Hab ich eine Chance?

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Kathi1801
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Hab ich eine Chance?

Beitrag von Kathi1801 » 13:12:2016 0:33

Hallo liebe Mitglieder
eigentlich will ich nicht jammern, es geht mir ja schon um einiges besser als vor einigen Monaten, dennoch nicht so gut.
Gefühle sind minimal da immer mal unterschiedliche und nicht so stark aber besser als nichts.
Ich kann den Haushalt erledigen und meine kleine versorgen, ich unternehme relativ viel und bin in einer Spielgruppe.
Das wäre vor ca.4 Monaten nicht möglich gewesen...Als ich in die Klinik kam musste man mich fast zwingen aus dem Bett aufzustehen und mir die Zähne zu putzen oder duschen zu gehen...Ich hatte einfach keine Kraft, ich wollte einfach nur in Ruhe sterben und das Tag für Tag ca 8-9 Monate lang...Ich habe so viel geweint und geflucht war voller Aggressionen und so unglaublich verzweifelt und endlos traurig...
Ich denke mir momentan oft...Ob es jetzt nicht endlich reicht habe ich nicht genug gelitten, warum hab ich so einen langen Weg vor mir.
Was habe ich getan um so bestraft zu werden.
Habe ich überhaupt noch eine Chance gesund zu werden oder ist es einfach unmöglich....
Meine Medikamente nehmen ich noch immer in Höchstdosis und Therapie mach ich so wie ich kann...Meine Therapeutin ist sehr nett dort ist alles gut aber irgendwie bringt mir das nicht wirklich was außer das jemand erahnen kann wie man sich mich Depressionen fühlt.
Naja...Falls soll ich noch tun um irgendwie gesund zu werden?
Mach ich einfach was falsch?
Ich will mich einfach zurück.
Sorry ist doch länger geworden als ich eigentlich wollte.

Liebe Grüße
Kathi
PPD direkt nach der Geburt -> 04.12.15
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Marika
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Re: Hab ich eine Chance?

Beitrag von Marika » 13:12:2016 9:26

Hallo du,

lass dich mal virtuell drücken! Ich glaube wir alle hier sind schon an solchen Punkten gestanden, haben mit dem Schicksal gehadert und kaum noch Geduld aufbringen können. Mir ging das nicht anders. Deine PPD ist vor ziemlich genau einem Jahr ausgebrochen, habe ich gelesen. Dass es dir jetzt innerhalb dieser Zeit doch deutlich besser geht, ist ein klares Zeichen, dass die Richtung stimmt. Ich brauchte 2,5 Jahre, bis ich sagen konnte: jetzt schaffe ich es ohne meinem Therapeuten!!! Damals war mein Weg aber noch nicht beendet, ich bin auch danach immer weiter "gewachsen". Mein AD habe ich 3 Jahre (!!!) in Höchstdosis genommen und erst dann langsam reduziert. Und heute nach 11 Jahren nehme ich immer noch eine kleine Dosis - bin dafür aber stabil und gesund. :D

Die meisten hier müssen viel Geduld aufbringen um Gesund werden. Eine PPD ist leider keine Grippe, die in 2 Wochen ausgestanden ist - hier geht es um unsere Seele die schweren Schaden erlitten hat, das dauert.

Du schreibst, dass du das Gefühl hast, deine Therapie bringt dich nicht weiter. Was machst du für eine Therapieform bzw. wie arbeitet ihr?

Ich habe neben der Medikamentösen Behandlung und der Verhaltenstherapie auch in viele andere Bereiche hineingeschnuppert: TCM, Kinesiologie, Bachblüten. Also auch die Alternativmedizin mit ein bezogen und mir davon das genommen, wo ich das Gefühl hatte, das passt für mich.
Liebe Grüße von
Marika

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schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Sanna
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Re: Hab ich eine Chance?

Beitrag von Sanna » 13:12:2016 10:30

Hey du!

ich bin ja hier eigentlich "nur noch" stille Mitleserin, wollte dir aber trotzdem antworten.

Ich finde deine Fortschritte in dem einen Jahr enorm! Du hast so viel schon erreicht und geschafft, du kannst es nur nicht so annehmen. Wahrscheinlich, weil es noch nicht so ist, wie es vor der Erkrankung mal war. Ich kann dir nur immer wieder versichern, dass es wieder gut wird. Vielleicht wird es sogar besser, das kommt darauf an, wie du in der Therapie voran kommst und dich persönlich durch die Erkrankung weiter entwickelst.

Nochmal zur Erinnerung: Bei mir hat es 1,5 Jahre gedauert bis es besser wurde. Dann nochmal ein Jahr bis ich so stabil war, dass ich auf die Familienhilfe verzichten konnte und alles allein gestemmt habe. Insgesamt hatte ich drei Jahre mit Symptomen zu kämpfen, die natürlich immer weniger und milder wurden. Mittlerweile bin ich über ein Jahr symptomfrei. Wenn ich mir deine Entwicklung so anschaue, sehe ich viele Parallelen. Genau deshalb bin ich zuversichtlich, dass auch du es schaffen wirst.

Ja, du hast eine Chance wieder gesund zu werden. Du wirst wahrscheinlich nicht mehr die Person, die du vor der Erkrankung mal warst. Du wirst mit ihr wachsen und stärker werden. Da bin ich mir sicher.

Fühl dich gedrückt. Liebste Grüße, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei

Kathi1801
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Re: Hab ich eine Chance?

Beitrag von Kathi1801 » 10:01:2017 12:56

Hallo, ich hätte schon länger antworten können, aber wusste nicht was.
Ich habe das Gefühl alles steht still und mein Leben dreht sich nicht weiter.
Ich habe gemerkt das es mir nach der Klinik besser ging...denke ich,aber momentan tut sich bei mir nichts mehr.
Ich bemerke keine Verbesserung meiner Situation oder sonstiges.
Habe langsam das Gefühl die postpartale depression ist chronisch geworden.
Meine Tochter ist 13 Monate...& ich leide noch immer& wer weiß wie lange oder wie lange ich es noch mit machen will.
Es kann mir keiner sagen ob ich jemals gesund werde.
Ich habe den Glauben langsam verloren.
Danke für eure Aufbauenden Worte.
Ich gebe die Hoffnung langsam auf...
So viele Medikamente und Therapeuten und Anstrengungen meinerseits mein Leben "normal" zu führen sprich raus gehen Freunde treffen ins Kino mit den Kindern weg fahren usw...Haushalt Einkaufen...Es bringt irgendwie alles nichts.
Aber das ist kein Leben für mich das will ich nicht.
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Marika
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Re: Hab ich eine Chance?

Beitrag von Marika » 13:01:2017 9:08

Hallo,

ich verstehe dich gut, aber trotzdem: du musst weiter arbeiten und auch weiterhin noch Geduld haben. Du hast dich hier sicher schon durch viele Beiträge gelesen. Nur eine Handvoll Frauen ist da dabei, die "schnell" wieder gesund geworden sind. Diese Erkrankung ist leider kein Schnupfen, sie ist eine riesengroße Herausforderung und oft dauert es recht lange.

Auch wenn deine Tochter schon 13 Monate alt wird: zu diesem Zeitpunkt damals war ich noch weit weg von "gesund", ich war halbwegs stabil. Meine Therapie ging 2,5 Jahre!!!! In all dieser Zeit hatte ich Stillstände und auch Rückschläge - genau wie Sanna auch schon geschrieben hat.

Sprich am besten mal mit deinem Arzt über diesen Stillstand. Und es gibt - wie ich schon geschrieben habe - zusätzlich auch viele gute Ansätze in der Alternativen Medizin.

Nicht die Flinte ins Korn werfen - KÄMPFE - du bist absolut kein ungewöhnlicher "Fall" - sondern hast eher einen typischen Verlauf!
Liebe Grüße von
Marika

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Graureiherin
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Re: Hab ich eine Chance?

Beitrag von Graureiherin » 13:01:2017 21:23

Hallo Du,

ich wollte Dir auch nochmals Mut zusprechen! Ich kann Dich wirklich gut verstehen und man ist mürbe und müde. Aber der gefühlte Stillstand wird nicht für immer andauern. Ich habe erst neulich den Satz gelesen, dass Krankheit immer ein Warum UND ein Wohin hat. Krankheit ist kein Betriebsystem, dass unwiderruflich stillsteht. Krankheit gehört zum Leben dazu und Leben ist Veränderung.

Du hast gar keine andere Wahl, Du wirst weitermachen müssen. Evtl. musst Du in der Therapie nochmals anders ansetzen, überlegen ob die jetzige Therapie so gut für Dich ist oder gibt es in diesem Bereich andere, effektivere, zusätzliche Möglichkeiten. Passt der Therapeut als Mensch zu Dir? Wie steht es mit Deiner Medikation? Gibt es da noch Änderungsmöglichkeiten etc.

Ich kann auch gut Dein Gefühl nachvollziehen, dass Du das jetzige Leben nicht als lebenswert empfindest. Manchmal ist das leider so. Und manchmal dauert dieser Zustand viel länger als uns lieb ist. Aber auch diese Empfindungen gehören als Symptome zu dieser Erkrankung . Es ist eine schwere Phase in Deinem Leben, aber sie wird vorrüber gehen. Bleib dran, lass Dich nicht von diesem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Auswegslosigkeit ausbremsen. Es tut sich immer wieder etwas auf, das dann weiterhilft. Allerdings musst Du immer und immer wieder die Kraft aufbringen dafür etwas zu tun.

mit lieben und mitfühlenden Grüßen an Dich
die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
seit Mai 2016 Escitalopram 10 mg
seit Juni 2017 6 mg Escitalopram
Verhaltens- und Gesprächstherapie

Hollymint
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Re: Hab ich eine Chance?

Beitrag von Hollymint » 15:01:2017 22:50

Hallo,
mir ging es zwar nicht so lange schlecht, allerdings dauerte es auch fast die gesamte Schwangerschaft über, also fast 10 Monate, die ersten Monate waren absolut mies mit Suizidgedanken und allem drum und dran und bis zum Schluss hatte ich keine großartigen positven Gefühle meinem Kind gegenüber, erst als es auf die Welt kam wurde bei mir alles besser, was ich damit sagen möchte ist, dass Hormone sehr viel mitbewirken und steueren, und dazu kommen Botenstoffe, Licht, Wetter, familiäre Umgebung usw. d. h. ein Zustand bleibt nie statisch auch wenn es einem so vorkommt,ich habe lange geglaubt es wird einfach nicht mehr besser, keiner kann mir helfen,.... aber es ist nicht so. Heute geht es mir wieder gut und ich bin sicherlich gestärkter aus dem ganzen hervorgegangen. Meine Therapeutin hat auch gesagt, dass sich Ängste immer wieder verändern, daher auch die auf- und ab und ich konnte gar nicht glauben, dass sie auch wieder so verschwinden können- aber es ist so. Leider dauert es oft laaaange und ist sehr anstrengend, aber es lohnt sich! Schreib dir zusammen, was dir alles gut tut und du magst, das hat mir sehr geholfen.

Alles Gute!

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Marika
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Re: Hab ich eine Chance?

Beitrag von Marika » 16:01:2017 9:09

Mir fällt noch was ein: ein Glückstagebuch führen. Da schreibst du jeden Tag alles rein, was positiv war. Jede kleine Minute die du genossen hast (z.B. eine gute Tasse Kaffee, ein paar Atemzüge an der frischen Luft, ein warmes Bad...) egal was, Hauptsache, du hattest positive Gefühle dabei. Das schärft den Blick auf das, was durchaus schon besser und sogar gut ist in deinem Leben. Es hilft den Fokus zu verschieben: weg vom Negativen - hin zum Positiven. Auch das ist ein Umlernen, ein Umdenken das sich mit der Zeit verselbstständigt. Wenn man in der Lage ist das Positive neben den noch offenen Baustellen zu sehen, gibt das Kraft und Motivation weiter zu machen und du hast wieder mehr Lebensfreude.

Mir hat das sehr geholfen!
Liebe Grüße von
Marika

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Astrid77
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Re: Hab ich eine Chance?

Beitrag von Astrid77 » 16:01:2017 12:11

Hallo!
Mein Kind ist am 5.12. auf die Welt gekommen, aber ein Jahr vor deinem. daher kann ich mich zeitlich gerade ganz gut in dich hinein versetzen. Also als mein Kind ein Jahr alt war, ging es mir auch immer noch nicht gut. Ich dachte, es wird nie wieder gut. Das Jahr hatte sich gezogen wie Kaugummi und ist doch so schnell und ohne Erlebnisse an mir vorbeigegangen damals, und da saß ich dann an Weihnachten und hatte genau dieselben Suizidgedanken wie ein Jahr zuvor. Ich hatte damals die Hoffnung schon längst aufgegeben. Jetzt ist nochmal ein Jahr vergangen, und das Jahr war ebenso ereignislos wie "komplett verschwendet" - aber es geht mir rückblickend viel besser. Ich habe das Wort "stabil" nie auf mich anwenden wollen, aber mittlerweile schon. Ich kann sagen dass Medikamente mir phasenweise geholfen haben, aber schlussendlich war es nur die Zeit. Das und immer wenn ich mir den Terminkalender mit etwas vollschreibe, und seien es nur Arztbesuche - irgendetwas wo ich raus muss und unter Leuten, egal wie enttäuschend das vielleicht dann doch endet, glaube ich dass es zur Heilung beigetragen hat.
Du hast schon viel gekämpft, warst sogar stationär, hast Medikamente ausprobiert, und auch wenn du es vielleicht nicht merkst, ich denke das alles hat dir auch geholfen, denn wir wissen nicht, wie es uns ohne all dies gegangen wäre.
Ich weiß dass ich jetzt mit meiner zeitlichen Erfahrung nicht gerade positive Gefühle auslöse, aber ich will dir damit sagen, dass es auch wenn es vielleicht noch ein Jahr dauert, immer hin wird es ein bisschen besser! Ich war und bin auch eine von denen die irgendwie in der Depression hängengeblieben sind. Ich kann nicht mehr zur Ambulanz für PPD gehen hier in Wien denn meine "kleine" ist nun schon 2 und ich kam mir dort fehl am Platz vor, gesund bin ich aber nicht. Ich gehe nun zu einem "normalen" Psychiater, was für mich ein kleiner Schritt in eine normalere Welt bedeutet hat. Wir machen alle nur Minischritte. ich hatte mich damit abgefunden so lange vor mich hinzuvegetieren, bis ich hoffentlich irgendwie sterben würde, aber das ist jetzt nach zwei Jahren irgendwie vorbei. Bei dir wird es auch besser werden!!!!! LG Astrid
----
1. Kind 1/2013 keine PPD

2. Kind 12/2014 PPD 1 Monat später

Sertralin, Cymbalta, Venlafaxin, Mirtazapin, Lyrica durchprobiert und wieder abgesetzt.
Momentan ohne Medikament - mal mehr und mal weniger stabil.

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