Immer die gleichen Gedanken...

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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veilchen88

Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von veilchen88 » 30:11:2016 11:47

Ich bin ja schon seit September auf 20 mg Citalopram eingestellt und besuche auch eine Therapie... Meine Angstzustände sind seit dem immer besser geworden aber ich bekomme den Gedanken bald ( heute , Morgen, an Weihnachten... Vor den Geburtstag meiner Tochter usw.) und plötzlich zu Sterben nicht aus dem Kopf... Die Gedanken kreisen noch immer sehr oft um dieses Thema... Auch wenn die Angst die ich dabei empfinde zurück geht... Die Gedanken werde ich nicht los...
Gestern zum Beispiel hat sich bei meinen Auto die Handbremse gelöst und es ist unbeschadet auf einen anderen Parkplatz gerollt... Schon waren meine Gedanken wieder da!! "Das ist jetzt ein Zeichen! So wie das Auto werde auch ich an einen andern Ort gehen... Sprich ich werde sterben"
Wenn ich das jemanden erzähle verdrehen alle die Augen aber für mich ist die Bedrohung real...
Andauernd habe ich den Gedanken das ich bald sterben könnte...
Kennt jemand diese Gedanken? Oder habe nur ich das? Verschwindet das irgendwann ?

lotte
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Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von lotte » 01:12:2016 8:37

Hey Du,

also, einfach so verschwinden werden die Gedanken eher nicht. Ich weiss ja nicht, was Du in der Therapie dazu lernst? Meist haben die Ängste ja ihren Ursprung irgendwo in der Kindheit/Jugend. Eine überängstliche Mutter zb, die sich viel mit dem Thema Sterben beschäftigt hat? Kein Vertrauen ins Leben entwickelt und Dir das dann weitergegeben hat. Das sind alles Dinge, die man in der Therapie bearbeitet, um dann eben mit den Gedanken, wenn sie wieder auftauchen, umgehen zu lernen.

Sicher bist Du nicht alleine damit, aber jeder hat seine eigene Geschichte, warum diese Ängste jetzt überhand nehmen, durch was sie überhaupt ausgelöst wurden. Da müsstest Du mal in der Therapie drauf schauen.

LGL
Ängste soll man nicht verdrängen. Man muß mit ihnen gedanklich so lange Schach spielen, bis man sie mattgesetzt hat.

(Robert Pfützner)

veilchen88

Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von veilchen88 » 01:12:2016 9:17

Danke für deine Antwort.
Ja wir sind in der Therapie dabei den Grund für die Ängste zu suchen... Es dürfte da aber viele Auslöser bei mir geben ...
Und mit jeder Erkentniss wird es auch etwas besser. Nur sobald ich ein bisschen Stress, habe kommen die Gedanken wieder...
Ab und zu kann ich gut damit umgehen und ab und zu nicht...

Graureiherin
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Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von Graureiherin » 01:12:2016 9:56

Hallo Du Liebe,

ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Auseinandersetzung mit sich selber ein längerer Weg ist. Wenn ich Deinen Beitrag richtig lese, bist Du erst seit September in Therapie. Auch wenn Dir das lange vorkommt, es ist ein kurzer Zeitraum. Die Ängste haben sich über einen langen Zeitraum aufgebaut, darum dauert es auch bis Du damit umgehen kannst und manche von den Ängsten aufgelöst hast. Dass die Gedanken immer noch da sind, ist ganz normal. Aber Du kannst jetzt schon besser damit umgehen, als noch vor einem halben Jahr. Darauf solltest den Blick hin verstärken. Es wird immer ein wenig besser.

Alles Liebe Dir

die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
langsame Reduzierung auf 5 mg Escitalopram seit Juli 2017
Verhaltenstherapie beendet seit September 2017

veilchen88

Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von veilchen88 » 01:12:2016 10:01

Viele Dank für deine Antwort. In Therapie bin ich erst seit Oktober. Du hast sicher Recht es wird einfach noch dauern.
Danke für die Antworten jetzt fühle ich mich nicht mehr so alleine mit diesem Problem ☺

Graureiherin
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Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von Graureiherin » 02:12:2016 15:28

Nein, Du bist sicher nicht alleine :wink:
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Marika
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Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von Marika » 06:12:2016 9:23

Hallo meine Liebe,

nein, du bist wirklich nicht alleine mit diesem Gedanken. Ich hatte ihn auch - wenn auch nicht so vordergründig, aber eben auch im Rahmen anderer Zwangsgedanken. Ich glaube, der Zwang spielt da bei dir auch mit, denn wie ich lese kommt der Gedanke, lässt sich nicht unterdrücken, macht Angst und kreist immer wieder. Das ist ein recht typisches Anzeichen, dass es sich um einen Zwanghaften Gedanken handeln könnte.

Sehr gut ist, dass die Angst schon etwas weniger geworden ist, denn das ist die Reihenfolge, in der es besser wird: Zuerst wird die Angst weniger und mit immer weniger Angst, kommen auch solche Gedanken immer weniger oft. Aber das dauert tatsächlich noch - du bist erst seit kurzem in Therapie.

Was du versuchen kannst: Wenn dieser Gedanken kommt, dann ERKENNE ihn ganz aktive als einen UNERWÜNSCHTEN, UNNÜTZEN Gedanken. Sag auch ganz aktiv zu ihm: "Ach du schon wieder, ich kenne dich schon. Du machst mir zwar noch Angst, aber ich weiß dass dein Inhalt völlig unrealistisch ist." Versuch diesen Gedanken auch nicht zu unterdrücken, sondern ihn bewusst WAHR ZU NEHMEN und stell ihn dann bildlich einfach neben dich.Gib ihm die Berechtigung da zu sein, aber du bist die Chefin, die klar weiß, dass es sich hier um reinen Gedankenmüll handelt.

Wenn du in deiner Therapie schaust, woher dieser Gedanke kommt ist das gut, man kann daneben aber auch sehr gute Übungen erlernen, um solche gebetenen Gedanken Schritt für Schritt zu entschärfen und so mit der Zeit ab zu legen. So eine Therapie habe ich gemacht und bin heute völlig Beschwerdefrei! :D Frag einfach mal deinen Therapeuten, ob er so etwas auch in Betracht zieht.

Generell aber ist es so: Es wird nicht von heute auf morgen gehen, du brauchst GEDULD!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
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heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

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Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von Graureiherin » 06:12:2016 17:57

Hallo ihr, Hallo Marika!

eine kurze fachliche Frage: ab wann ist ein Gedanke als zwanghaft zu bezeichnen und nicht aus der Angst heraus geboren?

Ich kann Angstgedanken glaub nicht von Zwangsgedanken unterscheiden. Denkt man bei einer Angststörung nicht auch immer wieder das Gleiche? Gibt es da überhaupt einen wirklichen Unterschied?

liebe Grüße
die Graureiherin
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lotte
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Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von lotte » 06:12:2016 19:29

Gute Frage ;)

Ich hatte zB nie Zwangsgedanken meinen Kindern gegenüber und/oder eine verminderte Gefühlsbindung zu ihnen. Auch früher nicht, in Form von Kontrollieren, ob der Herd aus ist, meine Hände sauber sind usw.

Meine Angst drehte sich vielmehr permanent um mich selbst: was, wenn ICH das alles nicht mehr schaffe, wenn ich ohnmächtig werde, mein Partner mich verlässt etc. So gesehen hätten die Ängste verschiedene Adressaten. Beiden gemeinsam scheint aber ein eher unausgebildetes Urvertrauen, ein tiefer Glaube zu sein, dass man, so wie man ist, liebenswert und toll ist.

Das würde mir jetzt so spontan dazu einfallen ;)

LGL
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(Robert Pfützner)

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Marika
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Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von Marika » 07:12:2016 9:06

Hallo ihr,

also Zwangsgedanken definieren sich wie folgt:
Zwangsgedanken sind immer wieder kehrende Gedanken mit Inhalten die den Betroffenen abstoßen bzw. ängstigen, sie lassen sich nicht verdrängen oder unterdrücken. Versucht man sie dennoch zu unterdrücken werden sie noch stärker.

Ihnen zu Grunde liegt immer eine Grundangst sowie zu wenige Selbstvertrauen. Deshalb wird in der Therapie zuerst die Angst vor den Gedanken weniger, denn dadurch werden sie immer milder - ihnen fehlt so gesehen dann ein wichtiger Faktor zur Entstehung - die Angst. Zwangsgedanken können alles und jeden zum Inhalt haben (also nicht nur die eigenen Kinder).

Zwangsgedanken sind also auch Angstgedanken und Angstgedanken können auch einen zwanghaften Charakter haben. Die Inhalte können bei beiden identisch sein. Sehr oft kommen auch Mischformen vor. Eine klar Grenze kann man also gar nicht ziehen - es verschwimmt da einiges miteinander. Ich hatte beides: klare ZG, aber auch Angstgedanken, die dann zwanghafte Züge annahmen.

Was aber beide gleich haben: Die Angst als einer der Grundfaktoren. Daher auch mein Rat, sich diesem Gedanken bzw. der Angst bewusst zu werden, sie zu erkennen und damit zu lernen, sie von der Realität zu unterscheiden. Sich also wieder in das "Hier und Jetzt" zurück zu holen.

Beide entstehen aus Angst - daher ist die Therapiearbeit sehr ähnlich.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
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Graureiherin
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Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von Graureiherin » 08:12:2016 23:05

Hallo Ihr beiden,

danke für eure Antworten!

liebe Grüße eure Graureiherin
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Asrai

Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von Asrai » 14:12:2016 10:31

Hallo Veilchen,

ich kenne diesen Gedanken, bald zu sterben auch! Bei mir wars ganz schlimm in meiner zweiten Schwangerschaft, da war ich mir zeitweise sicher, dass ich die Geburt nicht überlebe (meine erste Geburt war Horror). Bin ständig zu Ärzten gerannt... Vorher hatte ich auch immer mal Gedanken wie "Wahrscheinlich erlebe ich den 3. Geburtstag meiner Tochter nicht." Rational alles unbegründet, da ich körperlich einigermaßen gesund war/ bin. Sprüche meiner Tochter wie "Wenn ich in die Schule komme, bist Du schon gestorben, Mama." haben es nicht gerade besser gemacht. :? (Sie meinte damit, dass es ja noch eeeewig dauert bis sie in die Schule kommt und ich bis dahin schon ganz alt sein müsste. Und wenn man alt ist dann stirbt man ja irgendwann.)

Jetzt, wo es mir besser geht, kommen diese Gedanken viel seltener und sind weniger intensiv. Wenn sie doch kommen, hilft mir der Gedanke daran, was ich alles schon überlebt habe, obwohl ich mir recht sicher war zu sterben. Dadurch merke ich, dass der Gedanke bald zu sterben keine reale Grundlage hat, weil ich ihn ja schon oft erwiesenermaßen "falsch" gedacht habe und noch lebe. :D Außerdem erinnere ich mich daran, dass ich in anderen Bereichen auch nicht an Vorhersehung glaube und eigentlich überhaupt nicht abergläubisch bin.

Du siehst, Du bist nicht alleine mit solchen Gedanken! Du kannst an der Therapie weiter daran arbeiten, zu erkennen, woher die Gedanken bei Dir kommen und was du konkret machen kannst, wenn sie auftauchen (bei mir hilft auch Ablenkung). Wenn es Dir insgesamt besser geht, werden die Gedanken außerdem insgesamt weniger - so war es bei mir!

Bei mir sind es übrigens Angstgedanken. Mit Zwangsstörungen hatte ich noch nie Probleme.

Ich wünsche Dir alles Gute!

Viele Grüße,
Asrai

veilchen88

Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von veilchen88 » 17:12:2016 23:20

Vielen Vielen Dank für die lieben Antworten. Bin euch sehr Dankbar, dass hat mir sehr geholfen.
Liebe Marika habe deinen Tipp meiner Therapeutin erzählt und wir machen jetzt Übungen in diese Richtung, die mir sehr gut tun.
Danke Asrai das du deine Erfahrungen berichtet hast. Du bist die erste Person die ich kennenlernen durfte, die ähnliche Ängste hat wie ich. Hoffe ich bekomme die Gedanken auch so gut in den Griff wie du...
Danke nochmals für alle Antworten.

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Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von Marika » 18:12:2016 12:54

Hallo du,

ich freue mich sehr, dass wir dir ein bisschen helfen konnten. Das macht dieses Forum so wertvoll - gemeinsam kommen wir immer ein Stückchen weiter. Jetzt musst du versuchen Geduld zu haben und weiter üben - du wirst mit der Zeit den Erfolg bemerken. :D
Liebe Grüße von
Marika

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Valentinaa

Re: Immer die gleichen Gedanken...

Beitrag von Valentinaa » 05:01:2017 0:21

Hallo zusammen,

Meine Gedanken bezüglich Tot/Sterben gehen in eine ähnliche Richtung. Ich denke oft bei meinen Panikattacken daran ob es nicht besser sei wenn mein Kind einfach nichtmehr da ist... Wenn man sich das mal durch den Kopf gehen lässt, kommt man sich selber wirklich psychisch krank vor. Natürlich würde ich so etwas niemals tun, auch wenn ich momentan keine Bindung zu meinem Kind habe.. Es ist trotzdem ein Mensch, der nichts dafür kann.. Aber alleine der Gedanke macht mir irgendwie tierisch große Angst. Gibt es hier jemanden der genauso denkt? Tut wirklich gut hier zu lesen, danke dass es dieses Forum gibt!

Grüße,

Valentina

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