Angst vor Zwangsgedanken

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Graureiherin
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Re: Angst vor Zwangsgedanken

Beitrag von Graureiherin » 10:05:2017 22:00

Hallo Du,

Du fragst in Deinem ersten Beitrag, ob jmd ZGs kennt und bei wem sie alleine wieder verschwunden sind. Ich kenne ZGs leider auch. Allerdings hatte ich schon vor der Geburt mit Zwanggedanken zu kämpfen. Die erste Episode war als ich ca. 18 Jahre alt war, also vor über 20 Jahren. Damals war ich zwar in Therapie, aber Zwänge waren noch nicht so bekannt wie heute und keiner sprach von einer Zwangsstörung.

Im Grunde sind die ZGs damals ohne Medis und mit zeitweiliger Gesprächstherapie nach ca. 5 jahren "verschwunden". Ich war damals froh und glücklich und hoffte, dass diese Gedanken nie mehr wieder kommen würden.

Heute ist mir klar, dass ich damals nie gelernt habe, wie ich MIT diesen Gedanken umzugehen habe damit ich die Angst davor verliere. Ich hatte im Grunde immer Angst, dass "es" wiederkommt... und nach der Geburt kam "es" wieder, genau das was ich nie mehr haben wollte.

Das Umgehen mit den ZGs und der Angst habe ich erst in der Verhaltenstherapie gelernt. Auch das Wissen um die Entstehung, Aufrechterhaltungsmechanismen, Einflussfaktoren, Gehirnvorgänge etc. hat mich viel weiter gebracht. Das ist alles Bestandteil einer guten Therapie.

Meine Geschichte ist natürlich anders als Deine. Vor allem wenn Du keine "psychische" Vorgeschichte hast. Trotzdem ist für mich das Umgehen lernen mit den ZGs der wichtigste Bestandteil auf dem Weg zur Heilung.

Ich halte viel von Homöopathie. Aber zeitgleich ist die grundsätzliche, therapeutische Auseinandersetzung wichtig. Kannst Du denn bei Deiner Thera gut an den ZGs arbeiten?

Ich bin gespannt was Du weiter berichtest.

die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
seit Mai 2016 Escitalopram 10 mg
seit Juni 2017 6 mg Escitalopram
Verhaltens- und Gesprächstherapie

Nessi90
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Re: Angst vor Zwangsgedanken

Beitrag von Nessi90 » 11:05:2017 7:21

Hallo Graureiherin!
Danke für deine Antwort. Also ich hatte in der Pubertät schon einmal kurz damit zu tun, was jedoch von alleine wieder verschwunden ist. Habe damals gedacht dass es ja dann nur an den Hormonen liegen konnte. Ich habe auch jetzt eben diese Hoffnung dass es wieder von selbst verschwindet, wobei ich langsam immer größere zweifel habe dass das wirklich passieren wird :(

Bei mir war es auch ganz schlimm als ich das erste mal wieder die Periode bekommen habe. Als ich dann mit dem Stillen aufgehört habe ging es mir viel besser und ich dachte eben dass es die hormone waren und ich keine Therapie mehr brauche aber vielleicht sollte ich doch wieder zur Therapie gehen.
Ich finde sowas einfach ungerecht. Da will man doch nur die Zeit mit seinem Kind genießen und wird ständig von so schrecklichen Gedanken gequält.
Ganz liebe Grüße

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Marika
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Re: Angst vor Zwangsgedanken

Beitrag von Marika » 11:05:2017 8:23

Hallo Nessie,

für Zwangserkrankungen ist es sehr typisch, dass diese oft schon in der Kindheit bzw. in der Pubertät auftreten, war bei mir auch so. Wenn das so ist, hast du eine Art "Neigung" zu diesem "Leiden". Dieser Umstand ist u.a. ein Indikator dafür, dass es sich nicht um eine reine Wochenbett - Angelegenheit handelt, sondern eben schon viel früher entstanden - aber durch die Geburt wieder aufgebrochen ist. In Studien zeigt sich, dass es in diesen Fällen ohne Medikamente bzw. Therapie sehr schwer wird, dauerhaft Beschwerde frei zu werden.

Ich möchte hier wirklich keine Hoffnungen zerstören und ich halte extrem viel von Alternativen Heilmethoden - ich habe ja selber auf meinem Weg davon profitiert. Allerdings denke ich, dass es wichtig ist auch realistisch an die Sache heran zu gehen. Homöopathie kann sehr viel und ich schließe von vornherein nie etwas komplett aus. Aber wenn du schon in der Jugend ZG hattest, dann wird es wirklich sehr schwer ohne Therapie (und evlt. Medikament) da raus zu kommen. Gerade die Therapie (so wie Graureiherin schreibt) ist der Hauptbestandteil bei Zwängen und ZG. Ich kann dich nur dringend ermuntern, da weiter zu machen. Ob du dann weiter Homöopathisch und/oder schulmedizinisch weitermachst, wirst du sicher herausfinden.

Bitte nicht denken, ich will hier jetzt etwas schlecht reden - mir wäre es viel lieber, ich wäre gesund ohne meine Erhaltungsdosis AD und dafür mit anderen Mitteln - aber das ist bei mir gescheitert. Leider kenne ich einige Fälle bei denen es eben auch so ist. Gerade ZG sind eine extrem harte Nuss, die aber neben der Schulmedizin sehr gut in Zusammenarbeit mit Alternativen Heilverfahren geknackt werden kann. Ich habe sehr von Bachblüten, TCM und Kinesiologie profitiert - neben meiner Therapie und dem AD. Alles zusammen hat mir ein Leben wieder gegeben, dass ich nie für möglich gehalten hätte.

Ich drücke dir die Daumen, dass du DEN Weg findest, der dir hilft!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Nessi90
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Re: Angst vor Zwangsgedanken

Beitrag von Nessi90 » 11:05:2017 9:57

Hallo Marika!
Danke für die Antwort. Ich werde mir wieder einen Termin für eine Therapie ausmachen. Ich hab nämlich echt so große Angst vor der Zukunft und auch dass ich das Ganze nicht mehr in den Griff bekomme.
Ich will einfach wieder normal und glücklich leben können.
Liebe Grüße

engel-07
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Re: Angst vor Zwangsgedanken

Beitrag von engel-07 » 11:05:2017 10:22

Hallo Nessie,

Lass den Kopf nicht hängen! Du schaffst das!!! Auch wenn du schon in der Vergangenheit damit zu tun hattest, heißt das nicht, dass du es nicht wieder los wirst!

Ich stimme Graureiher und Marika zu, dass eine Therapie wichtig ist. Für mich war eben meine Homöopathin auch gleichzeitg meine Therapeutin! Ich habe sie immer anrufen können, wenn es mir schlecht ging und das zu jeder Zeit. Manchmal kam es vor, dass wir 2 Stunden telefoniert haben. Am Anfang habe ich tatsächlich nur bei ihr angerufen um ihr vorzujammern, dass ich doch nur will, dass es vorbei ist......Die Gespräche haben sich im Laufe der Behandlung verändert. Die klassische Homöopathie gibt dir einen eigenen Schlüssel an die Hand und du erkennst auf einmal Dinge die dir vorher einfach nicht bewusst waren. Ich habe angefangen, dass was passiert war "aufzuarbeiten". Aber nicht nur das, sondern auch die Dinge die dazu geführt haben und die in meiner Vergangheit lagen, haben wir aufgearbeitet und damit erreicht, dass ich vollständig geheilt bin!
Es ist für mich immer wieder erstaunlich, welche "Aha-Effekte" die klassische Homöopathie auslösen kann. Durch die Homöopathie kannst du die Dinge "loslassen" und damit belasten sie dich auch nicht mehr. Natürlich braucht es seine Zeit, so wie alles andere auch. Besonders, wenn es schon sehr viel früher aufgetreten ist. Aber es funktioniert! Die klassische Homöopathie ist ein Weg, den dein Homöopath gemeinsam mit dir geht, egal wie langer er dir im Moment erscheinen mag....

Dein Konstitutionsmittel lässt dich Stück für Stück stabil werden, so dass du wieder du selbst wirst. Und die Gespräche geben dir die Möglichkeit über alles zu reden und es somit aufzuarbeiten. Mit wem du diese Gespräche führen willst, Homöopath, Therapeut, vielleicht auch Mann, Mutter oder Freunde, dass musst du für dich selbst entscheiden. Mach es so, dass du dich wohl und aufgehoben fühlst!

Ganz liebe Grüße und Kopf hoch!!

Nessi90
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Re: Angst vor Zwangsgedanken

Beitrag von Nessi90 » 11:05:2017 11:21

Hallo engel!
Ich bin echt so froh dass ich mich in diesem Forum angemeldet habe. Es tut so gut wenn einem immer wieder Mut zugesprochen wird.
Ich habe mir jetzt schon einen Termin bei einer Homöopathin ausgemacht die auch klassische Homöopathie macht. Ich hab da echt ein gutes Gefühl dass sie mir vielleicht helfen kann.
Und mit der Therapie werde ich auf jeden Fall auch wieder beginnen.
Ich bin echt dankbar für eure Tipps und Zusprüche.

Liebe Grüße

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Marika
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Re: Angst vor Zwangsgedanken

Beitrag von Marika » 11:05:2017 11:31

Hallo Nessi,

ich freue mich sehr, bitte halte uns auf dem Laufenden, wie es homöopathisch läuft, das interessiert mich wirklich sehr!!!

Wegen der Therapie wollte ich dir noch mit auf den Weg geben, dass es zwar wichtig ist zu verstehen was in der Vergangenheit dazu geführt hast dass du ZG entwickelt hast - aber mind. genau so wichtig (wenn nicht fast wichtiger) ist dann, dass dein Therapeut dir aktiv zeigt, wie du das zwanghafte Denken VERLERNEN KANNST. Dazu gibt es viele Übungen die aus der kognitiven VERHALTENSTHERAPIE kommen und führen im Gehirn zu Veränderungen in bestimmten Gehirnarealen, die überaktiv arbeiten bei Zwängen. Also ist es wichtig, dass du einen Therapeuten hast, der nicht nur Tiefenpsychologie macht (der schaut woher das kommt), sondern sich auch gut Verhaltenstherapeutisch auskennt.

In wie fern deine Homöopathin das dann kann, wirst du sicher fest stellen.
Liebe Grüße von
Marika

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schwere PPD 2005
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Nessi90
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Re: Angst vor Zwangsgedanken

Beitrag von Nessi90 » 11:05:2017 11:37

Hallo Marika!
Ja ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.
Hab auch schon eine Therapeutin gefunden die Verhaltenstherapie macht, nur habe ich sie leider noch nicht erreicht.
Ich habe mich jetzt längere Zeit davor gewehrt eine Therapie zu machen, weil ich auch etwas Angst davor habe meine Gedanken jemand "Fremden" zu erzählen.
Aber die letzten Tage haben mir wirklich gezeigt dass ich da wohl durch muss damit ich mein Leben wieder genießen kann. Ich will mich einfach nicht mehr von diesen Gedanken hinunterziehen lassen und ich will einfach in der Früh schon mit dem Gefühl aufwachen, dass der Tag gut wird und nicht immer Angst vor den nächsten Gedanken haben die auf mich zukommen werden.
Ich bin froh dass ihr mir meine Augen geöffnet habt.
Liebe Grüße

engel-07
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Re: Angst vor Zwangsgedanken

Beitrag von engel-07 » 11:05:2017 12:08

Hallo Nessi,

Ganz toll von dir, dass du diesen Schritt gemacht hast und dir nun aktiv Hilfe holst!

Es freut mich das du ein gutes Gefühl bei der Homöopathin hast, dass ist sehr wichtig! Ebenso freut mich, dass du eine Therapeutin gefunden hast. Ich wünsche dir, dass du bei ihr ebenso ein gutes Gefühl hast.

Ich kann deine Angst deine Gefühle jemanden Fremdes anzuvertrauen total verstehen! Mir ging es auch so. Die Gesprächstherapeutin bei der ich 1x war, war sehr unsensibel. Ich bin auch kein 2x mal mehr hin. Hab mich total unwohl gefühlt. Es ist aber echt enorm wichtig, dass du dich "geborgen" fühlst! Nur so fällt es dir auch leichter über deine Gefühle zu reden.

Kopf hoch!!! Du bist auf dem richtigen Weg!!!

Liebe Grüße

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Marika
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Re: Angst vor Zwangsgedanken

Beitrag von Marika » 11:05:2017 15:06

Hallo Ness,

hab keine Angst, es ist nicht mal nötig die ZG im Detail zu schildern, ich musste das nie. Ein erfahrener Therapeut weiß, dass der Inhalt der ZG eigentlich unwichtig ist, denn alle Menschen haben Gedanken mit Inhalten wie wir sie zwanghaft haben. Der Inhalt ist nicht das Problem, es ist der Zwang dahinter, der einen krank macht.

Ich drück dir fest die Daumen!
Zuletzt geändert von Marika am 11:05:2017 18:12, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Angst vor Zwangsgedanken

Beitrag von Nessi90 » 11:05:2017 15:21

Hallo Marika!
Das macht mir noch mehr Mut, ich hoffe dass meine Therapeutin das auch so sieht weil mir sowas echt schwerfällt.
Ganz liebe Grüße

plueschi06
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Re: Angst vor Zwangsgedanken

Beitrag von plueschi06 » 11:05:2017 23:08

Huhu

Ich bewundere dich so Marika ;-) so ein guten Therapeut zu finden wie du es hattest ist wirklich schwer ;-(

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Marika
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Re: Angst vor Zwangsgedanken

Beitrag von Marika » 12:05:2017 7:49

Guten Morgen,

ja ich hatte extremes Glück mit meinem Ärzteteam. Angefangen von meinem Hausarzt der sofort erkannt hat was los war und mir meinem Psychiater (der ja auch mein Thera war) vermittelt hat, bis eben zu meinem Therapeuten, der Nachsorgehebamme (die mir Bachblüten nahe gebracht und TCM angewendet hat) und einer Kinesiologin bei der ich 3 Sitzungen war.

Gerade auch mein Hausarzt ist noch ein MENSCH der seine Patienten ebenfalls als solchen sieht und nicht als Nummer. Er kam sogar zu mir nach Hause, hat sich Zeit genommen um mit mir zu reden und hat dann sofort einen Psychiater angerufen. Innerhalb 2 Tage hatte ich den ersten Termin - ich wurde dazwischen geschoben, weil eben beide Mediziner noch Menschen sind. Es gibt sie also tatsächlich noch - die Schulmediziner die herausragende Arbeit leisten und dabei oft mehr als über ihre Grenzen gehen. Ich mache mir sogar manchmal Sorgen über meinen Hausarzt - er ist so beliebt, dass sein Wartezimmer aus allen Nähten platzt, aber nie verliert er die Geduld, hat für jeden persönliche Worte übrig. Und wenn du bei ihm drinnen bist, hast du nie das Gefühl, dass er eigentlich gar keine Zeit hat, weil draußen pumpevoll ist. Er sieht dich als WICHTIG an, in diesem Moment bei ihm drinnen gibt es wirklich nur eine Priorität: man selber und das ist ein wunderbares Gefühl.

Mir war immer wichtig alles genau zu verstehen, mein Psychiater bzw. Therapeut hat mich daher auch immer mit Infos, wissenschaftl. Studien usw. versorgt. Gelesen habe ich auch ganz viel. Mit der Zeit habe ich das so verinnerlicht, dass 1 + 1 plötzlich wirklich 2 ergab, das hat mir geholfen die Zusammenhänge zu erkennen und gesund zu werden.... mit einer Minidosis AD, aber das ändert für mich nichts an der Tatsache! :D In meinem Fall sehe ich es so, dass mir Schulmedizin in Kombi mit Alternativer Medizin von ehemals 3 Medis in Höchstdosis zu nur noch 1 AD in Minidosis verholfen hat. Meine Ärzte sehen das ebenfalls so - beide sind der Alternativ Medizin aufgeschlossen und haben mich immer ermutigt, nebenher alles zu versuchen was mir gut tut. Genauso hat meine Nachsorgehebamme (die in Richtig Alternativ geht) nie das AD schlecht geredet, auch meine Kinesiologin nicht. Ich glaube das wärs: Wenn Schulmediziner und Alternativ Mediziner HAND IN HAND ohne Vorurteile zusammen arbeiten würden, uns Patienten würde ganz viel Leid erspart bleiben.

Und nicht zu vergessen: Das Forum hier!!!! Ich bin jetzt 12 Jahre hier und schreibe und lese und schreibe.... :wink: Das hat mir nach meiner Therapie geholfen weitere Knoten zu lösen. Der Austausch mit den anderen Frauen und deren Erfahrungen haben mich enorm weiter gebracht. Das sieht auch mein Thera so - er sagte immer, dass er es sehr gut findet, dass ich bei Schatten und Licht bin, da niemand so gut verstehen kann als wir Betroffene!
Liebe Grüße von
Marika

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