam über eure Schwächen spricht und eure erfahrungen austauscht.


Ich gebe also die hoffnung noch nicht auf das es noch "klasse männer" gibt.

Männer die mitfühlen, alles für ihre frauen machen und auch schwächen zu geben.


Gruß

Tina

Martin

muß ich mal loswerden

Beitrag von Martin » 28:03:2006 21:22

hallo Leute
hab mich jetzt endlich mal durchgerungen mich hier zu äußern.
Ich freue mich vor allem daß es auch einige Männer gibt die sich
über die Probleme die sich nach der Geburt eines Kindes ergeben
können in diesem Forum austauschen wollen.

Ich selbst habe sehr spät erkannt (oder habs verdrängt) wie schlecht
es meiner Frau ging,da diese Situation einfach nicht in mein heile Welt
Bild passte.
Mittlerweile weis ich auch,daß ich teilweiße überfordert war und manchmal
noch bin.
Darum sollten betroffene Männer auch an sich arbeiten.

noch ne gute Zeit
Martin

Milla

Beitrag von Milla » 28:03:2006 21:50

Hallo Martin!

Schön,dich mal kennen zu lernen!

Ich denke auch,daß mein Mann mit meiner Depression absolut überfordert war und mir deswegen nicht helfen konnte!

Dies hat meine Depression noch verschlimmert,weil ich eben diese Hilfe,diese Stärke von ihm erwartete und nicht bekam!Ich fühlte mich noch einsamer!

Wie hast du eigentlich verstanden,daß Christina an PPD litt?

Bei uns war es so:mein Psychiater bat meinen Mann,dabei bei einem gemeinsamen Gespräch zu sein.Von da her war es für meinen Mann klar:meine Frau ist krank,braucht meine Hilfe,mein Verständnis.Seitdem ist er viel rücksichtsvoller,ja sogar zärtlicher geworden.

Und ich sehe,daß er wieder Hoffnung hat,daß die Depression der Vergangenheit gehört,da ich sehr gut auf mein AD angesprochen habe.
Seitdem geht es ihm auch besser.

Ich denke,er hat sehr viel Angst gehabt, daß ich nie wieder gesund werde und das hat ihn depressiv gemacht,weil er fast die Hoffnung verloren hatte.

Martin

Beitrag von Martin » 28:03:2006 22:10

Hallo Milla
Ich glaube du hast hart an dir gearbeitet um so weit zu sein.
Ich bin "froh" daß andere Elternpaare auch versuchen diese
Probleme gemeinsam zu lösen und nicht mit Trennung liebäugeln.
Wobei in unserer heißen Phase auch das Thema mehrfach auf dem
Tisch lag.
Nun ja ich meine man sollte auf jeden Fall beide Seiten sehen wenns
auch manchmal schwer fällt.

Gruß Martin

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