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Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 15:03:2015 14:11
von Pali
Und wieder mal ein Rückschlag...

Nachdem es meiner Frau nicht wirklich super ging, aber auch nicht schlecht, gabs jetzt einen Medikamentenwechsel und damit verbunden leider wieder einen Rückschlag mit Nervosität und Angstgefühlen und wieder Tavor. Obwohl das schon abgesetzt war.

Puh... naja... wir beissen uns weiter durch. Hilft ja nix.

Allen die das lesen viel Kraft!
Grüße
Pali

Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 15:03:2015 18:19
von Sanna
Hallo!

Warum hat man denn einen Medikamentenwechsel vorgenommen? Gab es da einen bestimmten Grund?

Ansonsten heißt es einfach weiter kämpfen. Geduld, Geduld, Geduld...da kommt man leider nicht drum herum.

Weiterhin alles Gute!

LG, Sanna

Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 21:03:2015 9:49
von Pali
Danke Sanna,
ja es stimmt. GEduld, GEduld, Geduld... manchmal fällts einem leichter und manchmal schwerer. Mir gerade zunehmends schwerer, da menin Frau bald ein halbes Jahr in der Klinik ist und ich langsam drüber nachdenke, dass es womöglich nie wieder verschwindet und was das für mein/unser Leben bedeuten würde? Ich weiss ein halbes Jahr ist für die Krankheit noch nicht viel, aber für mich als Mensch schon.

was ist mit der Freude am Leben... Schafft man das als Mann einer depressiven Frau ein glückliches und erfülltes Leben zu leben, wenn man eine Partnerin hat, die das nicht empfindet? Wird sie je wieder arbeiten und Geld verdienen können oder muss ich allein die Familie durchbringen? Alles so Gedanken die einem kommen.

Aber ich werde jetzt den Kopf nicht hängen zu lassen und hoffe dass es irgendwann besser wird.

Ach so: Medikamentenwechsel wegen immer noch andauernder Antriebslosigkeit.... jetzt nimmt sie Lithium (liegt gut im spiegel), Trevilor und Abilify. Letztes WOchenende Tavor aus akutem Anlass, dass aber schon wieder ausgeschlichen wird.

Grüße
Pali

Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 21:03:2015 10:12
von ubure
Ich wollte Dir kurz sagen, dass ich Deine Sorgen sehr gut nachvollziehen kann. Wenn Sie in der Klinik gut eingestellt wird und auch die Therapie nicht zu kurz kommt (das ist vor allem für die zeit nach der Klinik sehr wichtig, habt Ihr da schon einen Platz?), dann wird sich alles legen.

Was Dich persönlich angeht: Du musst jetzt nicht, aus Loyalität, auch jeden Tag depressiv durch die gegend laufen. ich weiß, man meint, man dürfe sich keine Freude gönnen, wo es dem anderen doch so schlecht geht, aber gerade deshalb bist Du verpflichtet, Dir selber und deiner Familie gegenüber, Freude zu empfinden und Spaß zu haben. Vielleicht schauen Dich dafür andere krumm an, aber das muss Dir egal sein. Natürlich hast Du Sorgen, aber warum soweit in die Zukunft blicken, was Du ohnehin nicht kannst? Damit kannst Du Dich beschäftigen, wenn es so weit kommen sollte, jetzt ist Dir gar nicht damit geholfen.
Also, Du bist nicht Deine Frau und Du kannst ihr die Depression oder was immer genau sie zur Zeit erlebt, abnehmen, indem Du ebenfalls schlecht drauf bist. Du kannst es ihr gar nciht abnehmen, Du musst es auch nicht. Du kannst aber ihr starker Partner sein, der für sie da ist aber darüber sien Leben und sein Glück nicht aufgibt, weil das Unsinn wäre. Affected , not infected, also Du sollst Mitgefühl empfinden, aber Dich nicht in ihr Leid ziehen lassen. Ich weiß, schwierig, aber sehr wichtig. Du darfst ruhig etwas egoistisch sein in dieser Hinsicht. Verstehst Du, was ich meine?

Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 21:03:2015 11:13
von Pali
Ja ich verstehe was Du meinst und Du hast sehr recht. Rational ist mir das klar, aber ich leide halt immer ein bischen mit. Ist ja auch menschlich Aber ein bischen mehr Egoismus kann ich wohl getrost an den Tag legen. Nur soll halt unsere Kleine nicht drunter leiden.

Und 100% arbeitende Elternteile mit kranken Partnern, die am Wochenende dann Zeit mit dem Kind verbringen wollen und nebenbei noch Zeit für Hobbies/Familie frei machen wollen bräuchten eigentlich 8 Stunden mehr Zeit pro Tag. Aber das gilt eh für alle Eltern. :-)

Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 21:03:2015 11:40
von ubure
Natürlich leidest Du mit, aber achte darauf, dass es nciht zuviel wird. Wie gesagt, Mitgefühl ja, Mitleiden eher nein. Inwiefern sollte die Kleine darunter leiden? ich hab ja auch nciht gemeitn, Du sollst täglich nachts um die Häuser ziehen. M;ach halt was mit ihr, das tut Euch beiden gut. Dann hast Du auch kein schlechtes Gewissen, wenn Du mal was für Dich alleine machst. Umso mehr Kraft kannst Du Deiner Frau schenken, und Deiner Tochter.
Sicher, die Mama ist grad nicht da, aber glaub mir, eine Mama, die immer nur verzweifelt ist, aber anwesend, ist nicht so gut wie eine Mama, die vielleicht grad nicht da ist und dafür sind andere Menschen für sie da, die ihr Sicherheit, Fröhlichkeit und Liebe schenken. Alles nicht 100% perfekt, aber vertretbar.

Wenn Du ein bisschen planst und etwas Unterstützung durch Großeltern, Freunden etc. hast, dann wird sich genügend Zeit für alle finden. Hab Vertrauen und bleib so gelassen wie möglich! :D (kann man übrigens lernen!)

Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 24:03:2015 20:30
von Pali
danke noch mal für Deine Worte. Ich bemühe mich sehr um Gelassenheit und gehe jetzt einfach davon aus, dass es irgendwann wieder besser wird. Und wenns noch ein Jahr dauert.

Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 24:03:2015 22:55
von ubure
Gut so. Aber immer daran denken, nicht nur auf die Gelassenheit warten, daran arbeiten. So kann man sie vermehren. Und Optimismus ist in jedem Fall besser als Schwarzmalen. Das bringt nix.

Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 03:06:2015 17:34
von Pali
Hallo zusammen,
noch mal ein kurzes Lebenszeichen von uns. Wir haben die Krankenhaus-Phase nach 7 Monaten (mit einem Rückfall mittendrin) jetzt hinter uns gelassen und meine Frau ist seit 10 Tagen wieder zuhause. Sie ist in einem deutlich besserem Zustand und kommt auch viel besser durch den Tag. Ich kann nicht behaupten, dass sie wieder die alte ist aber wir haben schliesslich auch eine Schwangerschaft hinter uns. Sowas verändert eine Ehe und die Partner ja auch ohne PPD schon genug.
Sie muss noch diverse Medikamente nehmen und wir haben zumindest für 2 Wochen als Übergang eine Haushaltshilfe bekommen. Ich bin gespannt, wie die Situation wird, wenn die Haushaltshilfe nicht mehr kommt und meine Frau wieder mehr allein ist. Das macht mir ehrlich gesagt etwas Angst. (Wie so vieles momentan. Ich hab doch einiges meiner Kraft und Stabilität eingebüsst und hab das Gefühl dass ich meine Stabilitäts-Akkus erst mit der Zeit wieder langsam aufladen kann).

Ich weiss (wie auch schon mehrfach hier zum Ausdruck kam) wie wichtig es ist als Partner sein Leben auch ausserhalb von der Krankheit normal weiter zu führen und Zeit/Spass-Inseln für mich zu erobern, aber es fällt mir immer noch schwer Zeit für mich rauszuschlagen, da ich unterschwellig immer das Gefühl habe: "Wenn ich nicht aufpasse, passiert irgendwas. Ich sollte mich um meine Familie kümmern."

Wie geht ihr als Väter damit um? Der chronische Zeitmangel für Spass und Hobbies ist ja sowieso schon Teil des Vater-seins. Als PPD-Ehemann wird das nicht unbedingt einfacher. Und auch wenn ich gern Zeit mit meiner Frau und Tochter verbringe... es ist eben anstrengend (weil Kleinkinder halt anstrengend sind und meine Frau nicht so viel Kraft hat wie früher) und ich vermisse meine Freizeit & Hobbies, die mir Ausgleich zum Beruf verschafft haben. Würd mich sehr interessieren wie das bei anderen läuft.

Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 03:06:2015 19:09
von Sanna
Hallo!

Ich kann dir nur aus meiner Sicht sagen, wie das bei uns läuft/war.

Mein Mann hat ca. 9 Monate alles allein geschmissen. Job, Haushalt, Kinder. Dann kam ich in die Muki-Klinik. Von da an konnte ich mich zumindest um meinen kleinen Sohn kümmern. Es hat dann ca. 1,5 Jahre gedauert, in denen mein Mann sich wirklich vorrangig um uns gekümmert hat (neben der Arbeit natürlich). Dann ging es mir soweit besser, dass er mich ab und zu mal abends allein mit den Kindern gelassen hat um eine Runde Fahrrad fahren zu gehen. Dann hat es nochmal ein Jahr gedauert, bis ich so stabil war, dass er jetzt ganz normal seinen Hobbies nachgehen kann.

Eine lange Zeit, ich weiß. Aber ich habe ihn zur Unterstützung daheim gebraucht, weil ich allein einfach überfordert war.

Und ich bin so unendlich dankbar, dass ich einen Mann an meiner Seite habe, der mich IMMER unterstützt hat

Wenn mein Mann mal abends Termine hatte (Geschäftsessen oder so) ist immer meine Mutter oder unser Kindermädchen gekommen. Vielleicht wäre das noch was, wenn ihr es euch leisten könnt.

Ansonsten braucht ihr wohl noch ein bisschen Geduld. So ein langer Klinikaufenthalt deutet schon auf eine schwere Erkrankung hin und ich kann aus Erfahrung sagen, dass es dauert da raus zu kommen. Ich weiß aber auch, dass es geht!!! In vielen kleinen Schritten geht es voran. Und manchmal auch zurück, aber dann wieder nach vorn!

Ich wünsche euch viel Kraft auf dem Weg.

LG, Sanna

Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 03:06:2015 19:14
von Sanna
Achja, noch was.

Ich hatte ein ganzes Jahr lang die Haushaltshilfe der Krankenkasse. Mit einem Attest vom Arzt ging das. Wir mussten Bach einem Jahr einmal den Ablehnungsbescheid anfechten, aber ansonsten hat unsere Kasse ohne Probleme gezahlt! Wenn ihr also das Gefühl habt, zwei Wochen reichen nicht, ruft ihr die Kasse an und fordert einen neuen Antrag, den der Neurologe ausfüllen muss. Bei uns war innerhalb weniger Tage immer der Bescheid da.

LG, Sanna

Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 05:06:2015 11:10
von Pali
Hallo Sanna,
danke für die Schilderung Eures Alltags. Da hat Dein Mann aber genauso einen Orden verdient!

Auch interessant, dass es mit der Haushaltshilfe kein Problem war. Da werden wir noch mal nachhaken! Danke für den Tip.

Deine Schilderung zeigt mir, dass es auch bei anderen nicht anders läuft als bei uns. Die vielen kleinen Schritte und die Zeit die es braucht, brauchts halt. Vielleicht ein guter Aufhänger um sich in Geduld zu üben.Ich muss mich wohl einfach darauf einstellen noch ne Weile vorrangig nur für die Familie da zu sein und Hobbys & Sport auf das nötigste einzuschränken. Ist halt ein Balanceakt... wie das Elterndasein aber sowieso ist. Für den einen schwieriger, für den anderen einfacher.

Euch Vätern und Müttern auch von mir weiterhin viel Kraft und Geduld! Es wird besser... es dauert halt!

LG
Pali

Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 05:06:2015 13:54
von Charleenmaxim
Danke! Auch ich bin meinem partner und meinen eltern so dankbar!!! Als betroffene ist es so schwierig diese unselbständigkeit zu akzeptieren und die hilfe anzunehmen....ich hoffe, dass ich wen ich gesund bin meinen liebsten vieeeeeeel zurück geben kann!

Re: Kontakt zu Vätern gesucht

Verfasst: 11:08:2015 11:30
von Pali
Bestimmt! Das wird wieder! Vor allem wenn Du Hilfe annehmen kannst.

Meiner Frau geht es jetzt seit einiger Zeit deutlich besser. Sie kann nach und nach die Medikamente ausschleichen und schafft es wieder besser den Tag zu organisieren und den Haushalt zu führen. Mit unserer Tochter läuft es auch gut und sie entwickelt sich weiter gut. Ich bin momentan guter Hoffnung für die Zukunft!