Meine Frau will aus der Klinik raus! Was soll ich tun?

Hier können sich die Angehörigen der PPD/PPP-Betroffenen untereinander austauschen.

Moderator: Moderatoren

Antworten
marc

Meine Frau will aus der Klinik raus! Was soll ich tun?

Beitrag von marc » 12:01:2008 13:39

Hallo nochmal,

neues Problem:

Meine Frau redet sich jetzt ein, da sie ja schon einen Tag mit zu Hause war und es alles prima geklappt hat, sofort aus der Klinik entlassen zu werden.
Die Ärzte sprechen immer nur "Empfehlungen" aus, die sie als "es liegt ja an Ihnen und Ihrem Mann, dass Sie noch hier sind" interpretiert.

Sie bitte mich inständig und ist ganz verzweifelt und verliert langsam das Vertrauen in mich. Ich kann sie aber nicht rausholen, denn:

a) Sie ist noch nicht wieder gesund, auch wenn der Geist klarer geworden ist, ist sie noch nicht belastbar genug (Aussage Arzt)

b) Es existiert noch ein richterlicher Beschluss bis zum 23.01.


Die Ärzte schieben den "schwarzen Peter" mir zu, indem sie meiner Frau immer wieder sagen, "wir empfeheln ihnen noch hier zu bleiben".
Interpretation meiner Frau: Es handelt sich nur um eine Empfehlung
und nicht um ein muss.

Die Ärzte haben auch gesagt, dass es warscheinlich einen Rückfall gibt, wenn sie zu früh entlassen wird, der u.U. schlimmer ausfällt, wie die jetzige Psychose. Das nimmt sie aber in kauf!

Was soll ich denn machen?

Mit dem Arzt habe ich schon darüber gesprochen und auch mit dem Pflegepersonal. Aber die sind offensichtlich nicht in der Lage ihr das plausibel zu machen.


Sie isst jetzt nichts mehr und ihr ist immer wieder schlecht und sie ist total verzweifelt. Momentan wird es also durch Ihre Interpretation: zwar nach Hause zu können, aber von ihrem mann im stich gelassen zu werden, nur schlimmer. Seit 2 Tagen ist sie verzweifelter denn je.
Meiner Meinung nach nicht Krankheitsbedingt, sondern durch die Nebenwirkung die der Krankenhausalltag und das Gebäude mit sich bringt.

Ich bräuchte dringed ein paar Ratschläge, meine Therapeutin, sagt ich müsse es ihr klar machen, dass sie noch nicht gesund ist und sie deshlab noch in der klinik sein muss. Wenn das aber immer wieder durch schwammige Aussagen des Personals aufgeweicht wird, ist niemanden geholfen. Im Gegenteil, mir gehts dann auch wieder schlechter, weil ich sehen muss, wie meine Frau leidet.

Ich habe das Gefühl, dass sie den Druck, der dadurch entstanden ist und den sie sich selbst macht nicht mehr lange durchhält und einen Nervenzusammenbruch erleidet.

Gruß Marc

Suse07

Beitrag von Suse07 » 12:01:2008 14:33

Hallo Marc,

mir ist ein bißchen die Wut gekommen als ich das gelesen habe.

Du benötigst die Unterstützung der Ärzte und des Pflegepersonals, ganz klar!
Du musst mit Ihnen noch einmal ganz deutlich reden, ihnen die Situation schildern und sie mit ins Boot holen!

Es ärgert mich, dass sie sich da aus der Verantwortung stehlen wollen !

LG,
Suse

marc

Beitrag von marc » 12:01:2008 14:50

Das Versuche ich ja. Ich hoffe die kapieren es auch endlich mal!

Ich kenne meine Frau und hab das "Drama" mit dem Heimweh eigentlich vorhergesehen. Aber ich komme mir echt beschissen vor.
Nicht nur, dass ich mit der Krankheit selbst fast überfordert bin und mich um die ganze Organisation kümmern muss.
Nein jetzt zweifelt auch noch meine Frau an meiner Liebe zu ihr.

Ich will nur das Beste für sie, aber ihrer meinung nach ist das beste für sie nur "nach hause".

Ich kann sie nicht davon abbringen. Ich habe heute nochmal mit einem Pfleger gesprochen, der das ganze nochmal ausführlich in seinem Team diskutieren will und auch an die anderen weitergeben will.

Ich hoffe das geht schnell.....

Suse07

Beitrag von Suse07 » 12:01:2008 15:12

Ich weiß nicht, ob es dir hilft, aber auch ICH habe meinen Mann während meines Klinikaufenthaltes mehrfach misstrauisch beäugt, ob er mich nicht nur "abschieben" will. Es ging soweit, dass ICH ihm immer wieder sagte "Ich kann verstehen, wenn du die Ehe auflösen willst und gehst!"
Das hat meinen Mann sehr getroffen. Wir konnten SPÄTER darüber reden aber zu dem Zeitpunkt der akuten Phase der PPD hab ich ihn einfach nicht verstanden.

Ich bin froh, dass er hartnäckig blieb und mir immer wieder klar machte, dass es das Beste für mich will, weil er mich einfach liebt.

Fühl dich nicht schuldig! (Ich weiß, das ist leicht gesagt.)
Du tust für deine Frau das Beste was du tun kannst und es wird die Zeit kommen, in der Sie dir dankbar sein wird und dich versteht.

LG,
Suse

sevcan

Beitrag von sevcan » 12:01:2008 15:13

hallo marc!!!

ich verstehe deine frau ganz gut,das sie nach hause will.bei mir war es auch so ,bin freiwillig nach hause gekommen da ich bei meinem kind sein wollte habe gedach die AD kann ich ja zu hause auch nehmen.aber nach 3 tagen zu hause bin ich zusammengefallen wollte mich umbriegen,da hat mein mann mich wieder ins krankenhaus gebracht da war ich 3 wochen wieder,aber ich war mit meinem gedanken immer bei meinem kind,deswegen brachte das für mich fast gar nichts.das beste ist für deine frau wenn sie nicht dar bleiben will,sool sie nach hause mit müssen bringt ihr nicht viel.guckt bitte das ihr eine mutter-kind klinik organiesiert.wenn deine frau zu hause ist bitte lass sie bloss nicht allein,soll immer jemannt bei ihr sein,weil wenn es einem sehr dreckig geht und mit den kräften ende ist ,kann sie sich was böses antuen.bei mir war es halt so das heist aber nicht das sie das auch machen könnte.
kopf hoch marc,sie schafft das aber es braucht echt viel geduld und zeit leider,ich mache es schon 8 mon.mit,mir gehts immer noch sehr dreckig.ich möchte dir nur sagen bei jedem ist es halt anders die einen brauchen mehr zeit,bei anderen gehts schneller,aber setze dich und deine frau nicht unter druch.das ist leider diese sch..krankheit

ich denke an euch,
sevcan

annu

Beitrag von annu » 12:01:2008 15:14

Hallo Marc, das hat jetzt weniger mit nach-hause zu tun, aber ich kenne eine frau, die euch ratz-fatz einen platz in wiesloch (mutter-kind mit integrierender therapie) besorgen kann...
bei interesse bitte melden.
gruß, annu.

marc

Beitrag von marc » 12:01:2008 21:55

Vielen Dank für Eure Nachrichten!

An Annu: Das wäre ein super Angebot. Wir haben am Donnerstag einen Termin in Frankfurt für die Mutter-Kind-Station in der Psychatrie.
Wiesloch wäre schon gut, aber ich will erst mal Donnerstag abwarten, was die Oberärztin sagt und ob es meier Frau dort "gefällt".

An Suse 07:
Ja über Scheidung hat sie auch schon geredet. Das nehme ich aber nicht so ernst. Mir macht mehr ihre hoffnungslosigkeit sorgen und dass sie halt mich dafür verantwortlich macht, dass sie nicht mit nach hause kann.
Mit dem schuldig fühlen hast du recht. leichter gesagt als getan....

Gruß marc

Suse07

Beitrag von Suse07 » 12:01:2008 22:10

Jaaa, ich weiß :(

Bei uns in der Klinik (Herten) gab es eine Gesprächsgruppe für die Partner. Gibt es so etwas in der Klinik? Oder vielleicht in der Mutter-Kind Klinik die ihr euch anschauen werdet?

Kann mir vorstellen, das das hilft mit den blöden Schuldgefühlen umzugehen.

Aber du hast ja GottseiDank auch eine Therapeutin!

Viel Kraft für die nächsten Tage euch dreien !

LG,
Suse

00julchen

Beitrag von 00julchen » 13:01:2008 17:13

Hi,
ich kann die Mutter-Kind-Station der Psychiatrie in Heidelberg nur empfehlen! Dort habe ich mich total aufgehoben gefühlt!

gummibaer
power user
Beiträge: 132
Registriert: 22:10:2007 13:12
Wohnort: Süddeutschland

Beitrag von gummibaer » 14:01:2008 15:36

Hallo Marc,

auch ich kann Eure Probleme nur zu gut nachvollziehen. Wenn man als Mutter sein Kind nicht bei sich haben kann/darf, fühlt man sich absolut als Niete, zu blöd sich ums eigene Kind zu kümmern etc. Und wenn man dann auch noch gegen mangelnde Hygiene etc. zu kämpfen hat, ist der Wunsch so schnell wie möglich wieder heim zu dürfen nur zu verständlich.

Ich selbst war 2x gut 4 Monate ohne meine Tochter in einer psychosomatischen Klinik. Die ersten 2 Wochen hatte ich die Kleine bei mir, aber die waren absolut nicht drauf eingerichtet und ich musste alles selbst machen und immer drum kämpfen, dass sich mal jemand um sie gekümmert hat, wenn ich Therapie hatte. Das hat mich immer nur noch mehr fertig gemacht und die behandelnde Aerztin, zu der ich einen sehr guten Kontakt hatte, hat uns dringend geraten, dass mein Mann die Kleine mit heim nimmt und mit Hilfe meiner Eltern die Versorgung sicher stellt. Danach ging es mir erstmal noch schlechter - so nach dem Motto, jetzt muss die arme Kleine auch noch ohne mich auskommen, und ich wollte nicht mehr leben. Hab dann ein paar Wochen unter intensivster Bewachung/Betreuung verbracht und so nach und nach wurde das dann wieder gelockert. Mein Mann oder meine Eltern kamen fast täglich mit der Kleinen vorbei, damit der Trennungsschmerz nicht zu unerträglich wurde. Nach ca. 4 Monaten meinte dann meine Aerztin, wir könnten ja mal versuchen, ob ich wieder in der Lage wäre, mich um die Kleine selbst zu kümmern, so kam sie wieder in die Klinik. Ich hab mich also wieder um sie gekümmert, bloss hatte ich kaum noch Zeit für Therapiestunden, weil wieder niemand da war, der sie mir hätte abnehmen können. Nach einer Woche hab ich gesagt, ich will endlich heim, hatte für mich keinen Sinn mehr noch länger da zu bleiben. Zu Hause klappte es mehr schlecht als recht, zumal ich mir auch nicht eingestehen wollte, dass ich Unterstützung bräuchte. Mein Mann war den ganzen Tag bei der Arbeit und vor meinen Eltern wollte ich nicht zugeben, dass ich es immer noch nicht allein packe, zu sehr hab ich mich geschämt. Ende des Liedes war, dass ich nach 5 Wochen zu Hause mich wieder hab einweisen lassen und das ganze Drama von vorne losging. Der zweite Aufenthalt dauerte dann wieder gut 4 Monate........... diesmal allerdings komplett ohne meine Tochter.

Lange Rede kurzer Sinn - wenn Du es irgendwie hinbekommen kannst, Deine Frau in Deiner Nähe in ner Mutter-Kind-Station unterzubringen, wo sie auch die nötige Unterstützung in der Versorgung des Kleinen bekommt, ist das die beste Lösung. Und wenn es in Deiner Nähe ist und Du sie so oft wie möglich besuchen kannst, damit sie sich nicht abgeschoben fühlt.

Und wenn Du sie nicht davon abhalten kannst, tatsächlich die Klinik zu verlassen, sorge dafür, dass sie zu Hause möglichst nie allein ist, und ihr jemand soviel wie möglich unter die Arme greift, bevor sie dann einen Platz in ner Mutter-Kind Station bekommt.

Viele liebe Grüsse
Sanne

P.S.: Wenn Du magst, schick mir ne PN, dann schick ich Dir unsere Telefonnummer und auch die Mail-Adresse von meinem Mann, falls Du Dich mal mit jemandem austauschen willst, der das ganze Drama auch schon mitgemacht hat.

marc

Beitrag von marc » 14:01:2008 23:38

Danke Sanne.
Ich melde mich dann über eine PN.
Gruß Marc

marc

Beitrag von marc » 18:01:2008 5:53

Meine Frau kommt jetzt nach Frankfurt auf eine Mutter-Kind-Station.

Allerdings kann sie unseren Sohn nicht gleich ganz mitnehmen, da die Ärzte sie noch nicht für belsatbar genug halten. Solange muss ich ihn jeden Tag rein fahren. (120km am Tag). Aber das mach ich gerne.

Sie hatte jetzt auch einen Hautausschlag bekommen. Wahrscheinlich vom Zyprexa (lt. Hautarzt). Jetzt bekommt sie 4 mg Risperdal und ihr geht es besser und ist nicht mehr so schläfrig und kommt morgens besser raus.

Allerdings bekommt sie das Risperdal erst seit 1,5 Tagen. Kann man da schon eine Besserung ableiten? Oder wirkt das noch gar nicht und sie ist deshlab besser drauf, weil momentan gar nichts wirkt? Weder Zyprexa noch Risperdal?

Ich muss sagen sie Stimmung hat sich sehr gebessert. Sie macht jetz ausch schon Zukunftspläne, was vor 3 oder 4 Tagen überhaupt nicht denkbar war. Und sie kann angeblich wieder etwas Genießen und findet Dinge schön.

Ihre Gedanken sind auch wieder ziemlich in der Reihe und was jetzt noch dringend fehlt, ist, dass sie Ihre "Batterie wieder aufläd".

In ander alten Klinik konnte sie das nicht, da sie Angst vor den anderen Patienten hatte und sich nur im Zimmer verkrümelte. Wie es jetzt in Frankfirt sien wird, weiß ich nicht. Aber die Station ist nicht mehr geschlossen und sie darf auch raus gehen. Sie hat ein Einzelzimmer und die Statin insgesamt ist sehr ruhig. In der anderen Klinik war doch immer viel Action auf dem Gang, da sich dort im Prinzip der Gemeinschaftsraum befand.

Ich die Hoffnung unseren Sohn bei sich zu haben trägt denke ich zu ihrer guten Laune bei.

Ich bin aber jetzt etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite finde ich es sehr gut, dass sie wieder mal bessere Gedanken hat. Auf der anderen Seite ist es für mich ein Stück "Abschied nehmen" von ihr. (?)
Ich weiß nicht wieso, aber wenn sie dann mit unserem Sohn in der Klinik ist, weiß ich nicht wie ich mich fühlen werde. (Alleingelassen?) Auch die Entfernung ist ein Argument, weil ich eben nicht mehr in 10min sondern erst in 50min bei ihr sein kann, wenn sie es will oder wenn mir dannach ist. Und sie darf erstmal nicht mehr übers Wochenende oder über nacht nach Hause und die Besuchszeiten sind unflexibel.

Dann habe ich einige Erfahrungsberichte über Risperdal gelesen. Naja scheint ja auch nicht so toll zu sein, oder es schreiben halt nur die, die unzufrieden sind / waren. Weiß ich nicht.

Irgendwie hat mich, trotz der guten Nachricht mit der Mutter Kind Station und der gute Laune meiner Frau, irgendwie die Hoffnung wieder verlassen, dass sie wieder gesund wird. Ist zwar paradox, da ich selbst der Meinung bin, dass es aufwärts geht. Aber die Verlegung jetzt...ich weiß auch nicht....

Gruß Marc

Balu

Beitrag von Balu » 18:01:2008 9:50

Hallo Marc,

mensch, Du bist ja früh wach.

Erst mal ist es schön, dass es weiter geht. Und Deine ambivalenten Gefühle sind für mich total nachvollziehbar. Du bist doch der, der im Moment die Fahne hoch hält und viel Kraft weiter gibt. Du bist sicher erschöpft und wenn Deine Frau und vielleicht auch Dein kleiner Filius nun weiter von Dir weg verlegt werden ist es doch klar, dass Du auch trauerst. Und das lass doch bitte auch raus. Auch Du wirst Dich von dieser Zeit irgendwann erholen müssen. Wenn man so in dem Rad drin ist, bemerkt man oft gar nicht, was man leistet. Das reflektiert man oft erst später.

Und ausserdem wird Deine Frau bestimmt wieder gesund, es ist doch alles noch recht frisch obwohl es Dir vermutlich schon wie eine Ewigkeit vorkommt. Die Zeit wird es machen.

Und wenn Du Deinen Kleinen an Deine Frau in die Klinik abgibst, dann bist Du natürlich traurig. Ihr seid doch zu einem Team geworden und ich glaube Du machst es ganz toll. Nimm diese Traurigkeit an, denn sie hat ihren Grund und ihre Berechtigung.

Alles Liebe Balu

Nora

Beitrag von Nora » 21:01:2008 8:39

Hallo Marc,

ich bin froh, dass Ihr erstmal eine ganz gute Lösung gefunden habt und es Deiner Frau besser geht. Dass Du natürlich hin und hergerissen bist in Deinen Gefühlen kann ich total verstehen. Du hast eine ganze Menge leisten müsten die letzten Wochen. Nimm Dir unbedingt auch Zeit, Dich zu sammeln und zu erholen. Das ist ganz wichtig.
Und Deine Frau wird ganz sicher wieder gesund!! Deine Skepsis ist verständlich, denn in der vorigen Klinik lief es ja nicht gut und auch wenn es ihr jetzt besser geht, kann man dies fast nicht glauben. Aber es geht aufwärts.

Ganz viel Kraft und auch Ruhe wünscht Dir
Nora

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast