Riesige Angst vor der Zukunft

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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emliy10
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Re: Riesige Angst vor der Zukunft

Beitrag von emliy10 » 15:12:2017 11:17

Ich habe gerade bei embryotox angerufen und die Frau hat mich sehr nett beraten. Sie meinte das man Seroquel ausschleichen muss und während der Schwangerschaft sollte man es sowieso nicht absetzen weil man da empfindlich ist. Sie hat mir dringend geraten Seroquel wieder anzusetzen.

Ich bin so froh das mir jemand zwecks Medikamente mal richtig weiterhelfen konnte.
1. Kind geboren 06.2015 --> PPD mit Ängsten
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Astrid
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Re: Riesige Angst vor der Zukunft

Beitrag von Astrid » 15:12:2017 14:36

Hallo Du,

was hat Deine behandelnde Ärztin denn dazu gesagt, dass es dir nach dem Absetzen von Seroquel so schlecht geht? Ah, habe gerade deine Nachricht von Embryotox gelesen. Gott sei Dank! Habe mir fast schon so etwas gedacht! Das abrupte Absetzen kam mir auch komisch vor. Dann kannst du ja jetzt mit deinem Arzt die nächsten Schritte angehen. Drücke dir die Daumen.

LG Astrid
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
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emliy10
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Re: Riesige Angst vor der Zukunft

Beitrag von emliy10 » 18:12:2017 10:36

Hallo ihr Lieben, ich glaube langsam fängt das Seroquel an zu wirken. Sonst war früh immer Ausnahmezustand aber jetzt wird es langsam besser. Abends geht's mir richtig gut als wie wenn nie was gewesen wäre. Trotzdem habe ich Angst dass die Medikamente meine Angst komplett unterdrücken und ich in der Therapie nicht richtig an mir arbeiten kann. Die richtige Therapie beginnt leider erst im April. Überbrückend bin ich einmal im Monat bei meiner Psychologin im Gespräch. Wer von euch nimmt schon über Jahre Antidepressiva? Ich hatte am Wochenende ein Gespräch mit meinem Mann und er wäre auch einverstanden wenn ich meine Medikamente ein Leben lang nehmen würde. Nur trotz alledem habe ich Angst vor Langzeitschäden.

Ich bin unheimlich dankbar dass es euch gibt.
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Astrid
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Re: Riesige Angst vor der Zukunft

Beitrag von Astrid » 18:12:2017 12:38

Hallo Du,

ich habe meine ADs ca. 3-4 Jahre lang genommen. Ich habe keine Schäden dadurch bekommen. Der Hausarzt überwachte in der Zeit alle relevanten Blutwerte (Leber, Niere, etc.). Ich hätte meine Medis auch ein Leben lang genommen, um nicht wieder in dieses Loch zu fallen, und ich bin mir sicher., dass ich ohne mein AD nicht überlebt hätte. Ich war schon zu weit unten. Mein Leben wäre mir so nicht lebenswert erschienen. Ich denke, du solltest dir Zeit geben. Das Medikament hilft dir deine körpereigenen Glückshormone wieder zu nutzen. Es macht nicht selber glücklich. Dein Körper wird das wahrscheinlich irgendwann wieder von alleine regulieren können, dann kannst du dein AD langsam ausschleichen. Aber Menschen, die Insulin oder andere lebenswichtige Medikamente nehmen müssen, denken vermutlich auch nicht über Langzeitschäden nach. Ein Schritt nach dem anderen... . Ich freue mich, dass es dir besser geht.

Liebe Grüße Astrid
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emliy10
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Re: Riesige Angst vor der Zukunft

Beitrag von emliy10 » 18:12:2017 18:46

Hallo, manchmal denke ich auch warum ich überhaupt noch lebe. Aber das ist zum Glück wirklich nur manchmal ,wenn ich wieder in so einem großen Tief drin stecke. Ich ärgere mich wirklich sehr darüber, dass ich vor zwei Jahren keine Therapie gemacht habe, nach der Mutter Kind Klinik. . Vielleicht wäre ich jetzt nicht an diesen Punkt.
Was mir auch noch große Sorgen macht, ist die Zeit nach der Geburt von dem Baby. Ich habe Angst, dass ich dann komplett abrutsche mit zwei Kindern und dass ich auch wieder keine Gefühle entwickeln kann.
Gedanken, die mir immer noch sehr große Angst bereiten.

Danke liebe Astrid für deine Worte.
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Marika
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Re: Riesige Angst vor der Zukunft

Beitrag von Marika » 19:12:2017 9:43

Hallo,

ich nehme eine kleine Dosis AD immer noch - insgesamt sind es schon 12 Jahre. Mein Arzt sagt, dass ich mit dieser Dosis 100 werden kann.... und keine Schäden zu erwarten sind. :wink: Schön, dass "dein Mann einverstanden ist" :wink: , aber ganz ehrlich ich sage es jetzt frech: Es kommt nicht auf sein Einverständnis an, sondern was du tun kannst,um eine hervorragende Lebensqualität zu haben.

Es ist auch irgendwie schräg: geht es um AD´s geistern ständig Ängste über Langzeitschäden, Suchfaktor usw. herum. Das ist schon o.k., denn informieren muss man sich ja. Aber: Mio. Frauen nehmen täglich die Antibabypille, es wird geraucht, gegessen wird auch oft schlecht - Übergewicht ist mittlerweile eine Volkskrankheit. Da spricht aber kaum jemand über "Langzeitschäden, Sucht usw."... Das alles ist "normal" in unserer Gesellschaft, aber AD´s haben immer noch einen schlechten Ruf. Ich finde das falsch, denn sie können Leben retten und die Gesundheit wieder herstellen. Ich glaube, darüber lohnt es sich, mal nach zu denken.
Liebe Grüße von
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emliy10
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Re: Riesige Angst vor der Zukunft

Beitrag von emliy10 » 19:12:2017 21:44

Marika, du hast Recht. Es kommt wirklich nicht drauf an ob mein Mann einverstanden ist. Danke für die Denkhilfe. 😊
Früh ist bei mir immer noch Ausnahmezustand, deswegen bin ich vorübergehend zu meinen Eltern gezogen, da mein Mann leider nur am Wochenende da ist. Früh habe ich jetzt oft Suizidgedanken. Das hatte ich bis jetzt noch nie in diesem Ausmaß. Aber keine Sorgen, ich tue mir nichts. Meine Eltern fangen mich da gut auf.
Heute hatte ich auch Termin beim FA, dem Baby geht es gut.
Astrid, welche Medis hast du wegen deiner Angst bekommen? War die Angst bei dir auch das Hauptsymptom?

Astrid
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Re: Riesige Angst vor der Zukunft

Beitrag von Astrid » 21:12:2017 16:07

Hallo Du,

ich musste erst nochmal überlegen, aber ich meine, dass mein eines AD auf jeden Fall auch eine angstlösende Wirkung hatte. Ich habe damals Trimipramin und Imipramin in Kombination bekommen. Das Imipramin hat bei mir die Angst bekämpft. Ich brauchte auch dringend etwas, was mich schlafen ließ. Ich kam nicht mehr zur Ruhe. Leider hat es sehr lange gedauert, bis die richtige Kombi bei mir gefunden war. Die gängigsten Neuen Medikamente haben damals bei mir nicht geholfen. Aber es gibt so viele Möglichkeiten. Schön, dass Du zu deinen Eltern bist. Nimm alle Hilfe an! Gut gemacht! Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute

Astrid
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Re: Riesige Angst vor der Zukunft

Beitrag von Marika » 22:12:2017 9:04

Hallo,

du hast zwar Astrid gefragt, aber ich möchte dir gerne auch noch sagen, welche Kombi an Medis mir geholfen hat.

Meine Hauptsymptome waren Zwangsgedanken und ganz stark Angst/Panik. Schlafen konnte ich auch nicht mehr. Ich bekam Cipralex (das wirkt Angstlösend und daher auch positiv auf Zwangsgedanken), zum Schlafen Mirtazapin (hat bei mir sehr gut gewirkt) und einige Wochen noch Tavor um die schlimmste Zeit bis das Cipralex wirkt, zu überbrücken.

Ich hatte das unglaubliche Glück, dass bei mir gleich dieser "Mix" der richtige war. Alle 3 waren Anfangs in Höchstdosis, Cipralex sogar noch darüber hinaus. Heute ist nur noch Cipralex in Minidosis geblieben! :D
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Riesige Angst vor der Zukunft

Beitrag von emliy10 » 30:12:2017 11:52

Hallo, ich wollte mich auch mal wieder melden, Ich hoffe ihr hattet eine schöne Weihnachtszeit.
Mir geht es momentan mal mehr und mal weniger gut. Ich habe seit Weihnachten eine fiese Lungenentzündung und deswegen fühle ich mich immer sehr schwach. Dadurch ich Antibiotika nehmen muss, habe ich das Gefühl dass meine Medikamente nicht mehr richtig greifen. Mein Mann nimmt mir zum Glück viele Aufgaben ab. Ich habe jetzt trotzdem schon Angst vor nächste Woche weil mein Mann dann nicht mehr da ist.
Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht wie ich das alles schaffen soll, wenn das Baby dann da ist.. das macht mir zurzeit große Sorgen.

Lg Melanie
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Astrid
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Re: Riesige Angst vor der Zukunft

Beitrag von Astrid » 04:01:2018 18:03

Erst einmal ein gutes neues Jahr für Dich und deine Familie!!
Ich hoffe es geht dir schon besser, und das Antibiotika greift. Wann kommt eigentlich das Baby? Du hast nach der Entbindung immer noch viele verschiedene Optionen. Eventuell gehst du in eine Klinik, bis du gut eingestellt bist, und die Kinder alleine versorgen kannst. Sorge für aureichend Hilfe nach der Geburt. Du kannst jetzt schon Leute ansprechen (Familie, Freunde, Nachbarn...). Familienhebammen haben auch noch gute Kontaktadressen, wenn es um Hilfen nach der Geburt geht. Du kannst auch Kontakt mit deiner Krankenkasse aufnehmen, und dich informieren. Dein Mann könnte bei seiner Arbeit ansprechen, dass er eventuell in Erziehungsurlaub gehen möchte... . Mir hat es vor meiner zweiten Entbidung enorm geholfen, ein Sicherheitsnetz gesponnen zu haben, für den Fall der Fälle... . Und vielleicht hast du genau so ein Glück wie ich, und nach der Geburt geht alles gut. Ich denke an Dich.

Liebe Grüße Astrid
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Re: Riesige Angst vor der Zukunft

Beitrag von emliy10 » 10:01:2018 13:04

Hallo Astrid, Entbindungstermin habe ich am 1.06. So richtig freuen kann ich mich leider noch nicht auf das Baby weil meine Ängste noch zu groß sind aber das kann sich ja noch ändern. Ich habe die schlimme Anfangszeit die ich mit meiner kleinen hatte noch nicht verarbeitet.
Danke für den Tipp mit dem Sicherheitsnetz.
Ich werde mich morgen gleich kümmern und ein paar Anlaufstellen suchen. Ich habe das Glück dass meine Eltern rund um die Uhr für mich da sein können und sie wohnen auch nur ein paar Schritte von mir entfernt.
Mein Mann wollte auch eventuell einen Monat Elternzeit beantragen nach der Entbindung.
Das würde mir bestimmt auch schon sehr weiterhelfen weil irgendwie habe ich Angst vor so kleinen Babys.
Aber woher die Angst vor Babys genau kommt konnte ich leider noch nicht herausfinde.

Mir ist aufgefallen dass irgendetwas in mir schlummert was unbedingt entdeckt werden möchte, das ist ein ganz komisches Gefühl. Wie als ob irgendwas unbedingt raus möchte aber noch nicht raus kann. Kennst du das?

Liebe Grüße, Melanie
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Astrid
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Re: Riesige Angst vor der Zukunft

Beitrag von Astrid » 11:01:2018 15:27

Hallo Melanie,

mich hat, glaube ich, die Verantwortung für ein anderes Leben geängstigt. Die Zerbrechlichkeit und Hilflosigkeit von Babys... . Das man nicht mit ihnen "Sprechen" kann, sie nicht versteht. Ich glaube aber, dass das vielen Mamas so geht. Und beim zweiten Kind ist die Angst auch nicht mehr so groß, da das andere Kind ja mich schon "überlebt" hat :-) . Woher diese Angst kommt weiss ich nicht. Vielleicht bei mir durch ein mangeldes Vertrauen in das Leben, das Urvertrauen, dass schon alles gut sein wird, oder wieder werden wird. Ich möchte immer gerne alles beeinflussen können, bin eher ein Macher gewesen, als ein Abwarter... . Und bei Kindern kommt man einfach oft an seine Grenzen. Du kannst nicht beeinflussen, wann das Baby schläft, wann es schreit, wann es krank wird, wann es gesund wird. Damit musste ich erst klar kommen. Und Kinder sind auch später nicht unbedingt durch Logik zu überzeugen oder auch zu verstehen. Aber es wird anders, man wird mutiger und lockerer. Mit jeder positiven Erfahrung wird es besser. Und meine zweite Schwangerschaft und Babyzeit hat mir da sehr geholfen. Ich hätte das nach meiner ersten Geburt niemals gedacht.

Liebe Grüße Astrid
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