An die Zwänglerinnen: hilfreichende/stärkende Sätze die Mut machen sollen

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Regenbogen
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An die Zwänglerinnen: hilfreichende/stärkende Sätze die Mut machen sollen

Beitrag von Regenbogen » 12:08:2017 13:57

Hallo liebe Mitleidenden,

ich habe euch hier einige, wie ich finde hilfreiche und stärkende Sätze, bzw. Absätze aus dem Buch „Frei werden von Zwangsgedanken“ von Hansruedi Ambühl zusammengetragen.
Es soll Euch (und auch mir:-)) in dunklen Augenblicken, wenn das Zwangsmonster zuschlagen will, Mut machen und vor Augen führen, dass wir eine Zwangsstörung haben und sonst nichts!

„Von der Angst, andere Menschen zu verletzen, geht in der Regel keinerlei Gefahr aus, eben weil Sie sich davor ängstigen. Wer das glaubt, unterliegt der falschen Annahme, zu allem was er denkt, auch fähig zu sein. „

„Wenn Sie lernen, dass auch Zwangsgedanken nur Gedanken sind, und anders mit ihnen umgehen, werden Sie erleben, dass diese Gedanken an Macht und Bedrohung verlieren und zunehmend seltener auftreten.“

„Fast alle Menschen haben gelegentlich aufdringliche, unerwünschte Gedanken. Ob daraus Zwangsgedanken werden, hängt davon ab, wie Sie ihren Inhalt und ihr Auftreten bewerten. Wenn Sie unter Zwangsgedanken leiden, unterlaufen Ihnen bei der Bewertung verschiedene Denkfehler: Sie neigen dazu, die Bedeutung solcher Gedanken und auch die katastrophalen Folgen eines möglichen Fehlers sowie Ihre persönliche Verantwortung dafür zu überschätzen. Deshalb können Sie selbst kleine Unsicherheiten nicht ertragen und müssen mit Zwangsritualen reagieren.“

"Distanzieren Sie sich von Ihren Zwangsgedanken.
Sich von Zwangsgedanken zu distanzieren heißt zunächst, zu akzeptieren, dass Zwangsgedanken nichts weiter als Gedanken sind, deren Auftreten Sie nicht steuern oder kontrollieren können. Die Tatsache, dass Sie darunter leiden, ist ein Indiz dafür, dass es sich um quälende Gedanken handelt – und nichts weiter. Die Gedanken sind weder ein Hinweis auf ein in Ihnen schlummerndes aggressives Monster noch ein Indiz für real drohendes Unheil. Wenn es sich um Zwangsimpulse handelt, schämen Sie sich vermutlich und fühlen sich schuldig. Dies ist in aller Regel nicht der Fall bei Menschen, die solche Taten begehen. "

"Zwangsgedanken identifizieren
Der erste Schritt besteht darin, dass Sie immer wieder auftretende ungewollte Gedanken als Zwangsgedanken zu identifizieren lernen und daraus den richtigen Schluss ziehen. Dies hat der Verhaltenstherapeut und Zwangsexperte Nicolas Hoffmann wie folgt auf den Punkt gebracht: „Der Gedanke, der soeben aufgetaucht ist, ist ein Zwangsgedanke. Er ist lediglich ein Anzeichen dafür, dass ich noch an einer Zwangsstörung leide; er ist kein Indiz dafür, dass ich selbst in irgendeiner Weise gefährdet bin oder andere gefährden könnte. Es gibt also nichts, was ich dagegen unternehmen müsste. „ Sobald ein Zwangsgedanke auftritt, zeigen Sie im Geist mit dem Finger auf ihn und sagen: “Du hast mich nicht erwischt, denn ich habe dich als Zwangsgedanken erkannt“.
Hilfreich ist auch der folgende Satz, der Sie daran erinnert, dass das Auftreten solcher Gedanken normal ist: „Jeder Mensch hat manchmal unsinnige Gedanken. Solche Gedanken haben keinerlei Bedeutung. Deshalb brauche ich mir ihretwegen auch keine Vorwürfe zu machen. Ich lasse sie einfach an mir vorbeiziehen, so wie das andere Leute tun, die keine Zwangsstörung haben.“

"Das Problem neu benennen
Wenn Sie Zwangsgedanken als automatische fehlerhafte Gedanken, die ihren Ursprung in einer Stoffwechselstörung des Gehirns haben, umbenennen, können Sie sich von diesen Gedanken besser distanzieren und ihnen Ihre eigenen Bedürfnisse entgegensetzen.
Sie können auch mit dem Bild des Zwangs als Ihrem Gegner arbeiten, indem Sie sich ihn als Person vorstellen, die neben Ihnen steht oder Ihnen im Nacken sitzt und Ihnen ständig sagt, was Sie zu tun haben. Diese Person meint es nicht gut mit Ihnen, sondern legt es darauf an, Macht über Sie auszuüben, Sie unter Druck zu setzen und zu zwingen, Dinge zu tun, die Ihnen bisher unnötig erschienen sind. Wenn Sie den Zwang als personifizierten Gegner betrachten wird es Ihnen gelingen, sich besser gegen ihn zu wehren."

"Zwangsgedanken vorbeiziehen lassen
Die negative Bewertung der Zwangsgedanken treibt Sie dazu, mit allen Mitteln dagegen anzukämpfen. Sie beißen sich an diesen Gedanken buchstäblich fest und haben so keine Möglichkeit, sie an sich vorbeiziehen zu lassen. Zur Überwindung Ihrer quälenden Gedanken müssen Sie Ihre Herangehensweise grundsätzlich verändern. Anstatt die Gedanken zu vertreiben zu wollen, können Sie die Rolle eines Beobachters einnehmen und aus der Distanz festhalten, welche und wie viele Aufdringliche negative Gedanken auftreten. Führen Sie sich dazu das folgende Bild vor Augen:

Vergleichen Sie Ihre Zwangsgedanken mit Lastwagen, die auf einer stark befahrenen Straße vorüberfahren. Wie haben Sie sich bisher verhalten, wenn ein Lastwagen auftauchte? Sie sind auf die Straße gesprungen, haben versucht, den Lastwagen zu stoppen und sind dabei von ihm überrollt worden.
Nehmen Sie nun einen Campingstuhl, setzen Sie sich mit dem Schreibblock und Bleistift an den Straßenrand. Führen Sie nun eine Verkehrszählung durch. Sobald ein Lastwagen vorbeifährt, registrieren Sie ihn, halten in auf der Strichliste fest und lassen ihn vorbeiziehen. Am Abend zählen Sie, wie viele Lastwagen heute die Strecke passiert haben."


"Verändern Sie die Bedeutung von Zwangsgedanken
Wie Sie bereits gelernt haben, werden Zwangsgedanken durch problematische Grundeinstellungen und Fehler in der Bewertung am Leben erhalten. Insbesondere spielen dabei Aspekte der Informationsverarbeitung eine zentrale Rolle: Wie nehmen Sie Informationen auf und wie verarbeiten Sie sie? Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie daraus?
Fassen wir nochmal die wichtigsten problematischen Einstellungen und typischen Denkfehler von Menschen mit Zwangsgedanken zusammen. Sie neigen dazu,

• bestimmten Gedanken zu viel Bedeutung beizumessen
• Zu meinen, Sie müssten ihre Gedanken vollständig kontrollieren können
• Die Gefährlichkeit von Situationen zu überschätzen
• Nach vollkommener Sicherheit zu streben und Unsicherheit kaum ertragen zu können
• Immer alles perfekt machen zu wollen, um nicht von anderen kritisiert zu werden
• Sich für alles verantwortlich zu fühlen, und Sie glauben, verhindern zu können, das schlimme Dinge passieren"

"Wenn Sie an Zwangsgedanken leiden, bewerten Sie Ihre aufdringlichen Gedanken als bedeutsam und bedrohlich, was entsprechend negative Gefühle auslöst. Somit ist der eigentliche Grund dafür, dass Sie negative Gefühle wie Angst, Scham, Ekel und Anspannung erleben, Ihre Bewertung und die Bedeutung, die Sie den aufdringlichen Gedanken beimessen. …
Die konsequenteste Form, die Bedeutung von Zwangsgedanken zu verringern, besteht darin, sie als das zu betrachten und zu behandeln, was sie sind: gedankliche „Störenfriede“, die es gilt zu identifizieren, zu registrieren und an sich vorbeiziehen zu lassen, ohne auf ihren Inhalt zu reagieren."
März 14: Geburt Kind
Mai 14: PPD mit Angst- und Zwangsstörung
Jan 15 - März 16: Therapie (keine VT leider)
Okt 15 - Feb 16 : Opipramol 100
Nov 15 - April 17 : Escitalopram 10 (Jan 16 - Aug 17 beschwerdefrei)

August 17 : Rückfall
Januar 18: Beginn Verhaltenstherapie

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Marika
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Re: An die Zwänglerinnen: hilfreichende/stärkende Sätze die Mut machen sollen

Beitrag von Marika » 14:08:2017 15:34

Vielen Dank für dein Mühe. Ich glaube das wird vielen hier helfen. Dieses Buch muss ich mir aus Interesse unbedingt bestellen. Habe schon öfter gelesen, dass es sehr gut sein soll. :D
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Regenbogen
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Re: An die Zwänglerinnen: hilfreichende/stärkende Sätze die Mut machen sollen

Beitrag von Regenbogen » 14:08:2017 18:30

Sehr sehr gerne, ich hoffe es hilft und wünsche allen, denen es gerade nicht gutgeht bessere Zeiten. Ich habe mir das Ganze ausgedruckt und es hat auch geholfen, nur manchmal ist der Kobold leider lauter. Noch... denke bzw. hoffe ich.
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Re: An die Zwänglerinnen: hilfreichende/stärkende Sätze die Mut machen sollen

Beitrag von Graureiherin » 15:08:2017 16:30

Hallo Du,

ja, das Buch ist super. Durch Herrn Ambühl kam ich auch auf die MBSR Mediation.

Danke "Regenbogenfrau" für die vielen klugen, aufgeschriebenen Sätze aus dem Buch . Es ist gut diese immer wieder vor Augen zu haben und zu lesen.

und Dir noch einen schönen, sonnigen Urlaub Marika!

liebe Grüße von der Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
langsame Reduzierung auf 5 mg Escitalopram seit Juli 2017
Verhaltenstherapie beendet seit September 2017

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Re: An die Zwänglerinnen: hilfreichende/stärkende Sätze die Mut machen sollen

Beitrag von Marika » 16:08:2017 13:54

Vielen Dank - aber ab Morgen ist der Urlaub leider vorbei... 8)
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
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Re: An die Zwänglerinnen: hilfreichende/stärkende Sätze die Mut machen sollen

Beitrag von Regenbogen » 25:08:2017 14:20

Bitte Graureiherin, Regenbogenfrau - das gefällt mir.
März 14: Geburt Kind
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Okt 15 - Feb 16 : Opipramol 100
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Re: An die Zwänglerinnen: hilfreichende/stärkende Sätze die Mut machen sollen

Beitrag von lenismama » 28:08:2017 20:04

Bielen Dank dass du dir die Mühe gemacht hast. ich werde mir die sätze auch noch einmal für meinen kalender ausdrucken.

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