Trennung wegen Postpartaler Psychose?

Hier können sich die Angehörigen der PPD/PPP-Betroffenen untereinander austauschen.

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Joja

Trennung wegen Postpartaler Psychose?

Beitrag von Joja » 25:10:2010 15:48

Hallo zusammen!

Meine Frau befindet sich zur Zeit stationär in einer psychiatrischen Klinik.

Wie es dazu kam:
Vor vier Monaten kam unser Sohn per Kaiserschnitt auf die Welt. Leider folgten aufgrund einer Infektion am Nabel, extremem Bilirubinwert und ziemlicher Verdauungsprobleme etwa fünf Wochen Klinikaufenthalte (mit nur kurzen Unterbrechungen) für meine Frau und den Kleinen.

Bereits kurz nach der Geburt hat sich meine Frau total mit meiner Familie verworfen (meine Eltern und meine Schwester waren die ersten, die sie im Krankenhaus besucht hatten), obwohl sie sich immer sehr gut mit ihnen verstanden hatte. Wann immer ich irgendetwas äußerte, behauptete meine Frau, dass meine Mutter mir das "eingeflüstert" hatte.

Da meine Frau auch in gesundem Zustand keiner Konfrontation aus dem Weg geht, dachte ich mir noch nichts dabei. Nach der langen Zeit in der Klinik fuhr meine Frau mit unserem Sohn zu ihren Eltern (230km entfernt), um sich zu erholen und noch den Nierenstau den Kleinen bei Experten abklären zu lassen. Damals hielt ich das noch für eine gute Idee, da ich berufstätig bin und sie da ständig jemanden um sich herum hat.
Ab dann führten wir eine Fernbeziehung. Ich fuhr jedes Wochenende hin. Als ich das letzte Mal da war, sprach sie sogar noch davon, ein zweites Kind zu bekommen, damit unser Kleiner mit Geschwisterchen aufwächst. Einen Tag später rief sie mich auf der Arbeit an und verkündete, dass sie sich von mir trennen wolle. Von da an herrschte nahezu Funkstille.
Ihre Eltern reagierten nicht auf meine Mails, weil sie Angst davor hatten, ihre Tochter könnten denken, sie würden sie hintergehen. In diesen Mails habe ich auch meine Vermutung geäußert, dass meine Frau an einer postpartalen Depression oder gar Psychose leiden könnte (als meine Frau diese Mail auf dem Rechner des Vaters entdeckt hat, flippte sie aus - heute sagt sie, dass ich mit dieser Mail alles "verursacht hätte"...also ihren Klinikaufenthalt).

Die Situation wurde wohl im Laufe der Zeit nicht mehr tragbar für die Eltern. Sie brachten Sie in eine Mutter-Kind-Einrichtung. Dort nahm man ihr unseren Sohn nach einem Tag weg - wegen Gefährdung des Kindswohls. Seitdem befindet sich meine Frau in der geschlossenen Station, ist krankheitsuneinsichtig und nimmt zwar Medikament, aber nicht in der Dosierung, die die Ärzte gern hätten. Da meine Frau keine leicht Patientin ist, sind sie da einen Kompromiss eingegangen.

Um unseren Sohn kümmern sich meine Schwiegereltern, da ich ja wie gesagt berufstätig bin. Ich versuche, jedes Wochenende hinzufahren und mich um unseren Sohon zu kümmern und meine Schwiegereltern zu entlasten.

Mit dem, was meine Frau von sich gibt (sie hat den Trennungswunsch immer wieder wiederholt), kann ich leben. Ich habe die Krankheit akzeptiert und gehe davon aus, bzw. hoffe, dass diese "Entfremdung" der Krankheit zuzuschreiben ist und irgendwann alles wieder gut wird.

Womit ich allerdings langsam aber sicher nicht mehr klarkomme, sind die Äußerungen meiner Schwiegermutter. Sie ist selbst entsprechend vorbelastet. Sie ist mir gegenüber mehr als feindselig. Ihre Tochter hat ihr u.a. erzählt, ich hätte sie während der Schwangerschaft mit dem Ellbogen in den Bauch gehauen und unseren Sohn auch schonmal fallen gelassen, was natürlich nicht stimmt. Aber Schwiegermutter sagt sich "Weil sie es immer wieder erzählt hat, muss ja etwas dran sein."

Nach langen Gesprächen hatte ich immer wieder das Gefühl, dass sie nun begriffen hat, dass ihre Tochter krank ist. Aber dann telefoniert sie wieder mit ihr und schwupps bin ich wieder der Böse. Wenn ich ihr dann erkläre, dass ihre Tochter zwar klar wirkt, aber trotzdem krank ist, sagt sie dann nur immer, dass sie ihre Tochter ja wohl besser kennt.

Die gesamte Familie meiner Frau ist MEINER Meinung, aber Schwiegermutter stiftet eine Unruhe an der langsam alles zu zerbrechen droht.

Nach diesem langen Vortrag nun meine Fragen:

1. Was mache ich mit meiner Schwiegermutter? Ich bin soweit, dass ich selbst zu einem Therapeuten gehen will, um mir Rat zu holen, wie ich mich verhalten und mit der Situation umgehen soll. Die Krankheit meiner Frau schaffe ich irgendwie, aber meine Schwiegermutter treibt mich in den Wahnsinn...

2. Wie ernst ist der Trennungswunsch meiner Frau zu nehmen? Wir sind seit fünf Jahren zusammen, seit einem knappen Jahr verheiratet. Wir haben uns gerade ein schönes Häuschen mit Garten gemietet und ihr einen Laden für ihre Selbstständigkeit direkt am Haus eingerichtet. Es passt alles nicht zusammen.

Vielleicht hat ja der eine oder andere von Euch ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir Tipps geben?!

Viele Grüße!
Joja

selina

Beitrag von selina » 25:10:2010 16:43

Hallo Joja.

Es tut mir Leid das du bzw ihr gerade so eine schwere Zeit durchmachen müsst.Haben die Ärzte die psychose oder depression bestätigt?Ich denke ohne grund wird sie nicht in der Klinik sein!

Wie ernst sie die Trennung meint kann ich dir nicht versichern aber ich denke wenn sie wirklich eine psychose hat dann weiss sie nicht wirklich was sie redet!Hast du dich über die psychose informiert?Es ist ein kompliziertes Krankheitsbild aber mit Medikamente sehr gut behandelbar :!:

Das sie sagt du hättest sie in den Bauch gehauen und so weiter meint sie nicht so denn sie weiss im Moment nicht was realität ist.Solange sie krank ist ist sie überzeugt von dem was sie sagt das ändert sich aber komplett wenn sie wieder bei sich ist!Das du dir einen Rat bei einem Therapeuten holen willst finde ich sehr gut das wird dir bzw euch sehr helfen.

Zu meiner Schwiemu.... Wahrscheinlich will sie nicht wahr haben das ihre Tochter im Moment schwer krank ist und sie sollte sich schnellsten informieren und mit den behandelnden Ärzten sprechen und sich richtig aufklären lassen.Natürlich möchte sie ihre Tochter glauben und sich nicht eingestehen das sie vlt im Moment sachen sagt die nicht stimmen.Gehört aber leider zu ihrer Krankheit dazu!Gib ihr Zeit damit zurecht zu kommen und versuch mal mit den ärzten zu sprechen ob die nicht mal einen schritt auf sie zu machen könnten um sie aufzuklären und ihr die Augen zu öffnen!.Ich lese gerade noch das deine schwimu vorbelastet ist also hatte sie auch eine ppp oder ppd?

Ich möchte dir noch sagen das es irgendwann ein ende hat und ich denke das ihr dann zusammen glücklich werdet denn diese krankheit ist nahe zu 100%heilbar :!:

Was immer deine Frau sagt versuch trotz allem zu ihr zu stehen und ihr zu helfen denn im moment ist sie leider nicht fähig die realität zu sehen!

AmoebeMS

Psychose?????

Beitrag von AmoebeMS » 25:10:2010 17:09

Hallo Joja,

es tut mir leid, dass Ihr als kleine, neue Familie in diese schwere Zeit hineingeraten seid. Oh, ich vergaß das Herzliche Willkommen!!!! Und nein, ich habe keine ähnlichen Erfahrungen gemacht, aber Eure Geschichte berührt mich.

Nach Außen hin klingst du mir Gott sei Dank sehr gefasst und was noch viel wichtiger ist, sehr wohl informiert über den Krankheitszustand deiner Frau. Ich wünsche dir von Herzen, dass du weiterhin diese Ruhe und Geduld (bei u.a. dem „Stress“ der Fahrten und der Arbeit nebenbei) haben wirst. Allerdings bezweifle ich einwenig, dass deine Schwiegermutter die Lage richtig einschätzt, trotz, dass sie es wohl war, die deine Frau korrekterweise in die Klinik gebracht hat. Ich nehme an, dass auch deine Schwiegereltern mit der Lage überfordert waren und sich jetzt zudem noch mit der Erkrankung nicht auseinander setzen, was ggf. etwas verständlich ist, wenn sie unter der Woche Euer Kind betreuen. Ich möchte sie um Gottes Willen nicht in Schutz nehmen, aber allein die Aussage „ich kenne meine Tochter am besten“ zeigt die Unwissenheit, denn damit hat der Zustand deiner Frau überhaupt nichts zu tun!

Hast du denn mit den Ärzten gesprochen oder mit deiner Frau seit der Einweisung selbst? Haben deine Schwiegereltern das getan, bzw. vielleicht sogar mal deine Schwiegermutter? Ich würde vielleicht mal in Erwägung ziehen dies „gemeinsam“ anzupacken, wenn es nicht bereits geschehen ist, schließlich geht es ja auch um ihre Tochter. Ich weiß natürlich nicht in wie weit am Wochenende – wenn ich es richtig verstanden habe – die zuständigen Ärzte Vorort erreichbar sind, so dass ein gemeinsamer Termin abgestimmt werden kann. Bei Mutter-Kliniken kenne ich mich nicht so aus, aber es ist ja bekannterweise in KH recht üblich, dass Wochenends die „Chefärzte“ weniger anwesend sind (um es nett zu umschreiben). Ich würde allem „Groll deiner SchwiMu gegen dich“ zum Trotz versuchen deine Schwiegermutter erst mal sozusagen mit ins Boot zu holen. Vielleicht sollte sie mal von Anderen (Fachärzten???) zu hören bekommen, was eine solche Erkrankung so mit sich bringt. Hierbei solltest du nach Möglichkeit diplomatisch vorgehen (sprich HEUTE, bei AKUTER Erkrankung diplomatisch). Ich kann dich sehr gut verstehen, dass sie dich in den Wahnsinn treibt, aber bei allem Respekt, diese bittere Pille solltest du für die nächsten Wochen schlucken, sie gekonnt ausspielen und mit den eigenen Waffen schlagen. Ich kann gut reden, ich weiß, aber ich sehe es nun mal so, dass die Betreuung Eures Kindes auch eine Rolle spielt und die wird zur Zeit seitens der Schwiegereltern vorgenommen, richtig?

Falls sich daran in naher Zukunft nichts ändern soll, wirst du deine SchwiMu mit in Kauf nehmen müssen, aber das wäre ja nicht für immer (grins). Vergiss eins nicht: du bist der Vater des Kindes! Daran wird sich nie etwas ändern. Aber es wird wohl zur Zeit von Familienmitgliedern mit betreut. Soll dies so bleiben, dann gehe diplomatisch vor und binde sie weiter mit ein. Die harte Tour würde ich erst mal nicht einschlagen.

Auch würde ich persönlich den Trennungswunsch deiner Frau gewiss der Erkrankung zuschieben, weil es – so wie du schon sagtest – einfach nicht zu Eurer Geschichte passt. Punkt. Leider wird dir aber keiner sagen können, wie Eure Geschichte wirklich ausgehen wird, wie viel Zeit und Geduld ihr alle werdet aufbringen müssen bis das Haus und der Garten wieder mit Leben gefüllt sein werden. Hut ab vor deinen Taten, deinem Wissen und deiner Kraft.

LG AmoebeMS

Nachtrag:

Joja,

wenn auch Ärzte nur Blödsinn für deine SchwiMu reden, dann hast du ein „größeres“ Problem! Entschuldige. Vielleicht hilft noch mehr Geduld und Investition von Zeit, aber da hast du dann weiterhin noch mehr Baustellen in deinem Leben. Du kämpfst gegen/mit der Erkrankung deiner Frau, der Versorgung deines Kindes, deiner Arbeit, den Fahrten, dann noch gegen deine Schwiegermutter. Die Ärzte haben keine Ahnung. Super. Joja, nochmals bei allem Respekt, deine SchwiMu gehört …. nein, ich zügle mich.

Es sei wie es sei. Deine SchwiMu scheint ein weiteres Problem zu sein, ein uneinsichtiges und unbelehrbares noch dazu. Gib die Hoffnung aber nicht auf. Weder für deine Frau, noch Euer Familienleben. Einen weiteren Rat zu deiner Schwiegermutter möchte ich öffentlich nicht äußern. Sorry.

Geht es weiterhin um AUCH das Wohl des Kindes, welches nicht tagein und tagaus bei dir ist, ist die Sachlage nicht ganz so einfach, oder?

LG AmoebeMS
Zuletzt geändert von AmoebeMS am 25:10:2010 17:43, insgesamt 1-mal geändert.

Joja

Beitrag von Joja » 25:10:2010 17:14

Hallo Katharina,

vielen Dank für deine schnelle Antwort und die mutmachenden Worte.
Ja, ich habe sehr lange mit der Ärztlichen Leiterin der Station persönlich und dem Chefarzt telefonisch gesprochen, da ich mir ein eigenes Bild machen wollte, nicht gefiltert durch die Wahrnehmung meiner Frau, meines Schwiegervaters und schon gar nicht meiner Schwiegermutter.

Die Psychose ist bestätigt, ja. Die Ärzte sprechen von schizo-affektiertem Verhalten.

Ich habe den Ärzten auch die Problematik mit meiner Schwiegermutter erklärt und sie haben sofort gesagt, dass sie genau diesen Eindruck hatten, als sie mit ihr sprachen. Das Problem ist: meine Schwiegermutter macht es sich da recht leicht. Wenn die Ärzte nicht das sagen, was sie hören will, haben die Ärzte halt keine Ahnung. Punkt.

Mit "vorbelastet" meinte ich nicht, dass sie selbst eine PPP hatte. Aber sie hatte in der Familie einige Fälle von psychischen Erkrankungen. Und sie selbst gehört m.E. auch schon lange in eine Therapie.

Ich habe auch die letzten Wochen mit fast nichts anderem verbracht, als mich über die PPP und PPD zu informieren, habe die Erfahrungsberichte u.a. auf dieser Webseite hier gepaukt.

Das ist ja der Grund, warum ich relativ gut damit umgehen kann. Das Problem ist meine Schwiegermutter, ich kann es leider immer nur wiederholen.

selina

Beitrag von selina » 25:10:2010 20:40

huhu Joja,

erstmal respekt :!: Ich find es echt bewundernswert wie du das alles in angriff nimmst.

Wenn die Ärzte die psychose bestätigt haben dann denke ich solltest du wirklich einige sachen jetzt einfach net ernst nehmen.

So die liebe SchwiMu :roll: Ich will jetzt nicht ganz so viel sagen aber ich denke das sie einfach im Moment nicht wahrhaben will was wirklich los ist.
Ihre Tochter ist schwer krank (im moment) und sie macht sicher auch eine schwere Zeit durch und als Mutter glaube ich ist es auch schwer das zu aktzeptieren!Ältere Leute sind ja bekanntlich wunderlich, ich denke schon das sie weiss zumindest im tiefen inneren was wirklich los ist aber ebend die Schuld "irgendwo" sucht,und ihren Frust bei dir ablässt.Amoebe hats gut geschrieben versuche einfach sie irgendwie mit ins Boot zu holen.Was macht sie dir genau zum Vorwurf oder warum bist du der böse gibt es da konkretet Dinge?Wenn du es hier nicht schreiben möchtest kannste mir auch gern eine Pn schreiben!ICh denke nicht das sie es glaubt das du deine Frau in den Bauch gehauen hast?!Also frisch verheiratet haus und garten und dann sowas?FÜr mich hört sich das von ihrer seite ehr nach hilflosigkeit an!

Kopf hoch es wird alles wieder gut :!:

smaugerl

Beitrag von smaugerl » 27:10:2010 7:09

hallo joja,

ich schließ mich meinen Vorrednerinnen an und heiß dich herzlich willkommen :-)

lg
smaugerl

Joja

Beitrag von Joja » 28:10:2010 13:29

Aktueller Stand:
Inzwischen scheinen die Medikamente ihre Wirkung zu zeigen, zumindest teilweise. Dass sie psychisch krank ist, will sie immer noch nicht einsehen, aber zumindest sagt sie jetzt, dass sie eine Stoffwechselerkrankung hat, was ja so auch stimmt.

Den Trennungsgedanken hat sie aber immer und immer wieder wiederholt. Momentan versucht sie, auf juristischem Wege aus der Klinik herauszukommen und erwartet dabei Unterstützung von mir.

Ich frage mich nun, was ich tun soll.
Ich habe Angst, dass der zuständige Richter, der ja mit ihr sprechen wird, nicht versteht, dass sie nicht so gesund ist wie sie wirkt...

Gruß!
Joja

AmoebeMS

Der Richter weiß, worum es geht

Beitrag von AmoebeMS » 28:10:2010 19:59

Hallo Joja,

du bist da in einer wirklich nicht einfachen Lage.

Mit rechtlichen Dingen kenne ich mich leider nicht so gut aus. Mein Bruder ist zwar mehrere Male zwangseingewiesen worden, zum Schutz vor sich selbst und zum Schutz Anderer, und auch er durfte erst sozusagen über das Gericht entlassen werden, aber er war damals noch ein Jugendlicher (ich ja fast noch auch), mit zur Seite gestelltem Betreuer, etc. Wenn es sich um Jugendliche handelt, dann gilt natürlich auch ein etwas anderes Recht.

Nichtsdestotrotz scheint sich deine Frau zwar auf dem Wege der „Besserung“ zu finden, auch ohne die Einsicht (die kommt später; aber Stoffwechsel ist ja auch schon was, besonders weil es auch stimmt, nur klingt es „besser“, grins), aber sie ist ja – belassen wir es bei der Wahrheit – leider nicht ohne Grund stationär und geschlossen aufgenommen und sogar vom Kind getrennt worden. So schwer es auch zu verstehen ist, geschieht dies zum Wohle aller, so schwer eine Mutter-Kind-Trennung auch ist. War sie eigentlich sm-gefährdet?

Vor deiner Frau liegt noch ein langer Weg, Joja.

Was den juristischen Weg angeht: muss es wohl so sein, dass ein Richter erst kommen und entscheiden muss, dass deine Frau entlassen wird, wenn der Aufenthalt auf einer geschlossenen Station erst mal erfolgt ist (bitte korrigiert mich, wenn ich falsche Aussagen mache). Ich glaube, das wird ähnlich sein, wie bei meinem Bruder. Bei uns war ein Arzt bei dem Gespräch dabei, der vom Gericht bestellte Betreuer und eben mein Bruder. Und glaube mir, der Richter, der anwesend sein wird, wird sein Examen nicht in Steuerrecht gemacht haben!!! Vielleicht wird er nicht über alles informiert sein, aber er wird wissen mit welcher „Art“ von Patienten er es zu tun hat und besonders die Ärzte anhören.

Dein Dilemma ist wohl eher dein Verhalten gegenüber deiner Frau. Wirst du bei denn Gespräch anwesend sein? Das alles ist ganz schwer zu beurteilen, ich vermag dir auch keinen Rat zu geben. Ich wollte damals zunächst die Betreuung meines Bruders übernehmen, doch der Richter riet mir ganz arg davon ab, was letztendlich auch richtig war. Ich konnte diese Verantwortung nicht tragen. Es ist nicht ganz mit Eurer Lage vergleichbar, sicher, aber du steckst im fast gleichen Dilemma wie ich damals, denn ich wollte loyal sein, Verantwortung übernehmen, aber …. für was? Eine Erkrankung, mit der man sich fachlich nicht auskennt und dennoch für sein Ein-und-Alles alles tun möchte? Das ist verdammt schwer. Im einen Moment erscheint einem der oder die Gegenüber ganz normal zu sein und im anderen Moment erkennt man sie nicht mehr wieder. Ich würde ein wenig auf den Rat der Ärzte vertrauen. Hast du denn „regen“ Kontakt zu Ihnen?

Ich wünsche Euch alles alles Gute.
LG AmoebeMS

claudia

Beitrag von claudia » 30:10:2010 8:30

Hallo,

ich hatte vor 14 Jahren eine Einweisung auf die geschlossene.Mir haben sie damals auch das Kind weggenommen,weil ich nicht für ihn sorgen konnte.

Mein Mann hatte,ganau wie Du,die Dreifachbelastung:kranke Frau(mit Sorgen mach und so-ich hab´s auch nicht eingesehen,das ich krank war),Arbeitsbelastung(einer muß ja die Kohle ranschaffen) und schlechtes Verhältnis zur Schwiema(auch meine Mutter hatte drei Psychosen in ihrem Leben).

In Niedersachsen war das damals so,das aufgrund meiner Krankheitsverschlechterung nach zwei Wochen der Amtsrichter eingeschaltet wurde,um einen richterlichen Beschluß auszusprechen,das ich wegen Eigengefährdung für 6 Wochen auf der geschlossenen Station behandelt werden müsse.
Aus den mittlerweile 8 Wochen sind dann drei Monate geworden.

Diagnose war damals psychotische Episode im Wochenbett manischer Prägung.Nach der Entlassung habe ich immer noch nicht begriffen gehabt,wie sehr krank ich war.Das kam eigentlich erst in den letzten Jahren.Ich habe noch zwei weitere Kinder:bei der zweiten Geburt hatte ich wieder eine Wochenbettpsychose und beim dritten eine SS-Depri.

Heute bin ich immer noch psychisch krank und muß Medis nehmen,habe damit aber trotzdem eine gute Lebensqualität.Ich weiß nicht,wie mein Gesundheitszustand heute wäre,hätte ich von Anfang an die Medis genommen,wie verordnet.Kann schon sein,das ich dann vollständig geheilt worden wäre.Dafür gibt es hier im Forum ja auch einige Beispiele!
Aber bitte,bitte nicht im Alleingang die Medis absetzen und auch nicht bevor die Ärzte grünes Licht geben-bei vielen Medis ist eine Dauer von bis zu 5 Jahren nach Auftritt der Erkrankung durchaus normal.

Ansonsten kann ich meinen Vorrednerinnen nur zustimmen.

Über den Verein Schatten & Licht kannst Du übrigens eine "Angehörigen-Liste" anfordern:da stehen auch einige Väter drauf,die für Gespräche zur Verfügung stehen.

Mein Angebot für eine Kontaktaufnahme per PN steht ebenfalls-können auch gerne mal telefonieren-

Alles Gute für euch,Claudia

Joja

Beitrag von Joja » 31:10:2010 15:27

Hallo Claudia,

vielen Dank für Deine Tipps. Ich bin langsam aber sicher nervlich am Ende.
Nächste Woche kommt meine Frau in eine offene Einrichtung. Sie geht von maximal zwei Wochen aus.
Sie ruft momentan täglich mehrfach an, um mir zu erzählen, dass ihr Trennungsentschluss feststeht, was mit unseren Tieren passiert, was ich alles an Zeugs zu ihren Schwiegereltern bringen soll. Und wann immer ich versuche, ihr klarzumachen, wie sie sich in den letzten Wochen mir gegenüber verhalten hat, beugt sie die Wahrheit, dass sich die Balken biegen.
Dabei betont sie immer wieder, dass es für unseren Sohn doch viel, viel besser ist, wenn Mami und Papi Freunde sind.
NEIN! Für unseren Sohn ist es am besten, wenn Mami und Papi und er eine FAMILIE sind.

Sie will außerdem, dass ich aus unserem (gemieteten) Haus ausziehe und in eine kleinere Wohnung ziehe, damit ich ihr Geld für eine Wohnung geben kann.
Kurzum: sie schmiedet richtig konkrete Zukunftspläne.
Es wird immer schwieriger, sich vor Augen zu halten, dass sie krank ist, zumal sie inzwischen auch immer wieder betont, dass sie JETZT wieder gesund ist.

Ich habe am Freitag nochmal lang mit dem Chefarzt telefoniert, der vermutet, dass diese Trennung sich ohnehin in einigen Wochen erledigt haben wird, aber es wird für mich immer schwieriger.

Bald hat sie mich soweit, dass ich mich auch mit der Trennung anfreunde.

Das ist alles wirklich starker, starker Tobak.

Falls jemand noch einen guten Tipp hat, wie ich vielleicht weiterhin in meinem eigenen Kopf akzeptieren kann, dass meine Frau krank ist und das alles (vermutlich) nicht so gemeint ist, immer her damit.

creme_brulee

Beitrag von creme_brulee » 31:10:2010 18:25

Joja,

google doch mal bitte, ob es in deiner Nähe Gruppen des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch Kranker gibt (auch die Telefonseelsorge-Mitarbeiter in deiner Nähe, wenn du übers Festnetz die 0800 1110111 anrufst, haben meist Verzeichnisse solcher Gruppen). Dort findest du vermutlich den klügsten Beistand beim Durchhalten des Gedankens, dass die Krankheit deine Frau so handeln und sprechen lässt.
(Und aus ganz persönlicher Sicht, der des Kindes: Tu's für euer Kind. Sag dir hundert Mal am Tag, dass der Mini euch beide braucht. Ich weiß, dass du das eh schon tust, aber bleib auch dabei. Bitte.)

Liebe Grüße
CB

claudia

Beitrag von claudia » 31:10:2010 22:47

Hallo Joja,

CB hat recht mit ihrer Aussage"Tu´s für euren Mini"

Ich habe gerade in meiner letzten Krankheitsphase meinem Mann z.B.immer wieder gesagt,er solle einen besseren Platz für mein geliebtes Pferd suchen und sie verkaufen.

Er hat´s nicht getan und mir immer gesagt,aber Du wolltest sie doch haben und wenn Du wieder gesund bist wirst Du ihr hinterher trauern.

Ich bin ihm dafür unendlich dankbar,denn jetzt hab ich sie natürlich noch und bin froh darüber!


Es ist bestimmt hart,aber denk auch mal an Dich.Vielleicht ist es besser,wenn Du sie nicht täglich besuchst...Du mußt auch mal Luft holen...

Hast Du einen guten Freund,mit dem Du darüber quatschen kannst?Du verläßt sie ja nicht,bloß,weil Du auch mal an Dich denkst.

Mach Dir ein paar schöne Stunden mit eurem Kind...

Die Idee mit dem Telefonkontakt zu der Angehörigengruppe psychisch Erkrankter finde ich gut.

In jeder größeren Stadt gibt es auch einen "sozialpsychiatrischen Dienst",da kannst Du Dir auch Unterstützung,Rat und evtl.Austausch mit anderen Menschen in ähnlicher Situation holen.

Frag mal in der Klinik nach,vielleicht bieten die auch Angehörigengruppen an?

Und sprich vielleicht auch mal mit Deinem Hausarzt,vielleicht kann der Dich krankschreiben,sodaß erstmal der Arbeitsdruck weg ist.

Mehr fällt mir im Moment auch nicht ein-aber wir im Forum sind auch immer da-auch wenn´s nur zum "auskotzen" ist.

Gute Nacht für Dich und viel Kraft,Claudia

Feebie

Beitrag von Feebie » 31:10:2010 23:30

Hallo Joja,

erst einmal tut es mir leid, was ihr 3 erleben müßte. Es ist soo eine schwere Zeit für euch alle!

Mich würde interessieren, wie eure Partnerschaft denn vor der Geburt war?
Vor der Schwangerschaft sicher gut, denn sonst hättet ihr ja vermutlich kein Kind gewollt, aber gab es Veränderungen während der Schwangerschaft? Kennst du denn einen Grund, warum sich deine Frau würde trennen wollen, oder kommt es wirklich aus heiterem Himmel?

So engagiert wie du bist, in deiner schweren Situation, glaube ich, das du deine Frau noch sehr liebst und vermutlich vorher alles in Ordnung war.
Aber so richtig rausgelesen habe ich es noch nicht, daher würde es mich interessieren.

Ich habe keine Erfahrung im Bereich der Psychose.
Aber ich weiß, das sogar ich sehr sehr oft das Gefühl hatte "weglaufen zu müssen", alles hinter mir zu lassen. Um Ruhe zu haben, aber auch um meinen Mann und mein Kind von mir zu "entlasten". In manchen Stadien wollte ich auch meinen Mann komplett verlassen, weil ich seine Gegenwart nicht ertragen konnte. Ich habe ihm das allerings nie gesagt, weil ich noch klar genug war mich zu erinnern, das uns eine ungewöhnlich große Liebe verband und irgendetwas mit mir und meinen Gefühlen daher gerade nicht stimmen konnte.
Insofern halte ich es leider nicht für ungewöhnlich, das deine Frau den Wunsch äußert. Mich wundert nur die Klarheit, mit der sie das ganze angeht.
Vielleicht magst du noch ein bischen mehr von euch erzählen.

LG und ganz ganz viel Kraft,
Feebie

Joja

Beitrag von Joja » 01:11:2010 10:15

Hallo,

ich besuche sie nicht täglich. Das geht nicht, weil die Klinik 250km von unserem eigentlichen Wohnort entfernt ist.
Sie ruft mich täglich mehrfach an.

Vor der Geburt war eigentlich alles in Ordnung. Wir haben uns ein hübsches Häuschen gesucht, ihren Laden aufgebaut. Alles okay.

HEUTE behauptet sie, ich hätte mich seit der Hochzeit vor einem Jahr total verändert und sie sei "auf meine Familie hereingefallen".

Allein die Tatsache, dass sie ein zweites Kind wollte (am Tag, bevor sie sich "getrennt" hat), lässt mich an der Ernsthaftigkeit der Trennung zweifeln.

mici

Beitrag von mici » 01:11:2010 11:22

Hallo Joja,

ich weiß nur, dass eine Psychose mit sehr, sehr viel Scham behaftet sein kann und dass der Trennungswunsch Deiner Frau u. U. auch diesem Schamgefühl zuzuordnen ist. Soll heißen, sie kann sich nicht vorstellen, Dir als "gesunder" Mensch wieder unter die Augen zu treten und so zu tun, als wäre nichts, nachdem, was alles geschehen ist.
Wie reagierst Du denn, wenn sie von Trennung spricht? Du versuchst es ihr auszureden und ihr zu verklickern, dass sie das nur sagt, weil sie krank ist und dass ihr abwarten solltet, bis es ihr besser geht und ihr wieder klarer seht etc., richtig?
Weißt Du, vielleicht wäre ein Strategiewechsel gut. Sprich über die Verletzung, die sie bei Dir auslöst, klar und eindeutig. Ich könnte mir vorstellen, dass sie unbewusst Grenzen einfordert. Psychiotiker brauchen Grenzen, gerade weil Ihre Erkrankung etwas "grenzenloses" hat, alles möglich erscheint, Höhen wie Tiefen, ist es wichtig, dass Du Ihr Grenzen setzt. Sag Ihr, dass Du nur noch einmal max. zweimal täglich für sie zu sprechen bist. Und dass sie Dich nur anrufen soll, wenn es was "Neues" gibt, nicht aber, wenn es ihr nur darum geht, den Trennungswunsch immer und immer wieder zu wiederholen. Den hättest Du schließlich inzwischen vernommen.
Es ist wichtig, dass Du ihr zeigst, wo die Normalität ist, denn die hat sie momentan aus dem Blick verloren. Man spricht nicht mit seinem Mann, mit dem man gerade ein Kind bekommen hat, von der geschlossenen Psychiatrie aus über Trennung! Das ist einfach nicht die Normalität. Nimm sie ernst, sag Ihr: Ja, hab ich gehört, Du willst Dich trennen, darüber sprechen wir, wenn Du wieder raus bist. Und ich würde auf keinen Fall neue Tatsachen schaffen, also Wohnung mieten oder so was.
Ruhe bewahren und Dich am besten nicht mehr auf Diskussionen einlassen, sie reden lassen, aber auch in ihre Grenzen weisen.

Gruß, MICI

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