PPP: Der (Ehe)Partner ist schuld

Hier können sich die Angehörigen der PPD/PPP-Betroffenen untereinander austauschen.

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Name geändert (Red.)

PPP: Der (Ehe)Partner ist schuld

Beitrag von Name geändert (Red.) » 12:04:2009 22:57

(Vorgeschichte)

Meine Frau war am Karfreitag und Ostersonntag zu Hause. Während es am Karfreitag noch OK war (wir hatten auch Zeit für uns und haben es genossen), stimmt mich heute schon wieder mißmutig. Wir geraten häufig aneinander wegen verschiedener Kleinigkeiten. Dabei will sie ständig ihren Kopf durchsetzen was den Kleinen betrifft - nur so wie sie es macht, ist es richtig. Ich kann mich oft nicht zurücknehmen und dann eskaliert die Situation. Dabei fühle ich mich schuldig, obwohl sie mich verletzt, beleidigt und kränkt. Ist dieses Verhalten noch Teil des Krankheitsbildes? Oder schlittere ich von der Erkrankung in eine Ehekrise? Meine Frau soll in einer knappen Woche entlassen werden und ich habe keine Ahnung wie das danach alles funktionieren soll.

Wie gehe ich am besten mit der Situation um?

smaugerl

Beitrag von smaugerl » 13:04:2009 8:36

Guten Morgen Oliver,

also erstmals ist keiner schuld an der Krankheit deiner Frau - und du schon gar nicht! "Schuld" sind irgendwelche Stoffe im Gehirn, die halt momentan nicht ganz zusammenpassen :wink:
Vielleicht möchte deine Frau dir auf diesem Weg beweisen, das sie "alles im Griff" hat - das sie trotz ihrer Erkrankung eine gute und liebevolle Mutter sein kann und möchte deshalb alles alleine und besonders gut machen. Natürlich sollte sie dich nicht kränken, verletzen oder beleidigen.

Ihr seid wahrscheinlich auch beide sehr angespannt, was ganz normal ist. Du solltest das auf jeden Fall mit den behandelnden Therapeuten besprechen, wie du dich in bestimmten Situationen verhalten kannst, ohne das es wieder eskaliert - es wird immer Tage geben, wo es mal nicht so gut läuft, und dann ist es gut, wenn man weiß, wie man diese schwierige Zeit meistern kann.

Was denkt deine Frau über die Situation momentan - konntest du mir ihr schon darüber sprechen?

ich wünsch euch auf jeden Fall einen schönen Tag und liebe Grüße

smaugerl

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Marika
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Beitrag von Marika » 13:04:2009 9:07

Hallo!

Smaugerl hat eine gute Idee gehabt: sprich mit dem behandelnden Therapeuten über deine Sorge!

Weißt du, es kommt bei ganz vielen frischgebackenen Eltern zu solchen Reibereien am Anfang, auch wenn die gesund ist. Der Grund ist einfach: Das ganze Leben ist nun ein völlig anderes MIT Kind, als vorher und jeder will natürlich immer alles richtig machen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass es bei uns lange Zeit solche Situationen gab und sogar noch heute manchmal gibt, obwohl ich längst wieder gesund bin. :wink: Auch von vielen befreundeten Paaren höre ich das und da ist keine PPD/PPP im Spiel. Also ein Stück weit, ist das normal - allerdings kommt bei euch eben der Faktor PPP dazu und das macht es natürlich um ein Vielfaches schwerer.

Deine Frau hat etwas schlimmes erleben und durchstehen müssen - eine PPP. Es kann sein, dass sie - genau wie Smaugerl sagt - sich jetzt einfach beweisen will. Das führt natürlich zu Stress und Stress schlägt uns PPD/PPP Mamas ganz schnell und schlecht an. Ich glaube, deine Frau hat erst mal "nur" das Schlimmste überstanden, aber da gibts noch sicher noch einiges, dass sie in der nachfolgenden Therapie be- und erarbeiten muss, also der Gesundungsprozess ist noch lange nicht abgeschlossen - im Gegenteil, er ist jetzt erstmal in Gang gesetzt worden.

Ich habe gerade jetzt meinen Mann gefragt, wie er das damals empfunden hat: Er sagt, es habe viele verschiedenen Phasen gegeben bzw. hätte ich mich im Laufe der Therapie (sie dauerte 2,5 Jahre), öfter mal verändert. Das kommt daher, weil in so einer Therapie viel aufgewirbelt wird und wir PPD/PPP Mamas dann erstmal damit klarkommen müssen. Wir sind durch die PPD/PPP völlig aus dem "Sattel gehoben worden", die Welt ist nicht mehr dieselbe wie vorher. Das ist eine sehr harte Erkenntnis und es dauert, bis man (beide!!!) damit klarkommt. Wir Frauen wissen dann in dem Moment gar nicht mehr, wo unser Platz ist bzw. wo er hin soll, wir müssen uns komplett neu orientieren, uns neu finden und da kann es zu Gereiztheit, Aggressionen usw. kommen. Es gab in unserer Beziehung viele härtere Phasen, dass weiß auch ich noch und es gab eine, da war ich aber auch mein Mann sich nicht mehr sicher, ob wir es schaffen. ABER -wir haben haben es geschafft - ich mußte erst diese schwere Erkrankung akzpetieren lernen, sie annehmen, mich mit ihr und MIT MIR auseinander setzen. Und das dauert bei dieser Erkrankung länger - es geht nicht von heute auf morgen. Deswegen ist der Therapeut ein so wichtiger Ansprechpartner - auch FÜR DICH!!!

Lieber Oliver, ich weiß dass du im Moment ganz viel durchmachen mußt - so wie auch deine Frau. Die Welt dreht sich für euch im Moment nicht mehr so wie vorher - ihr müßt euch erst wieder zurecht finden. Nehmt den Therapeuten deiner Frau in die Verantwortung - er wird auch für DICH sicherlich ein hilfreicher Partner sein. Erkläre deiner Frau, dass es für dich auch sehr schwer ist und du ebenfalls Unterstützung brauchst - schließlich ist dir deine Frau ja ein Stück weit "fremd" geworden.

Ich wünsch euch beiden ganz viel Glück und dass es bald wieder so richtig bergauf geht.

Liebe Grüße von
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Jehuty

Beitrag von Jehuty » 13:04:2009 22:34

Hallo Oliver

ich antworte dir mal in diesem Threat hier. Vielleicht hast du Lust (und Zeit) meine Vorstellung mal durchzulesen. Ich habe ganz ähnliches wie du nach der Geburt unseres Sohnes durchmachen müssen. Wir haben die Krankheit damals als solch anerkannt und meine Frau wurde vom Arzt direkt in die geschlossene Abteilung einer Psychatrie eingewiesen. Ich habe mich die 3,5 Wochen alleine um den kleinen gekümmert und muss sagen das es sowohl die Schlimmste als auch Schönste Zeit meines Lebens war. Meine Frau hätte mich wohl sonst auch nie als ebenbürdiges Elternteil angesehen da sie sehr Perfektionistisch veranlagt ist. Hast du die möglichkeit Haushaltshilfe zu Beantragen und beim Arbeitgeber unbezahlten Urlaub ? Ich bin so 4 Wochen zu hause geblieben und diese Zeit hat uns sehr geholfen. Ich konnte meiner Frau beweisen das ich den kleinen Versorgen kann und wir hatten nachdem sie wieder zuhause war die Zeit eine Familie zu sein. Möchte damit auf den Threat "Psychatrie und dann?" antworten. Auch ich würde von einer Mutter Kind kur abraten sondern euch raten als kleine Familie zusammenzuleben, sofern du einige Zeit zuhause bleiben kannst (evtl. Elternzeit). Ich hoffe ich kann dir ein wenig über deine Krise hinweghelfen, wir haben nun ziemlich genau ein Jahr danach ein schönes Familienleben mit einer tollen Kackbratze die uns immer wieder zum Lachen bringt.

Gern stehe ich auch per PM zur verfügung.

Mfg Markus

Mimi

Beitrag von Mimi » 14:04:2009 12:09

Lieber Oliver,


wie ich dir schon einmal schrieb hatten auch wir nach dr Geburt unseres Sohnes eine Große Krise. Und inzwischen sind wir wieder sehr glücklich! Würde es Dir helfen mal Kontakt mit meinem Freund aufzunehmen? Vielleicht hilft es dir ja dich mit einem Mann auszutauschen ?

Liebe Grüße Mimi

Sas

Beitrag von Sas » 20:04:2009 16:47

Lieber Oliver,

Ich sehe deine Postings erst jetzt, da ich nicht mehr so oft im Forum bin. Euch beiden möchte ich Mut zusprechen. Ich habe ähnliches durchgestanden wie Deine Frau, bei mir waren sich die Ärzte nicht einig, ob es eine PPP ist oder doch "nur" eine PPD. Ich selbst habe mich für psychotisch gehalten, was ja eigentlich gegen eine ausgeprägte Psychose spricht, denn ein jemand, der eine handfeste Psychose hat erkennt sie meist nicht mehr. Aber es war schon so, dass meine Gedanken wahnhafte Züge hatten. Man taufte das Ganze dann "schwere postpartale depressive Episode mit psychotischen Symptomen". Ist ja eigentlich letztlich auch egal wie man das nennt, die Behandlung ist die gleiche. Auch ich war stationär in der Psychiatrie, danach noch in der Tagesklinik. Gottseidank hatte auch ich einen sehr hilfsbereiten und lieben Mann, der auch alles mögliche aushalten musste. Du glaubst gar nicht, was ich dem alles an den Kopf geworfen habe an Ausdrücken usw. Es lag an diesem verdammten Perfektionismus, den viele hier im Forum haben und der viele von uns in die Krankheit reingetrieben hat oder zumindest eine von vielen Ursachen war. Und daran, dass ich mich umso mehr als gute Mutter beweisen wollte. Auch nach der Klinik ist es leider noch ein Weg bis zur völligen Gesundung, und das kann für die Partnerschaft schon sehr belastend sein. Also, wie meine Vorrednerinnen schon sagten, binde Dich in die Therapie mit ein,such das Gespräch mit dem Therapeuten. Das hat mein Mann auch getan, danach hat er einiges klarer gesehen, es hat auch ihm geholfen, mit der Situation umgehen zu können. Niemand hat schuld an so einer Krankheit, Du nicht und Deine Frau auch nicht.
Aber Ihr werdet das schaffen und es wird auch für Euch eine gute Zeit mit Eurem Kind geben. Das das so ist siehst Du an mir und an meiner Familie. Wir standen genau da, wo ihr jetzt steht und wir haben es überstanden. Heute geht es mir gut, bis auf die normalen Missstimmungen, die jeder mal hat und darum bin ich hier auch ein so seltener Gast geworden.

Ich wünsche Euch beiden alles alles Gute und viel Kraft.

Saskia

Darklight09

Ich wünsche dir viel Glück

Beitrag von Darklight09 » 20:05:2009 3:38

Hallo Oliver,
leider hat unsere Ehe unter anderem die Schilddrüsenkrankheit und die PPD meiner Frau vorher nicht verkraftet. Es lag natürlich auch an mir, und ich hoffe du liest das jetzt genau mit:
In unserer 4jährigen Ehe hatten wir auch unzählige Streitigkeiten und auch ich wurde beschimpft, beschuldigt und gekränkt. Harte Worte, Flüche und das Gefühl nie etwas richtig gemacht zu haben waren teilweise grober Alltag. Hat man etwas mal Richtig gemacht, gab es genug Sachen die man Falsch gemacht hat. Ich habe leider viel zu schnell die Motivation aufgegeben und dafür hasse ich mich Heute. Ein Dilemma das du Nüchtern angehen solltest, denn ich kann dir nicht sagen was passiert wenn du alles Richtig machst, aber ich kann dir sagen, was passiert wenn du alles Falsch machst.
Wir sind jetzt 1 Jahr getrennt und es geht ihr mittlerweile um Einiges Besser. Ich weiß nicht ob es an meiner Abwesenheit oder an der Zeit liegt. Mir ist aufgefallen, dass Sie mir sehr fehlt und egal wieviel man damals unternommen hat, es zu wenig war. Ich erleide derzeit eine sehr kummerhafte Zeit und Sie und mein 2jähriger Sohn fehlen mir sehr, obwohl ich Sie oft genug sehe, Sie fehlen mir trotzdem. Es sind nicht nur die Schuldzuweisungen die mich so verletzen, sondern die Erfahrung, dass man alles hätte anders/besser machen können. Ich weiß jetzt erst, dass Sie mich geliebt hat und das vieles was passiert ist, auf die Krankheit und ihrem temperamentvollen Charakter zurückzuführen sind, und NICHT darauf, dass Sie mich zu wenig oder halbherzig geliebt hat.
!!!!!!!OLIVER denk bitte immer daran: Keine Schlacht bringt soviel Opfer wie die Trennung!!!!!!! Das du einiges überhören oder anders interpretieren musst, dich einige Reihen zurücksetzen und nicht in den Vordergrund stellen musst, weil du vieles sehr persönlich aufnimmst usw. sind nur kleine Opfer im Gegensatz zu einem Leben, was ihr nicht mehr gemeinsam anfechten könnt. Unterstütz deine Frau wo du nur kannst, braus nicht auf wenn mal etwas gesagt wird, was wehtut. In solchen Streitigkeiten reitet man sich im Wortverlauf in Sätze rein, die zuviel kaputtmachen können. Atme durch, fass es etwas nüchterner auf und parier Ihre Sätze mit etwas Geschick so, dass Sie keinem von euch wehtun sollen, so paradox es auch ist, vielleicht hilft bei so harten Ausseinandersetzungen ein Hauch ernstgemeinter Humor, ohne das Sie das Gefühl bekommt, lächerlich gemacht zu werden. Ich wünsche mir, dass es wenigstens bei euch klappt. Alles Alles Gute Oliver.

Beautiful

Beitrag von Beautiful » 20:05:2009 9:14

Hi,

also ich kann dir auch sagen, dass ICH wohl genauso war. Mein Mann hatte auch zu leiden.
ich selbst habe es erst kaum gemerkt, und dann MUSSTE es trotzdem so gemacht werden, wie ich wollte, weil ich es als Kind doch so schlecht hatte und mein Sohn sollte es besser haben und nur ICH wusste, wie es besser geht.... jetzt wo ich die meisten meiner Kindheitserfahrungen bearbeitet habe, kann ich mit Gewissheit sagen, dass ich meinem Mann unrecht getan habe.
Er war zum Teil auch sehr passiv, hat immer nur gesagt, war er möchte und nicht gehandelt. Ich sollte alles in die Tat umsetzen, was ER in der Erziehung für richtig hielt. Aber da kommt die Frage vom Huhn und vom Ei :-)
War er von Anfang an passiv? oder war er nur passiv, weil ich ihn eh nicht machen lies und er sich dann gar nicht mehr traute?

ich würde dir vorschlagen, dir selbst HIlfe zu suchen, eine SElbstihlfegruppe oder sonst was. Such dir jemand mit dem du reden kannst, hier ist ja schon der Anfang, aber evtl reicht es nicht.

Ich sehe es auf jeden Fall als Teil der Krankheit an, dass sie versucht, die KOntrolle zu bekommen und einfach ANgst hat, es läuft was schief, wenn du es machst. Ich habe es genauso erlebt und verstehe deine Frau und ich verstehe auch dich!

Also tu was für dich und hol dir HIlfe, dann kannst du deine Wut/Gekränktheit auch verarbeiten... sonst wird das Ganze echt noch zur Ehekrise....

LG
Maren

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