Mamis, die schon länger 'krank' sind

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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kadisha
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Mamis, die schon länger 'krank' sind

Beitrag von kadisha » 10:04:2017 21:09

Hallo ihr lieben,

einige von euch kennen mich sicher noch, auch wenn ich nicht mehr so aktiv hier bin.
Ich nehme ja nun schon seit 2009 Cipralex.
Es ging mir zwischendurch sehr gut, mittlerweile habe ich zu oft und zu lange schlechte Phasen.
Ist das bei euch auch so? Wirkt das AD eventuell nicht mehr oder woran kann es liegen?
Habe Angst, dass es wieder schlecht wird. Meine Schilddrüse und auch alle anderen Nebenbaustellen sind vollkommen ok.

Vielleicht könnt ihr ja bisschen erzählen wie das bei euch is.
Liebe Grüße!!!!

PPD seit März 2009
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lotte
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Re: Mamis, die schon länger 'krank' sind

Beitrag von lotte » 11:04:2017 9:10

Hey Du,

Du hast jetzt "nur" die körperlichen Baustellen angesprochen, aber wie sieht es denn im emotionalen Bereich bei Dir aus? Ich meine, bist Du glücklich und zufrieden, fühlst Du Dich wohl, machst Du genügend Dinge für Dich selbst, auch mal ohne Kinder? Wie ist deine Beziehung zu Deinem Mann?

Ob ein AD irgendwann nicht mehr wirkt, weiss ich nicht. Lese nur, dass Du ja eine Minidosis nimmst. Das soll nun kein Appell sein, um zu erhöhen, daher auch meine ganzen Fragen oben. Es liegt nicht nur am Körper, dass es einem gut geht.

Wenn Du Angst hast, dass es wieder bergab geht, scheinst Du die Ursachen für Deine schlechten Phasen nicht zu kennen? Woran könnte es denn sonst noch liegen, wenn nicht an SD & Co? Was hast Du denn gemacht, als es Dir sehr gut ging? Das wäre mal die umgekehrte Frage ;)

LGL
Ängste soll man nicht verdrängen. Man muß mit ihnen gedanklich so lange Schach spielen, bis man sie mattgesetzt hat.

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Filomena
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Re: Mamis, die schon länger 'krank' sind

Beitrag von Filomena » 11:04:2017 9:25

Hallo Kadisha,

ich nehme auch schon seit 2009 Cipralex bzw. Escitalopram - mit Unterbrechungen - und kann nur sagen, dass mir das Medikament zwar hilft, emotional stabiler zu sein, aber ein alleiniger Schutz vor einer depressiven Phase ist es bei mir nicht.
Es ist ein ständiges Auf und Ab, mal mehr, mal weniger schlimm.
Hast du denn schon rausgefunden, was dir hilft, wenn es dir schlecht geht?
Zeit für dich, Sport, soziale Kontakte, PT?
Bei mir ist es so, dass ich auch auf solche Faktoren achten muss, um stabil zu bleiben.

Wünsch dir viel Kraft und Geduld!

Liebe Grüsse
You can't stop the wave but you can learn how to ride it.

lotte
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Re: Mamis, die schon länger 'krank' sind

Beitrag von lotte » 11:04:2017 19:16

Ich noch mal ;)

Bei niemandem, den ich persönlich kenne oder von dem ich gelesen habe, ist ein AD das ALLEINIGE Mittel, um langfristig stabil und zufrieden zu sein/werden/bleiben.

Wenn es sich nicht um eine rein organische Störung (meist nach der Geburt, hormonell z.B. auch durch Abstillpräparate) handelt, sind die Auslöser und Ursachen meist seelischer Natur. Das merkt man doch schon an den Gedanken selbst: welches Organ könnte denn dafür verantwortlich sein, dass man Angst hat? Selbst, wenn die Schilddrüse nicht richtig eingestellt ist, kann das zwar ähnliche Symptome hervorrufen, aber eine Fehlfunktion lässt uns ja nicht diese Gedanken denken.

Hashimoto wird immer ganz "gerne genommen" als mögliche Ursache. Oder die lieben Hormone. PMS. Eisen- und Vitaminmangel. Ich will nicht sagen, dass diese Dinge unwichtig wären, aber wenn Ängste zb allein durch die Einnahme diverser Mittel verschwinden würden, warum gibt es dann so viele, die trotz etlicher Arztbesuche und Kontrollen nicht dauerhaft einigermassen zufrieden und angstfrei leben können?

LGL
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Re: Mamis, die schon länger 'krank' sind

Beitrag von Filomena » 13:04:2017 21:52

Liebe Lotte,

Ich stimme dir zu: es sind verschiedene Faktoren, die zu den Krisen führen und genauso braucht es oft Behandlung mehrerer "Baustellen".
Der Mensch denkt gerne anders, nämlich nach dem UrSache behandeln-Problem gelöst Prinzip. Es ist ja auch möglich, z.B. starke Schmerzen beim Wasserlassen - Blasenentzündung- eine Woche Antibiotika- gesund.
Schön, wenn es so einfach läuft.

Aber wenn Hormone im Körper und Botenstoffe im Gehirn fehlen, wir unter Stress stehen, destruktive Denkmuster und womöglich mangelnde soziale Unterstützung haben und dazu noch Mutter sind, hilft es langfristig nicht, an nur einem Rädchen zu schrauben...
Ich erlebe auch immer häufiger dass junge Mamas viel zu viel alleine sind und alleine stemmen müssen. Charakteristisch für unsere individualisierte Gesellschaft.

Umso besser, dass heute der Austausch in sozialen Netzwerken möglich ist! Mamas brauchen Unterstützung, und ich finde vieles hier sehr aufbauend und hilfreich!

Liebe Grüße
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Marika
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Re: Mamis, die schon länger 'krank' sind

Beitrag von Marika » 14:04:2017 9:21

Hallo,

ich finde den Ansatz von Lotte - schauen was war in den guten Zeiten anders als jetzt - genial. Am besten vielleicht auch schriftlich festhalten um zu analysieren. So könntest du u.U. Knackpunkte finden.

Mir fällt auch immer wieder auf, dass Frauen deren Schilddrüse Probleme macht, schwerer stabil bleiben, als andere. Ausnahmen gibt's natürlich schon wie z.B. du Lotte, aber mir fällt das schon länger auf.

Und Kadisha: Frag dich mal ganz ehrlich ob du therapeutisch genug gemacht hast! Denn wie meine Vorschreiberinnen schon sagten: AD alleine ist halt nur die halbe Miete, es gehört viel, viel mehr dazu!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

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Re: Mamis, die schon länger 'krank' sind

Beitrag von lotte » 14:04:2017 10:43

Ich noch mal wegen der SD:

sicher habe ich durch mein Hashimoto auch schlechte Phasen, bei Schüben zb. Da bin ich dann auch ängstlicher, zittriger, schlecht drauf. Weil wir nun diese Symptome als Ängstler sehr gut kennen, neigen wir leider dazu, die beiden Krankheiten miteinander zu vermischen.
So ähnlich ist das auch mit PMS. Da fragen dann auch viele: geht es jetzt wieder alles von vorne los, weil ich mich schlecht fühle vor der Periode?

Und da zeigt sich meiner Meinung nach der Erfolg oder auch Misserfolg einer Therapie: hab ich da gelernt, das einigermassen zu trennen, körperlich und seelisch? Und was mache ich dann, wenn ich herausfinde, es geht mir jetzt zwar schlechter, weil ich dies und das organisch habe? Wie bewerte ich das und ordne es in meinen Gesamtzustand ein? Muss ich da jedesmal wieder die Grundsatzfrage stellen oder kenne ich mich dank Therapie und Eigenarbeit so gut, dass ich weiss WAS ist WAS?

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Re: Mamis, die schon länger 'krank' sind

Beitrag von Filomena » 20:04:2017 11:54

Liebe Kadisha,

wie geht es dir denn mittlerweile?

Hoffe du fühlst dich nicht überrannt durch unsere Geschichten und Kommentare..? :wink:

LG
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Re: Mamis, die schon länger 'krank' sind

Beitrag von kadisha » 20:04:2017 22:21

Hallo ihr lieben!
Vielen Dank für eure Antworten.
Also was in den guten Phasen anders war kann ich gar nicht sagen. Habe da gar keinen großen Unterschied bemerkt.
Ich denke, dass es bei mir wirklich hormonell ist. Das soll jetzt keine Ausrede sein ;) ist aber leider wirklich so.
Ich muss auch Marika recht geben. Frauen, die auch noch Hashimoto etc haben, werden schwerer stabil.

Mir geht es besser. Gottseidank. Es hat sich nichts geändert in meinem Umfeld, dass es mir besser geht. Es ist wirklich immer ein Auf und Ab ohne, dass es eine Ursache gibt.

Übrigens bin ich schwanger, weiß nicht ob ich es euch schon mitgeteilt habe :)
Liebe Grüße!!!!

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Re: Mamis, die schon länger 'krank' sind

Beitrag von Filomena » 25:04:2017 9:43

Na, das sind ja mal Neuigkeiten! :-)
Wie weit bist du? Das wievielte Kind?

Gleichzeitig zu aller Vorfreude würde ich dir raten, gut auf dich aufzupassen. Ich hatte damals dummerweise während der 2. SS das Escitalopram abgesetzt und mich hat es trotz Sertralin direkt nach der Geburt wieder "voll erwischt". Bei anderen habe ich jetzt mitbekommen, dass es besser war, das AD durchzunehmen - die Babys hatten keine Probleme.
Also, ich will dir keine Angst machen!!
Aber bleib im Kontakt mit deinen Ärzten und schaut gemeinsam, wie es für dich am besten ist!

Liebe Grüsse
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Re: Mamis, die schon länger 'krank' sind

Beitrag von kadisha » 25:06:2017 22:03

Hallo meine lieben,

ich bin jetzt in der 23 Woche.
Und es ist das dritte Kind :-)

Keine Angst, mein AD werde ich auch in der Schwangerschaft durchnehmen. Habe es auch so in der zweiten Schwangerschaft gemacht.
Wie gesagt, nehme es seit der PPD damals mit dem ersten durchgehend. Hatte mehrfach versucht es abzusetzen aber ohne Erfolg.
Und in der Schwangerschaft werde ich ein Absetzen erst recht nicht versuchen, hier ist mir das Risiko viel zu hoch in der Schwangerschaft auch noch mit dem Mist klar zu kommen.
Hoffe ich bleibe weiterhin stabil und auch nach der Schwangerschaft stabil.
LG
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