dauerhafte Anspannung und alles scheint eine Gefahr zu sein

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

Moderator: Moderatoren

Antworten
Erbse
Beiträge: 18
Registriert: 21:08:2016 20:33

dauerhafte Anspannung und alles scheint eine Gefahr zu sein

Beitrag von Erbse » 23:03:2017 20:32

Hallo ihr Lieben,
ich habe schon viel in diesem Forum gelesen und es hat mir immer geholfen und mir v.a. gezeigt, dass ich mit meinem "Wahnsinn" nicht allein bin.

Ich habe schon während der Schwangerschaft einmal hier geschrieben und nun ist es höchste Eisenbahn mich darum zu kümmern, dass ich nicht in einer Daueranspannung versinke!! Vielleicht kennt ihr diesen Punkt?!

Ich habe vor nun sieben Tagen ein kerngesundes, fildeles kleines Mädchen zur Welt gebracht und wir sind gerade (mit Papa, der Elternzeit hat) dabei uns aneinander zu gewöhnen.
Nach außen hin klappt alles super, Stillen läuft gut, die kleine nimmt zu und entwickelt sich gut. Erste "Gehversuche" draussen klappen gut und auch mit meinem Partner und der kleinen läuft es prima...

ABER: ich stehe unter Daueranspannung und weiß gar nicht mehr wohin mit mir! Ich habe soviele absurde und "gefährdende" Gedanken. Alles scheint nicht sicher zu sein. Ich habe totale Angst etwas falsch zu machen, die kleine falsch zu halten, dass sie auf einmal nicht mehr atmet, das irgendwelche gegenstände in der Wohnung für sie gehfährlich sind, selbst das offene Fenster scheint eine Gefahr zu sein.

Der Druck ist scheinbar immer da und ich kann natürlich auch kaum neben ihr schlafen, da ich Angst habe selbst einzuschlafen.
Somit habe ich einen riesen Schlafmangel und die Hormone geben auch den Rest dazu.

Seit der Schwangerschaft kenne ich diese gedanken und dachte ich komme ganz gut zurecht, aber nun ist alles wieder viel drastischer geworden und ich habe einfach Angst !!!!!!!!!

Soweit erstmal von mir vielleicht hat eine von euch ähnliche Erfahrungen gemacht.
Ich würde mich über tipps sehr freuen.

Eine VT mache ich schon, aber bin mir nicht sicher ob sie meine sorgen ernst genug nimmt (andererseits hat sie mir auch schon sehr geholfen)

Nun geht es wieder ans stillen, ich freue mich sehr über Rückmeldungen
LG Erbse

Erbse
Beiträge: 18
Registriert: 21:08:2016 20:33

Re: dauerhafte Anspannung und alles scheint eine Gefahr zu sein

Beitrag von Erbse » 24:03:2017 16:28

Da ich gerade mitten in meinen Grübeleien feststecke und nur heulen könnte,
Schreibe ich einfach noch ein wenig, in der Hoffnung es bringt ein wenig Erleichterung.

Kennt das jemand von euch, dass sich der kopf den ganze langenTag um nichts anderes als Angst und diffuseste ideen dreht und immer immer mehr Angst produziert. Ich weiß theoretisch, dass es nur in meinen Kopf ist, aber was machen wenn es gar nicht aufhört und wie schon gesagt einfach alles potentiel gefährlich erscheint.

Da ich es vorher schon hatte, kann es sein, dass es durch die Hormone und den Schlafmangel einfach extrem verstärkt wird. Oder ist meine Hoffnung, dass es mit den Tagen wieder etwas erträglicher wird quatsch?
Meine Verzweiflung ist momentan auf jeden Fall riesig... und ich würde gern mal wieder etwas luft holen!


LG erbse

Benutzeravatar
Marika
power user
Beiträge: 7711
Registriert: 04:06:2005 16:05

Re: dauerhafte Anspannung und alles scheint eine Gefahr zu sein

Beitrag von Marika » 24:03:2017 18:48

Liebe Erbse,

das was du erlebst, kennen ganz viele hier - ich auch kurz nach der Geburt meines Sohnes vor fast 12 Jahren. Die Hormone spielen auf jeden Fall mit - bzw. der Hormonsturz nach der Geburt. Denn mit dem Austritt der Plazenta wird die Produktion sämtlicher Schwangerschaftshormone eingestellt. Da geht es von 100 auf 0. Typisch ist in dieser Zeit der Babyblues, der aber von selber wieder vergeht.

In deinem Fall ist es sicher gut, wenn du dich mit einem Therapeuten mal kurz schließt. Evtl. wäre auch eine Medikamentöse Unterstützung überlegenswert. Das hört man natürlich erst mal gar nicht gerne, war bei mir auch so. Medikamente? Kommt nicht in Frage, war meine Antwort damals. Schlussendlich war ich sehr, sehr froh diese dann als Hilfe nehmen zu können. Ob es wieder von selber besser wird, kann ich dir nicht beantworten. Die Erfahrung sagt allerdings eher "nein" - Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Daher mein Rat: Hol dir ärztlichen Rat!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Erbse
Beiträge: 18
Registriert: 21:08:2016 20:33

Re: dauerhafte Anspannung und alles scheint eine Gefahr zu sein

Beitrag von Erbse » 24:03:2017 20:15

Hallo liebe Marika?
Herzlichen Dank für deine Antwort!
Ich hatte schon im Vorfeld gedacht, wenn es nicht geht, kämen auch Medikamente in frage obwohl ich sonst nicht mal eine Kopfschmerztablette nehme.
Aber nun hat es mich so erwischt, dass ich mich völlig handlunggsunfähig fühle und keine Idee hab wie ich an einen geeigneten Arzt kommen könnte. Ich glaube meine Hausärztin nimmt das Problem ebenfalls nicht ernst.
Kennst du oder jemand anders das auch, dass man nach außen so scheinbar taff wirkt, dass niemand so richtig glauben mag wie grausam sich das innen anfühlt?

Wie gesagt auch meine Therapeutin scheint zu denken. Ich komme dich v.a. eigentlich ganz gut zurecht. .....????

Das was mir zur Zeit am meisten zu schaffen macht ist dieses generalisierte. ... einfach alles scheint gerade gefährlich. Da weiß man gar nicht wie man den Tag überhaupt schaffen soll! !!
Kennst du das auch aus deiner Erfahrung?

Ganz liebe grüße

Benutzeravatar
Marika
power user
Beiträge: 7711
Registriert: 04:06:2005 16:05

Re: dauerhafte Anspannung und alles scheint eine Gefahr zu sein

Beitrag von Marika » 25:03:2017 9:21

Hallo,

ja, ich hatte das Anfang auch so, nur wurde es bei mir dann noch viel schlimmer. Allerdings hatte ich in der Schwangerschaft keinerlei Probleme. Es ist oft so, dass man nach außen anders wahrgenommen wird, als man sich fühlt.

Mach deiner Hausärztin klar, dass es dir schlecht geht und verlange eine Überweisung zu einem Psychiater/Neurologen. Die muss sie dir dann auch ausstellen. Diese Fachärzte können dann abklären, ob eine Medikamentöse Behandlung angezeigt wäre.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Graureiherin
power user
Beiträge: 463
Registriert: 07:01:2015 12:57

Re: dauerhafte Anspannung und alles scheint eine Gefahr zu sein

Beitrag von Graureiherin » 25:03:2017 22:06

Hallo Du,

mir ist noch der Aspekt wichtig, dass Deine Psychologin Dich unbedingt richtig verstehen sollte. Weiß Sie das, was Du uns hier schreibst auch so? Du solltest wirklich Hilfe und Unterstützung zu bekommen. Mach deiner Thera das unmissverständlich klar.

Auch der Rat von Marika mit der Überweisung zum Psychiater/Neurologen ist absolut sinnvoll. Ob es dann mit Medi oder ohne sein sollte, wird sich zeigen. Aber Deine Probleme sollten erst genommen werden. Deine Seele hat bereits während der Schwangerschaft um Hilfe gerufen, die Geburt mit allem was dann dazugehört (Hormone, Schlafmangel, etc.) verstärkt dies noch.

liebe Grüße
die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
seit Mai 2016 Escitalopram 10 mg
seit Juni 2017 6 mg Escitalopram
Verhaltens- und Gesprächstherapie

Erbse
Beiträge: 18
Registriert: 21:08:2016 20:33

Re: dauerhafte Anspannung und alles scheint eine Gefahr zu sein

Beitrag von Erbse » 26:03:2017 9:50

Hallo
Vielen dank für eure Antworten.
Momentan weiß ich nicht wie ich das mit neugeborenen und Arztbesucheb hinkriegen soll, aber der Besuch bei meiner Therapeutin hat mit Hilfe meines Partners ganz gut geklappt. Den nehme ich auch nächste Woche wieder wahr.
Sie weiß schon auch detailliert worum es bei mir geht und hat mir auch schon gut die Ansätze zu ZGs erklärt, aber weiter geht es irgendwie nicht.
Sie gibt mir oft die selben Tips umd die sind nicht schlecht. Aber mir fehlt die kraft zum üben.
Jemand neues suchen kann ich mir gerade nicht vorstellen.
Der Alltag ist gerade so unglaublich schwer und ich fühle mich so dauerbelastet.....
Pfffffff.....
Die Gedanken nehmen einfach alles am Platz ein was gerade vorhanden ist. ....
Lg

Benutzeravatar
Marika
power user
Beiträge: 7711
Registriert: 04:06:2005 16:05

Re: dauerhafte Anspannung und alles scheint eine Gefahr zu sein

Beitrag von Marika » 26:03:2017 10:32

Hey du,

das kann ich mir vorstellen, dass im Moment alles zu viel und zu schwer ist - auch das Üben. Gerade das ist aber unumgänglich.

Du trittst im Moment nicht nur auf der Stelle, sondern es geht dir schlechter. Daher muss etwas passieren, besonders auch ENTLASTUNG für dich mit dem Baby. Ich möchte dich auch noch einmal darin bestärken, deiner Psychologin genau so wie du es hier tust, zu schildern wir es dir geht. In deinem Zustand wäre es auf jeden Fall angezeigt, wenn du mit einem Psychiater/Neurologen Kontakt aufnimmst. Deine Therapeutin sollte dir dabei ebenfalls helfen können.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Erbse
Beiträge: 18
Registriert: 21:08:2016 20:33

Re: dauerhafte Anspannung und alles scheint eine Gefahr zu sein

Beitrag von Erbse » 26:03:2017 22:51

Hallo Marika
Vielen Dank
Irgendwie hatte ich gerade schon geschrieben und es hat wohl mit dem senden nicht geklappt. Und alles War wieder weg. ;-(

Heute der Tag War schon etwas besser, da ich versucht habe mir etwas Zeit für mich zu nehmen und auch mit einer Bekannten habe ich gut sprechen können. Sie hat ähnliches erlebt.

Gleichzeitig versuche ich dass was ich schon mit der Therapeutin erarbeitet habe etwas umzusetzen. Mal schauen ob mir das auch morgen ein wenig gelingt. Ich glaube es hilft, dass
ich schon in der Ss meine phasen hatte, aber
Rdas ist es echt mit das schwierigste, was ich
bisher in meinem Leben erlebt habe.


Geht euch das auch so? Und es ist so verrückt, was die Gedanken mit einem machen ohne dass man darauf scheinbar Einfluss hat (zumindest phasenweise)

plueschi06
Beiträge: 66
Registriert: 14:03:2017 12:03

Re: dauerhafte Anspannung und alles scheint eine Gefahr zu sein

Beitrag von plueschi06 » 02:04:2017 19:14

Hallo Erbse

Ich kenne das auch,nur das ich aggressive ZG habe. Diese daueranspannung ist echt schlimm,selbst wenn man sich ablenkt.
Darf ich fragen,was du für Übungen machen sollst?
Manchmal gibt ein Medikament auch das leben zurück. Bis dahin ist noch ein weiter weg bei mir.
Mit der Psychologin sollte man schon klar kommen.ich hab auch grad mit meiner Psychologin ein Problem, da sie sich nicht mit Zwangsgedanken auskennt.das merkt man sehr.

LG mandy

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast