keine Besserung nach Geburt

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Malena

keine Besserung nach Geburt

Beitrag von Malena » 29:06:2017 15:12

hallo ihr Lieben,

ich hatte vor ein, zwei Wochen schon mal hier geschrieben. Inzwischen wurde meine 2. Tochter geboren (heute 8 Tage alt) und die Depression ist leider nicht verschwunden. Genaugenommen hätte mein Körper jetzt ja noch 6 Tage Zeit, man sagt ja, die Heultage könnten gut 2 Wochen dauern, das halte ich aber für sehr unwahrscheinlich. Mir geht's richtig dreckig. Mich plagen nicht nur völlig irrationale Ängste, sondern auch eine tiefe Traurigkeit. Ich wollte die Zeit mit Baby dieses Mal genießen (und eigentlich ist ja auch alles okay) und nun stehe ich mir selbst im Weg. Ich kann gegen dieses Gefühl nichts tun. Es ist einfach da und ich habe das Gefühl die Zeit rast und ich vergeude sie. Ich habe meine beiden Mädchen so lieb, warum kann ich den Kopf nicht ausschalten?

Ich hatte gehofft nach der Schwangerschaft vielleicht ein Ad nehmen zu können und trotzdem weiter zu stillen aber meine Tochter ist vom Gewicht her einfach ab der 34. Woche nicht mehr weiter gewachsen und kam so nun mit nur 2,3 Kg zur Welt. Es geht ihr gut, sie trinkt fein und nimmt auch zu aber meine Gynäkologin sagte, dass ich so auf keinen Fall etwas nehmen und weiterstillen könnte. Ich will aber auch nicht abstillen, weil mir die Bindung wichtig ist. ich habe Angst ich könnte dieses Gefühl durch abstillen auch noch verlieren und dann total abdriften.

Anvertrauen kann ich mich auch keinem. Mir fehlen die Worte. ich kann es einfach nicht ausdrücken und ändern würde es ja auch nichts. Mein Mann hat nun noch eine Woche Urlaub, dann muss er zurück zur Arbeit. Wie soll das bloß alles werden...

Nickolakala
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Re: keine Besserung nach Geburt

Beitrag von Nickolakala » 29:06:2017 17:38

Liebe Malena,

ich verstehe Dich sehr gut. Mir war stillen auch sehr wichtig. Ich habe auch nach ein paar Wochen abgestillt, weil ich mit einem AD beginnen wollte.
ABER: in allererster Linie solltest Du jetzt auf DICH gucken. DIR muss es gut gehen ! Das ist das allerallerwichtigste.

Deshalb mein Rat: lass Dir so schnell es geht helfen, mit einem AD und mit einer Therapie.
Die Bindung zu Deiner Tochter hängt nicht vom Stillen ab. Wirklich nicht.

Alles Gute
Nicole

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Marika
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Re: keine Besserung nach Geburt

Beitrag von Marika » 30:06:2017 8:14

Hallo,

ich kann dich auch sehr gut verstehen. Als ich damals abstillen musste (ich nahm 3 Medis und da ging stillen nicht), war ich auch traurig. Aber ich habe es nicht bereut - die Bindung zu meinem Kind hat nicht gelitten, sie ist innig und tief, dass manche in meinem Umfeld immer mal witzeln, dass unsere Nabelschnur wohl nie durchtrennt wurde. :wink:

Aber Spaß beiseite - dir geht es schlecht und daher wollen wir hier alles tun, damit es dir ein Stückchen besser geht. Als erstes: den Kopf kann man NICHT ausschalten, eine Erkrankung kann man nicht mit "positiv denken" heilen. Besonders eine psych. Erkrankung hat rein gar nichts mit diesem Klischee zu tun. Eine AD Einnahme mit Therapie kann dir helfen. Du solltest auch bedenken, dass dein Körper jetzt im Moment unter enormen Stress steht und er produziert daher massenhaft Stresshormone. Diese gehen auch in die Muttermilch über und dein Baby bekommt sie ab. Man weiß heute, dass diese Frühkindliche Berührung mit Stresshormonen der Mutter später ein Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen darstellen und auch ein Faktor für Psych. Probleme sein kann. Dass soll dir keine Angst machen oder dich zum Abstillen bewegen, aber ich denke du solltest alle Fakten kennen.

Das Stillen hat mit der Bindung in meinen Augen nichts zu tun, jedenfalls war es bei mir so. Ich finde es sehr wichtig, dass der Mama - also DIR - jetzt gut bzw. besser geht. Dann kannst du dich auch wieder am Leben und deinem Kind freuen. Ich persönlich würde auf jeden Fall wieder das Abstillen zugunsten der Medikamente wählen.

Ich hoffe es geht dir bald besser und du findest eine gute Entscheidung.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Malena

Re: keine Besserung nach Geburt

Beitrag von Malena » 30:06:2017 9:39

Hallo,

vielen Dank für eure Antworten. Ich glaube, da liegt bei mir auch so ein Hund begraben: ich bin mir nicht wichtig genug. Bei meiner Tochter habe ich trotz chronischer Migräne und Depression einfach weitergestillt - bis sie sich quasi selbst abgestillt hatte, obwohl ich auch bei einer Psychiaterin war, die mir Sertralin aufgeschrieben hatte. Die Packung liegt bis heute unberührt im Medizinschrank. Ich konnte mich nicht dazu durchringen. Wir hatten die ersten 3 Monate ums Stillen gekämpft mit Zufüttern und Abpumpen und ich fand das Fläschchenmachen gerade in der Nacht sehr anstrengend. Das ist auch das, was mir aktuell beim Abstillen ziemlich Sorge bereiten würde. Ich denke, ich wäre überfordert mit dem Fläschchen.

Nächste Woche habe ich einen Termin bei meiner Psychologin (war 8 Wochen Pause, weil sie in ein anderes Center gewechselt ist). Sie macht Verhaltenstherapie und ich hoffe, dass wir noch einiges bei mir therapieren können (Waschzwang, Ängste) . Sie hatte mir vorher schon geraten auch einen Psychiater zu suchen und genau das werde ich nächste Woche mal machen. Der wird mir am ehesten sagen könne, ob nicht vielleicht doch ein stillverträgliches AD in Frage kommt. Ich hatte mich in der SS bei Embryotox informiert, es gibt wohl einige, die nur in sehr geringem Maße in die Mumi übergehen. Vielleicht wäre das ja eine Option, wenn die Maus in einem Monat gewichtstechnisch aufgeholt hat. Schon alleine auch wegen der Migräne, die leider auch schon wieder zurückgekommen ist und mich zusätzlich fertig macht.

Ich bin froh, dass ich hier ein offenes Ohr gefunden habe. Mit meinem Mann oder Freundinnen kann ich oft nur rückwirkend sprechen, wenn es mir gerade mal besser geht und ich klarer bin. Stecke ich mitten drin kommt mir das Reden sinnlos und überflüssig vor.

Nickolakala
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Re: keine Besserung nach Geburt

Beitrag von Nickolakala » 30:06:2017 11:23

Hallo,
wegen Deiner Migräne: versuchs mal mit Magnesium. Hochdosiert (bis zur Durchfallgrenze) , d.h. mind. 600 mg abends. Und Du kannst Dir abends eine heisse 7 aus Schüsslersalz Nr. 7 machen. 10 Tabletten in heissem Wasser auflösen und abends trinken. Hilft zur Beruhigung.

Alles Gute
N.

Mattea
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Registriert: 23:08:2017 20:02

Re: keine Besserung nach Geburt

Beitrag von Mattea » 19:09:2017 13:17

Hallo Malena,

dein Beitrag ist zwar schon etwas älter, aber mich würde interessieren, wie es dir mittlerweile geht? Ich erwarte in sechs Wochen mein Kind und hänge noch in einer Depression mit Zwangsgedanken. Zwar habe ich nach der Geburt Hilfe, aber ich habe große Angst, dass es wie bei dir nicht besser wird. Ich entbinde zwar an einer Uniklinik mit psychosomatischer Gyn., aber trotzdem wächst die Angst mit jedem Tag, an dem es mir nicht besser geht,obwohl ich schon Medikamente nehme.
Ich würde mich über eine Antwort von dir freuen.
LG Mattea
Depression und Zwangsgedanken seit 16 Ssw, 1. Kind
10 Wochen stationär, jetzt Tagesklinik
Kaum Besserung :(
Citalopram 20mg
400 mg Quentiapin
2x0,5 Risperidon
3x1mg Tavor

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