Trennung wegen Postpartaler Psychose?

Hier können sich die Angehörigen der PPD/PPP-Betroffenen untereinander austauschen.

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Anke
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Beitrag von Anke » 21:11:2010 12:09

Hallo Juliane und andere Forumnutzer,

Zum Thema Besorgnis/Sicherheit im Forum möchte ich noch etwas hinzufügen.
Schätzungsweise über 95 % aller User hier im Forum sind unter einem anderen Namen als der wirkliche angemeldet. Ebenso haben die meisten im Profil bei Wohnort nichts angegeben. Schon das alleine reicht aus, um die Anonymität zu wahren. Es können quasi keine Rückschlüsse auf jemanden gezogen werden. Und das ist natürlich auch in unserem Sinne!

Wir möchten den Usern hier die Möglichkeit des Austauschs bieten, aber auch die für sie notwendige Anonymität, gerade weil es hier um eine sehr heikle, traurige, schmerzvolle und leider immer noch tabuisierte Krankheit geht.

Und auch hier im Forum darf jeder selbst entscheiden, was und wie viel er von sich und seiner Krankheit preisgibt.
Viele Grüße von Anke

"Die Zeit heilt alle Wunden..."

Feebie

Beitrag von Feebie » 21:11:2010 13:06

Hallo Joja,

also mir ist es wurscht, was du arbeitest. Das ist ja nur ein Aspekt in dieser ganzen Geschichte.

Aber es ist schon wieder Wochenende, oder?
Und du bist schon wieder nicht bei deiner Frau und deinem Sohn, oder???

Ich kenne keine Frau (mit Trennungsabsichten) die nicht ihrem Partner ein klärendes Gespräch anbieten würde, wenn der Wunsch wirklich aktuell und real ist. Wieso bist du nicht da? Wieso redet ihr nicht über die Trennung?

Nimm´ sie ernst, denn ich glaube fast, es ist ihr verdammt ernst damit. Und ich habe das Gefühl, das es nichts mehr mit ihrer Psychose zu tun hat, wenn ich ehrlich bin. Ich halte das inzwischen auch für einen realen Wunsch. Aber dann finde doch wenigstens heraus, warum sie so denkt?

Ich verstehe nicht, wie du zuhause sitzen kannst und 250 km entfernt von dir dein Privatleben kaputt geht? Was machst du jetzt gerade? Zuhause sitzen und hier ins Forum schauen? Wir alle raten dir:
Fahr´ endlich da hin, sei vor Ort!

Aber du nimmst unsere Ratschläge hier nicht an, oder nicht ernst, wie auch immer. Wir alle haben dir gesagt: Wenn diese Taufe stattfindet, dann sei unbedingt dabei! Und was machst du? Du bockst! Sorry, aber ich kann das nicht anders nennen. Und was hast du dir davon versprochen? Ein Zeichen zu setzen? Welches denn??? Das es so nicht mit dir abgesprochen war? Klar erntest du jetzt nur die Kommentare, das du es nicht einmal für nötig gehalten hast, zur Taufe deines Sohnes zu gehen. Sie kommt nie wieder, wird niemals wiederholt. Und es ist Fakt (auch später für deinen Sohn, wenn er alt genug ist, es zu begreifen), das sein Vater bei dem ersten großen offiziellen "Auftritt" seines Lebens nicht dabei war, ---weil er nicht wollte!

Ich denke, du solltest dir unsere Ratschläge etwas mehr zu Herzen nehmen. Sie sind ernst gemeint und kommen von Herzen und ALLE sagen wir das Gleiche und du hörst das direkt aus dem Mündern und Herzen von Betroffenen oder Ex-Betroffenen. Wenn jemand evtl. weiß, was deine Frau denkt, dann sind wir vielleicht gerade am nächsten dran. Und vielleicht solltest du nochmal darüber nachdenken.

Du kannst dein Sohn nicht zu dir holen, das kann ich verstehen. Das würde ich als Mutter auch als Frontalangriff deuten, wenn ich mich definitiv dagegen ausgesprochen hätte. Aber ich finde du müßtest dort sein. Mindestens jedes Wochenende und wann immer es geht auch darüber hinaus.
Das Argument, das sie dich nicht sehen will, zählt für mich nicht. Da machst du es dir zu leicht. Auch würde ich mit Krankenkassen und deinen (!) Ärzten klären, welche Möglichkeiten sich dir bieten, damit du mehr vor Ort sein kannst. Du könntest dich krank schreiben lassen, du könntest für die Betreuung eures Sohnes krank geschrieben werden, du könntest als Pflegender für deine Frau eingesetzt werden, etc. Es gibt so viele Möglichkeiten und es würde sich sicherlich für dich eine Lücke finden lassen, so das du vielleicht Gehaltseinbußen, aber kein Gehaltsverzicht hättest.
Aber du gehst es ja nicht einmal an! Du schmetterst hier solche Ratschläge sofort mit dem Argument ab, du müßtest das normale Leben aufrecht halten.
Du hast derzeit kein normales Leben!!!
Du solltest jetzt reagieren! Und wenn dein Arbeitgeber so verständnisvoll mit dem Thema Krankheiten umgeht wie du sagst, dann sollte er doch in seinem direkten Umfeld seiner Mitarbeiter, noch das größte Verständnis aufbringen, oder?
Und 14 Tage unbezahlten Urlaub sollte doch auch dir möglich sein. So viel Reserven wird es doch wohl geben.

Ich gebe dir wirklich nur den einen Rat: Fahr´endlich dort hin!
Und solange ich in der Richtung nichts mehr von dir höre, bin ich hier raus.
Sorry, aber ich bin es auch leid hier immer wieder die selbe Leier auszupacken um dann vor dir zu erfahren, das sie doch aber nicht will und ihr es euch nicht leisten könnt und du ja schon das große Opfer bringst vor Ort alles zu regeln und mit den Ärzten zu sprechen etc.
Du telefonierst, das ist alles! Zu wenig in meinen Augen.

LG und alles Gute,
Feebie

Joja

Beitrag von Joja » 21:11:2010 14:02

Hallo Feebie!
Der Grund, warum ich diese Wochenende nicht dort bin, ist, dass meine Frau mit Vater und Bruder eben hier waren, um Sachen abzuholen.
Ein klärendes Gespräch mit ihr war bisher und ist momentan leider nicht möglich. Ich habe es eben schon wieder versucht. Aber das einzige, was sie immer sagt, ist, dass ich ihr das Wort im Mund verdrehen würde.
Als sie ihre Sachen gepackt hat, konnte ich zumindest kurz mit ihrem Vater sprechen.
Er sagt, dass er im Moment auf Zeit spielt. Sie solle das Trennungsjahr ruhig bekanntgeben. Bis das rum ist, vergehe noch viel Zeit. Also offenbar ist ihm die Problematik dann doch bewusst. Ob in ihrem ganzen Ausmaß, kann ich nicht beurteilen.
Als ich ihr gesagt habe, dass ich nächsten Samstag kommen und unseren Sohn besuchen will, hat sie auch wieder angefangen zu diskutieren, bis ihr Vater sie ein wenig "ausgebremst" hat.

Diese Frau, die ich da eben gesehen habe, kenne ich nicht. Sie wirkt abwesend, ist total auf Krawall gebürstet und hat an allem Interesse, aber leider nicht an einem klärenden Gespräch.
Als ich mal gefragt habe, warum sie sich von mir trennen will, sagte sie nur "Frag' Deine Mutter!". Dazu muss man sagen, dass meine Mutter und meine Frau bis zur Geburt unseres Sohnes die besten Freunde waren. Sie hat sich bei meiner Mutter immer "ausgeheult", wenn sie sich mal wieder mit ihren Eltern verworfen hatte (was oft vorkam).
Wenn ich dann wissen wollte, was meine Mutter damit zu tun hat, hat sie immer nur gesagt, meine Mutter würde mir andauernd irgendwas einflüstern.

Ich nehme mir Eure Ratschläge wirklich zu Herzen und versuche, sie anzunehmen und umzusetzen. Aber in der momentanen Situation ist das leider nicht möglich. Ich bin mal gespannt, wann sie mich anruft, um mir mal wieder zu sagen, dass es nächsten Samstag nicht passt. Aber dann ist mir das egal und ich fahre auf jeden Fall zu meinem Sohn.

Und so traurig das ist: Gehaltseinbußen kommen momentan leider nicht in Frage, da alle Reserven aufgebraucht sind. Sie hat ja nie wirklich Geld verdient und ich musste und muss für alles aufkommen. Ich habe das auch immer gern getan. Aber viel blieb da nicht übrig.

Tamani

Beitrag von Tamani » 21:11:2010 15:48

Hallo Joja!

Du hattest gefragt, ob eine schizoaffektive Störung wirklich so schnell abklingen kann. Ich denke, mit der entsprechenden richtigen Medikation ist die akute Psychose ziemlich schnell in den Griff zu kriegen. Ich hatte zwar eine manische Psychose, war aber auch schon nach 10 Tagen fast wieder völlig klar und durfte da schon die Klinik stundenweise verlassen.
Nach 3,5 Wochen als ich dann entgültig entlassen wurde, fühlte ich mich dann wieder ganz gesund.
Aber ich habe auch mein Medikament in der von den Ärzten verordneten hohen Dosierung in der Klinik und zu Hause weiter eingenommen und dann immer in Absprache mit meinem Psychiater langsam reduziert. Du hast ja mal geschrieben, daß Deine Frau ihre Medikamente nicht in der empfohlenen Dosierung der Ärzte nimmt. Da könnte es schon sein, daß es länger dauert, bis die Symptome verschwinden.
Ich denke entscheidend ist, daß Du eindeutig eine Wesensveränderung an Deiner Frau wahrnimmst und das hört sich für mich nicht gesund an.
Daß sie Deine Mutter plötzlich so negativ sieht und auch die Sache mit dem "Einflüstern" hört sich für mich doch sehr schizophren an.
Und selbst wenn das alles nur von zu hohen Dopamin-Werten kommen sollte, so ist sie eben trotzdem noch nicht gesund und bedarf weiterhin ärztlicher Behandlung.
Vielleicht hat ja Dein Schwiegervater doch langsam begriffen, daß das Verhalten seiner Tochter nicht wirklich von Gesundheit zeugt und Du hast wenigstens wieder einen Verbündeten, der mit Dir an einem Strang zieht.
Aber frag doch tatsächlich mal Deine Mutter, ob zwischen den beiden nach der Geburt irgendetwas vorgefallen ist, was nun die Abneigung Deiner Frau erklären könnte.
Ich finde, Du mußt schon versuchen, Deiner Frau ein Stück weit entgegenzukommen, denn für sie ist da nun mal eine reale Abneigung gegen Deine Mutter, die irgendwie mit der Krankheit Deiner Frau verknüpft ist, auch wenn das für dich im Moment unverständlich ist.
Vielleicht hat Deine Mutter irgendeine Bemerkung gemacht, die bei Deiner Frau durch ein eventuell schon verändertes Erleben der Wirklichkeit ganz anders angekommen ist, als sie gemeint war. Und dann sprich auch mit Deiner Frau darüber, denn dann wird sie merken, daß Du sie ernst nimmst und versuchst, sie zu verstehen. Bei allem, was Deine Frau jetzt tut, verfolgt sie ihren ganz eigenen Plan, der ihr absolut logisch erscheint und sie wird Einwände dagegen immer als persönlichen Angriff werten, aber dafür kann sie nichts, sondern die Krankheit zwingt sie dazu.
Das mußt Du Dir immer wieder vor Augen halten: Was Du siehst ist nicht wirklich Deine Frau, sondern ein von ihr durch die Krankheit verzerrtes Bild.
So lange Deine Frau nicht wirklich mit Dir reden will, bleibt nur weiterhin der Kontakt zu den Ärzten und den Schwiegereltern.
Und nochmal: Versuche Dir irgendwie Freiräume zu verschaffen, um Deinen Sohn öfter zu sehen, er braucht Dich auch und Du brauchst ihn.
Gerade in so einer Situation wie Eurer gibt ein Kind einem immer wieder Kraft, durchzuhalten und weiter zu kämpfen.
Ich finde es nicht gut, daß Du bei der Taufe nicht dabei warst, ich finde, damit hast Du das völlig falsche Signal an Deine Frau gesendet und ich hoffe, daß sie Dir das nicht ewig vorhalten wird.

Wenn irgendwie möglich, fahr vor nächstem Samstag zu Deinem Sohn, Du hast ein Recht ihn zu sehen und die Familie Deiner Frau muß das zulassen und Dir das ermöglichen, aber DU mußt es auch WOLLEN, dann findet sich auch ein Weg.

Alles Gute,

Tamani

Joja

Beitrag von Joja » 21:11:2010 16:32

Hi Tamani!

Ich habe oft mit meiner Mutter gesprochen und weder sie noch ich haben eine Erklärung, warum meine Frau dies plötzliche Abneigung in sich trägt. Ich vermute, dass meine Frau ihren Ärger auf meine Familie projiziert. Denn von ihrer Familie war niemand im Krankenhaus.
Da ist nichts vorgefallen. Ich war ja immer dabei, wenn die beiden sich gesehen haben (zweimal im Krankenhaus). Danach habe ich den Kontakt zu meinen Eltern meiner Frau zuliebe runtergeschraubt, was meine Eltern damals nicht begreifen konnten, weil sie meine Frau immer geliebt haben wie ihre eigene Tochter. Inzwischen haben meine Eltern auch verinnerlicht, dass die krank ist. Sie geben mir Mut und hören mir zu, nehmen mir hin und wieder mal die Hunde ab, um die ich mich ja auch noch kümmere. Sie helfen halt wie sie können und haben ihren Enkel auch seit kurz nach der Geburt nicht mehr gesehen.
Und kurz danach hatte sie's auch noch auf meine Schwester abgesehen, die sie auch im Krankenhaus besucht hat.
Inzwischen erzählt meine Frau, dass sie bei meiner Familie auf etwas "hereingefallen" sei. Ich habe keinen Schimmer, wie sie das meint und sie kann mir das auch nicht erklären.

Man sagt ja immer, dass die Zeit alle Wunden heilt. Momentan fällt es mir schwer, das zu glauben.
Ich werde versuchen, so schnell wie möglich meinen Sohn zu besuchen.
Das wird dann sicherlich kein Spaß, weil ich mir dann wieder Schwiegermutters Gerede anhören darf, aber dann schnapp' ich mir einfach den Kleinen und mache einen laaaaangen Spaziergang.

Astrid

Beitrag von Astrid » 21:11:2010 21:52

Hallo Joja,

welche Symptome hatte deine Frau eigentlich genau, als sie in die Klinik kam? Du hast das nie ganz genau beschrieben, nur, dass sie da ja schon bei ihren Eltern war, als es ganz schlimm wurde. Hast Du denn auch eine Besserung in irgendeiner Hinsicht feststellen können?

Ich war ja unglaublich traurig und zu nichts mehr fähig, hatte überhaupt keine Gefühle mehr. Daher war es, als ich agressiv wurde, ein großer Fortschritt. Hört sich seltsam an, aber ich konnte wieder etwas fühlen, und meine Thera sagte damals ich würde nicht mehr so tief in der Depression stecken, und wäre auf dem weg der Besserung.

Daher frage ich dich, ob es nicht auch ein Schritt Richtung "Normalität" sein kann.

Liebe Grüße Astrid

mici

Beitrag von mici » 21:11:2010 22:07

Ich habe zufällig gerade heute einen wunderbar gemachten Film über eine Frau gesehen, die an einer schizoaffektierten Psychose erkrankt ist. So weit ich weiß, ist eine Psychose nicht vollständig heilbar, sondern eben nur sehr gut behandelbar. Eben so gut, dass der Betroffenen u.U. weitestgehend beschwerdefrei leben kann. Die Akutphase muss nicht lang sein, drei, vier Wochen vielleicht, aber es gibt Grauzonen, die das Auftreten bzw. Abklingen einer Akutphase begleiten. Möglicherweise befindet sich Deine Frau momentan in eben dieser Grauzone.
Dass Du Dich gegen den Willen Deiner Frau durchsetzen willst und einen laaaangen Spaziergang mit Deinem Sohn planst, halte ich für eine sehr gute Idee!

Joja

Beitrag von Joja » 21:11:2010 22:14

@ Astrid:
Die genauen Symptome kann ich Dir leider nicht sagen, weil sie mich da ja schon aus ihrem Leben verbannt hatte. Ich kann nur berichten, wie sie sich vorher (als wir noch nicht "getrennt" waren) verhalten hat.
Es ging damit los, dass sie plötzlich wollte, dass ich meinen Job kündige und mir etwas in der Nähe ihrer Eltern suche (in meiner Branche ist das leider nicht so einfach). Dass wir extra für Sie dieses schöne Haus mit Garten und Ladenlokal gemietet hatten, hat sie nicht mehr interessiert. Dass wir alles für unseren Sohn vorbereitet hatten, hat sie auch nicht mehr interessiert.
Als ihr Vater das mitbekommen hat, hat er mal gesagt, dass sie weglaufen würde. Da ist sie weinend aufgesprungen.

Der Moment, in dem ich wusste, dass sie jetzt schleunigst Hilfe braucht, war, als sie auf der Terrasse saß, ins Leere starrte und sagte "Ich verstehe hier gar nichts mehr. Ich fahre gerade zehnspurig." Am gleichen Tag wollte sie auch noch ein zweites Kind.

Einen Tag später hat sie mich dann angerufen und Schluss gemacht.
Ab da habe ich unermüdlich versucht, ihre Eltern zu überzeugen, dass sie Hilfe braucht und vermutlich krank ist. Aber meine Schwiegereltern (in erster Linie Schwiegermutter) wollten das nicht wahrhaben, bis ihr Verhalten irgendwann wohl so schlimm war, dass sie sie in die Klinik gebracht haben.

@mici:
Wie hieß denn der Film? Ich werde mir jetzt auch mal "Das Fremde in mir" besorgen. Habe viel darüber gelesen.

mici

Beitrag von mici » 21:11:2010 22:40

"Schnupfen im Kopf" hieß der Film, er lief hier im Programmkino.

Leuchtkäfer

Beitrag von Leuchtkäfer » 21:11:2010 23:30

Hallo Joja,

ich war 'ne Woche nicht online und hatte nicht die Muße, alles genau durchzulesen. War vieleicht auch gut so. Von daher ist es mir tatsächlich auch egal, ob Du eine Reportage über was auch immer oder eine PPD/PPP schreibst.
Ich kann sogar verstehen, daß Du in Deinem Alltag verarbeiten willst, was Du gerade erlebst. Dein Alltag ist eben Journalismus, warum also nicht. Aber das nebenbei.

Ich glaube auch immer noch, daß Deine Frau eine akute Wochenbettpsychose bekommen hat, denn richtig depressive Symptome bei ihr schilderst Du nicht. Aber das zu unterscheiden, kann nur ein Arzt.
Eine Psychose kann richtig behandelt schnell abklingen, wie Tamani geschrieben hat, sie ist auch komplett heilbar, aber eben wirklich nur mit richtiger Behandlung.

Ich muß mal ein paar Details fragen: Wie war denn Eure Beziehung vorher? Wie habt Ihr zusammen Euch denn das Leben mit Kind vorgestellt?
Mir ist klar, daß Du Dir natürlich vorher alles anders vorgestellt, als jetzt, aber was wäre Deine Vorstellung von Normalität? Was wäre vor allem Deine Rolle in dieser Normalität? Wie hätte es laufen sollen mit der Sebstständigkeit Deiner Frau? Wer hätte wie auf Euren Sohn aufgepaßt?

Ich frage das alles, weil ich kein faßbares Bild von Dir und der Beziehung zu Deiner Frau VOR der ganzen Geschichte habe.
Ich erhoffe mir davon, Dir besser raten zu können, was du unternehmen könntest. Im Moment habe ich keine Idee.

Es kann doch keine Lösung sein, das Trennungsjahr erstmal zu beginnen und zu hoffen, daß es bis dahin besser wird.
Hat Deine Frau eigentlich Freunde, zu denen sie Kontakt hatte nach der Geburt? Was sagen die denn?

Ich will aber auch noch einmal den Denkanstoß geben, daß bei einer so schweren Erkrankung eines Angehörigen eventuell der selbstverständlich sehr wichtige Job eine Zeit lang etwas zurückstecken muß.
Auch mein Mann, der ein echter Familienmensch ist, konnte sich trotzdem nicht vorstellen, krankgeschrieben mit unserem Sohn zu Hause zu sein.
Er mußte es dann, weil kein anderes da war.
Ich will auch betonen, daß ich es für sehr wichtig ansehe, daß der Partner ein weiterhin funtionierendes Arbeits- und Sozialleben hat, auch wenn der andere krank ist, aber denk doch nochmal üner Möglichkeiten nach, einige längere Zeit vor Ort zu sein.

Grüße von Leuchtkäfer

Joja

Beitrag von Joja » 22:11:2010 14:23

Hallo Leuchtkäfer!

Die Selbstständigkeit meiner Frau wäre kein Problem. In der kurzen Zeit zwischen zwei Klinikaufenthalten (wegen unseres Sohnes) hatte sie ja auch mal Kunden. Sie hat den Kleinen einfach in den Kinderwagen gelegt und mit in den Laden genommen. Der Laden ist ja direkt am Haus dran.

Wie ich mir "Normalität" vorstelle? Das ist eine wirklich gute Frage, die ich vermutlich nicht ausreichend beantworten kann. Ich habe richtig engen Kontakt zu unserem Sohn ja eigentlich nur in dieser einen Woche gehabt, als meine Frau in der Klinik und ich bei meinen Schwiegereltern war. Da war ich rund um die Uhr Papi. Nachts Fläschchen, tagsüber Windeln und spielen und viel spazierengehen (er liebt es, an der frischen Luft zu sein).

Wie der Alltag aussehen würde, wenn alles anders gekommen wäre, kann ich nur erahnen. Ich würde halt zur Arbeit gehen, tagsüber kümmert sich meine Frau um den Kleinen, abends komme ich wieder und bringe den Kleinen ins Bett, koche dann für meine Frau und mich (das habe ich auch in der Schwangerschaft schon immer gemacht). Ihr Laden wäre dabei kein Problem, hat sie vorher immer gesagt. Du merkst schon, dass ich ehrlich gesagt keine fundierte Antwort geben kann.

Wir hatten halt bisher nie sowas wie Alltag. Die kurze Zeit, die meine Frau und der Kleine in den ersten Wochen zuhause waren, waren geprägt von Sorgen um die Gesundheit unseres Sohnes.

Du hast nach ihren Freunden gefragt. BERECHTIGTE Frage. Eine ihrer besten Freundinnen (alte Schulfreundschaft) sollte eigentlich Taufpatin sein, hat es aber bei dieser Hauruck-Taufe abgelehnt (das war ihre Entscheidung, habe ich nichts mit zu tun). Sie weiß, dass meine Frau krank ist und hat mir immer wieder gesagt, dass sie wenigen telefonate mit meiner Frau ganz merkwürdig waren. Sie wirkte abwesend und sie kannte sie so nicht.
Meine Frau hat sie sogar am Telefon vor die Wahl gestellt: Sie soll sich für mich oder für meine Frau entscheiden.
Vermutlich denkt meine Frau, dass ich mit ihrer Freundin "klüngeln" würde. Das wirft sie mir ja auch immer im Zusammenhang mit ihrem Vater und meiner Mutter vor.

Zusammengefasst: in ihren Augen klüngel' ich mit allen und jedem, um jeden glauben zu machen, sie sei ein Psycho.
Ich bin kein Experte, aber für mich klingt das etwas paranoid.

Dass ich - wenn es hart auf hart kommt - eine Möglichkeit finden muss, den Job Job sein zu lassen und mich um unseren Sohn zu kümmern, das ist mir klar. Ich hoffe eben jetzt, dass sie Tag für Tag ein bißchen gesünder wird. Der Kleine ist gut versorgt. Seine Oma bringt ihn tagsüber stundenweise zu meiner Frau in die Klinik.

Astrid

Beitrag von Astrid » 22:11:2010 16:43

Wie habt ihr die Situation nach der Geburt gemeistert? War deine Frau überhaupt mit dem Kleinen Zuhause, oder mußte sie sofort mit ihm in der Klinik bleiben. Warst Du nach der Geburt zu Hause? Hattest Du Urlaub? Warst Du anschließend mit in der Klinik?? Oder hast Du auch da gearbeitet??
Ich habe das Gefühl, dass Deine Frau sich von Dir im Stich gelassen fühlt, "alleine" gelassen mit der gesamten Verantwortung für Euren Sohn und mit der Angst um seine Gesundheit. Sie hat in dir keinen "Halt" gefunden, und dann bei Ihren Eltern gesucht. Das ist das was ich hinein interpretiere... .
Da Du das alles so mitgemacht hast, und auch ganz gut damit klargekommen bist Deine Verantwortung "loszusein" (nimm es mir nicht krum, das ich das so ausdrücke), scheint sie jetzt zu meinen, dass sie auch gut ohne Dich klarkommen kann. Da sie ihre Sicherheit nur "zuhause" bei Ihren Eltern findet (auch für Ihr Kind). Sie selber ist an der Verantwortung und an der Angst zerbrochen, bzw. ihre Seele ist geflüchtet (genau wie ihr Vater meinte, sie wolle weglaufen, sie hat es in gewisser Weise auch getan).
Wie ist es dann eigentlich dazu gekommen, dass sie in die Psychiatrie kam? Haben ihre Eltern damals das bewerkstelligt?? Du hast nur geschrieben, dass eine Gefahr für das Kindswohl bestand, oder? Oder hab ich das überlesen, sorry.

Ich kann das so gut nachvollziehen... . Aber es ist nur ein Gedanke, warum es vielleicht so gekommen ist. Darf ich dich Fragen, ob Deine Familie näher zu Euch wohnt, als ihre Eltern??

Der Wunsch, deine Frau selber zu ihrer Geschichte zu hören, wird bei mir immer größer. Ich glaube auch bei Dir :? . Ich hoffe das es für Euch nochmal dazu kommt, und das sie vielleicht hier dann auch mal schreibt.

LG Astrid

Joja

Beitrag von Joja » 22:11:2010 17:02

Nach der Entlassung aus der Klinik (nach der Geburt) waren die beiden zwei Tage zuhause, dann wieder eine Woche stationär (Staphylokokken-Infektion am Nabel), dann ein paar Tage zuhause und dann zweieinhalb Wochen Klinik (Hoher Bilirubinwert und Blähbauch).

Ich habe nach der Geburt meinen kompletten Jahresurlaub genommen, war täglich etwa drei Stunden am Vormittag und nachmittags nochmal 2-3 Stunden in der Klinik. Dazwischen war ich zuhause und bin mit dem Hunden Gassi gegangen. Wenn ich in der Klinik war, musste ich sie schon immer runterkühlen, weil sie sich mit fast allen Ärzten und Schwestern angelegt hat.
In der letzten Klinik war ich dann zwar auch täglich, aber nur eine Stunde abends nach der Arbeit, weil ich dann wieder zu den Hunden musste.

A propos Hunde: Einige Monate vor der Geburt wollte sie unbedingt noch einen dritten Hund (sie arbeitet beruflich mit Hunden). Ich hatte damals mehr als einmal gefragt, ob sie sicher ist, dass ihr das nicht zuviel wird. Aber das wollte sie nicht hören und sie selbst hat sich total darauf gefreut, ihren Laden aufzumachen und mit dem Kleinen zuhause zu sein.
Ich gehe fest davon aus, dass der lange Klinikaufenthalt maßgeblich zu ihrer Erkrankung beigetragen hat.

Wie sie in die Psychiatrie kam?
Nachdem sie keinen Kontakt mehr zu mir wünschte, habe ich ihre Eltern bekniet, sie endlich zu einem Fachmann zu bringen. Als ihr Verhalten dann irgendwann auch in den Augen meiner Schwiegerelter zu "strange" wurde, haben sie sie dann überredet bekommen, mit unserem Sohn in eine Mutter-Kind-Station zu gehen, dort wurde ihr der Kleine am zweiten Tag weg genommen. Den Rest kennst Du.

Leider erst vor kurzem habe ich erfahren, dass sie zum Beispiel mal mit dem Kleinen bei meiner Schwiegermutter am Reitstall war, sich über irgendwas geärgert hat. Laut "Was ist hier los" gerufen hat und mit quietschenden Reifen losgefahren ist. Unseren Sohn hatte sie dabei mit dem Tragetuch vor den Bauch gebunden. Auch beim Autofahren. Wie gesagt - das habe ich leider erst sehr spät von meiner Schwiegermutter erfahren.

Ich glaube schon, dass sie sich im Stich gelassen fühlt. Aber ich kann das nicht nachvollziehen. Bis sie sich "getrennt" hat, war ich immer für sie da. Als sie bei ihren Eltern war ("um sich zu erholen" und wegen der Arzttermine mit dem Kleinen)) war ich so oft wie möglich da. Bin freitags morgens um 5:00 Uhr zuhause losgefahren, damit ich um 8:00 Uhr beim Arzttermin mit dem Kleinen dabei sein kann.

Leuchtkäfer

Beitrag von Leuchtkäfer » 23:11:2010 14:36

Hallo Joja,

ich fand Deine Beschreibung, wie Euer Leben mit Kind sein sollte gar nicht so unkonkret. So läuft es doch bei den meisten Familien.
Man geht doch davon aus, daß nach der Geburt alles "normal" läuft, wenn nict, dann überlegt man eben anders.

Du, ich habe echt keinen Rat mehr für Dich. Ich hoffe sehr, daß Deine Frau ihre Medikamente nimmt, damit das Ganze mal einen Ruck in die richtige Richtung macht.

Grüße von Leuchtkäfer

Joja

Beitrag von Joja » 29:11:2010 15:54

Hallo!

Nach langer Zeit mal ein kleines Update:
Am Wochenende habe ich unseren Kleinen besucht. Es war ganz toll. Er ist so goldig.
Bei meiner Frau gibt es nichts neues. Was Gesprächsthemen angeht, ist sie ist immer noch nur auf Unterhalt und Geld fixiert.
Sie hat mir jetzt erzählt, dass sie übernächste Woche einen Termin bei einer Scheidungsanwältin hat. Ich habe inzwischen noch nicht mal mehr dazu eine Meinung. Ich kann es ja eh nicht verhindern.

Morgen habe ich einen Termin bei einem Therapeuten. Ich hoffe, dass er mir Tipps geben kann, wie ich mich richtig verhalte und wie ich selbst damit umgehen soll.

Inzwischen spüre ich in mir eine gewisse Leere. Ich merke, dass ich diese nervliche und körperliche Belastung nicht mehr lange durchhalte.

Viele Grüße!

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