entlassen aus der tagesklinik

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katl0607
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entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von katl0607 » 16:11:2015 8:08

Hallo!

Heute ist mein 3. Tag zu hause. Ich war 7 wochen jeden tag in der tagesklinik von 8:30 bis 16:00.
Mir geht es um einiges besser. Ich traue mich wieder alleine Autofahren, alleine zu hause bleiben und auch alleine mit unsrer tochter bleiben. Das ging vor ein paar wochen gar nicht mehr.
Doch leider ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich geradezu darauf warte, dass ich wieder angst bekomme...
Und dann wundere ich mich das dieses Gefühl nicht hochkommt. Das macht aber wiederum ein unwirkliches gefühl in mir... weiss nicht ob ich das so richtig beschrieben habe und ihr verstehen könnt was ich meine. Auf alle fälle möchte ich euch damit fragen, ob das noch weg geht? Oder wie ich damit umgehen kann...
Habe übermorgen meinen ersten termin bei meiner gesprächstherapeutin. Ihr werde ich das natürlich auch sagen.

Gruss an euch
1. Kind geboren 7/14
Ab der Geburt schleichend Ängste und Panikattacken.
September 2015 psychosomatische Tagesklinik für 7 wochen
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lotte
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Re: entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von lotte » 16:11:2015 12:33

Hey Du,

das ist ganz normal. Du hast jetzt quasi Angst vor der Angst, dass sie zurückkommt. Und horchst damit vermehrt in Dich hinein, ob noch alles okay ist. Darfst auch nicht vergessen, dass Du ja ganz frisch erst aus der Klinik zurück bist und Dich auch erstmal wieder zu Hause einfinden musst.

Versuche Dich abzulenken und zu entspannen. Damit setzt Du der Angst was entgegen. Mache viele schöne Sachen. Sprich mit Dir selbst und sage Dir, okay, ich kenne Dich, du doofe Angst, weiss jetzt aber auch, wie ich mit Dir umgehen soll.

Halte Dir auch vor Augen, WAS Du alles geschafft hast (alleine bleiben etc). Wenn Du das verinnerlichen und Dich selbst dafür loben kannst, ist das auch gut für Dein Ego. Und wenn Du mit Dir zufrieden bist, hat die Angst (oder der Gedanke daran) nicht mehr so eine grosse Angriffsfläche.

LGL
Ängste soll man nicht verdrängen. Man muß mit ihnen gedanklich so lange Schach spielen, bis man sie mattgesetzt hat.

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katl0607
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Re: entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von katl0607 » 17:11:2015 9:20

Ja, genau die angst vor der angst ist schon noch da. Auch wenn das gefühl der angst schon nachgelassen hat und nur noch leicht immer wieder zu spüren ist.
Morgen habe ich den ersten Psychotherapietermin bei meiner ambulanten therapeutin. Bin gespannt was sie sagt. Die ursache für meine angst konnte ich in der klinik nicht definieren. Ein Thema aus meiner Kindheit kam zwar sehr stark in mir hoch... das werde ich auch morgen natürlich ansprechen. Mal schauen, ob das mein Schlüssel zum Erfolg ist?!
Warum überkam mich diese angst? Und warum machte sie mich krank?
Ich will sie nicht mehr haben. ...
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Sanna
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Re: entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von Sanna » 17:11:2015 12:39

Weißt du, es dauert auch nach der Klinik nochmal ein bisschen bis man wieder richtig zuhause und im Alltag angekommen ist. Das können auch Wochen sein, in denen man sich immer noch unsicher fühlt. Die Angst vor der Angst wird vielleicht auch noch ein bisschen bleiben. Bei mir ist es so, dass sie immer weniger wird, je länger ich stabil bin. Ist ja auch logisch.

Gib dir noch Zeit. Das wird schon wieder.

LG, Sanna
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Marika
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Re: entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von Marika » 18:11:2015 8:34

Hallo,

das kenne ich natürlich auch noch von früher. Dieses Gefühl geht aber wirklich mit der Zeit weg, leider nicht von heute auf morgen, aber es wird!!!

So wie Lotte sagt: Setz der Angst aktiv etwas entgegen. Entspannungsübungen, in die Natur gehen, Treffen mit anderen Mamas - das waren so meine Säulen die mich in dieser Zeit getragen haben. Versuch das Gefühl an zu nehmen und daneben aber für DICH SCHÖNES zu machen!
Liebe Grüße von
Marika

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katl0607
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wieder starke angst

Beitrag von katl0607 » 20:11:2015 21:33

Hallo!

Hatte heute nacht schon nicht gut geschlafen. Hatte gestern abend meine tropfen vergessen zu nehmen. Ich wurde mehrmals wegen angst wach.
Heute vormittag hatte ich auch immer mal wieder ängste. Und heute nachmittag wurde es richtig schlimm. Ich hatte auf dem weg zum einkaufen eine angstattacke nach der andren. Sodassich meinem mann sagte, dass ich jetzt unmöglich zum einkaufen gehen kann. Am liebsten wäre mir gewesen, dass er mich in eine klinik bringt.
Auf alle fälle half dann doch der gute und auch strenge Zuspruch meines mannes und ich konnte mich beruhigen und auch einkaufen gehen.
Aber natürlich habe ich angst, dass diese angst wieder kommt. .. ich weiss ich schreibe immer dasselbe.. aber diese scheisd angst schränkt mich so tierisch in meinem alltag ein.
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lotte
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Re: entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von lotte » 20:11:2015 21:45

Hey Du,

so blöd sich das anhört, aber dass nach so kurzer Zeit, die Du aus der Klinik draussen bist, mal eine Attacke auftritt, ist "normal". Gerade, wenn Du auch nicht gut geschlafen hast und schon mit Angst aufgewacht bist.

Versuche, in so Momenten Deiner Angst was entgegenzusetzen. Schaue Dir Deine Umwelt genau an, lass Dich nicht von dem Strudel einfangen. Und wenn Du doch schon drin bist, das geht wieder vorbei, weisste ja.
Wenn Du Dich dagegen stemmst, kostet das nur Kraft. Lass es zu, dass Du Angst hast, sag Dir in Gedanken so was wie: ich kenne Dich, Du gehst auch wieder."

Und besprich das immer wieder in Deiner Therapie. Frag mal nach Tipps und Tricks, um mit der Angst vor der Angst besser klarzukommen. Das dauert alles eine Weile. Und schön, dass Dich Dein Freund da unterstützt hat und Du wieder ruhiger wurdest. Das wird wieder, aber es verläuft leider in Wellen, gute und schlechte Tage wechseln sich ab.

LGL
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Re: entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von Marika » 21:11:2015 10:57

Hallo,

vergiss nicht, dass du jetzt erst die "ersten Gehversuche" alleine ohne Tagesklinik machst. Das ist wie plötzlich ohne Stützräder Fahrradfahren - da wackelt man noch eine Zeit lang, fällt vielleicht auch nochmal hin. Das ist normal. Ich denke wenn du das weißt, kannst du dich besser drauf einstellen, wenn mal ein Tag nicht so gut ist. Man kann nicht erwarten, dass nach 7 Wochen dann daheim alles reibungslos läuft. Du brauchst immer noch viel Ruhe, Unterstützung und liebevolle Zuwendung!

Geh achtsam und liebevoll mit dir um. Vielleicht helfen dir Entspannungsübungen! Auf jeden Fall: mit Vollgas wieder in den Alltag einsteigen und perfekt funktionieren - das ist nicht, das wird definitiv nicht klappen! Geh es langsam an und vergiss deine Medikamente nicht!
Liebe Grüße von
Marika

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Re: entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von katl0607 » 21:11:2015 19:02

Hey danke für euren guten zuspruch. Ihr seit mir echt immer wieder eine hilfe. Es gibt mir mut, wenn ich immer wieder eure posts lese. Ich weiss dass ich mich immer wieder gegen meine ängste wehre und damit die ängste verschlimmere... sobald ich angst in mir spüre, habe ich sofort angst vor einem Rückschlag. Ich sags euch... :-(
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Re: entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von lotte » 21:11:2015 19:51

Versuche mal, das Wort "Rückschlag" zu vermeiden. Das klingt immer so, als würde man ewig weit zurückgeworfen, ein herber Schlag sozusagen. So ist das aber nicht. Bei Angststörungen zählen kleinste Schritte und Erfolge. Dass man eben nicht wieder von vorne beginnt, nur weil es mal schlechter läuft ;)

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Re: entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von katl0607 » 22:11:2015 18:37

Echt? Bei angststörungen zählen kleinste schritte?
Und ich meine immer, es könnte schneller gehen..
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Re: entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von lotte » 22:11:2015 19:25

Na klar möchte man, dass "es" schnell weg geht. Damit setzt man sich aber auch schnell unter Druck.
Wenn es dann nämlich mal an einem Tag nicht so gut klappt, ist man verzweifelt.

Daher auch die kleinsten Schritte als Erfolge anerkennen, das meine ich damit ;)

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Re: entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von Sanna » 23:11:2015 10:39

Eine meiner Mitpatientinnen hat immer Beppo, den Straßenkehrer aus Momo zitiert:

"Besenstrich für Besenstrich. So wird die Straße sauber."

Und es stimmt. Einen Schritt vor den anderen machen. Manchmal musst du dich auch in Minischrittchen an der Wand entlang hangeln, und das machst du so lange bis du am Ziel bist. Anders geht's nicht. Jeden Schritt zurück gnädig übersehen und jeden kleinen Schritt nach vorn GANZ groß machen.

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Re: entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von katl0607 » 24:11:2015 8:56

War gestern bei meiner Neurologin. Die Medikamente wurden nochmal etwas erhöht und angepasst. Zur ambulanten therapeutin gehe ich weiterhin. Meine eltern wissen von meinen ängsten. Ihnen habe ich es lange aus scham nicht erzählt. Sie sind dann für mich da, wenn mein mann in der Arbeit ist. Ich kann sie tag und nacht erreichen. Sie wohnen nicht weit weg. Ich traue es mir fast nicht laut sagen, aber alle weichen sind gestellt um gesund zu werden.
Heute werde ich zum ersten mal mit unsrer kleinen zur mutter-kind - Gruppe gehen. Das wollte ich vor Monaten schon, aber die angst war stärker und ich ging nicht hin.
Ich werde euch berichten wie es uns erging.

Wünsche euch nen schön tag
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Re: entlassen aus der tagesklinik

Beitrag von lotte » 24:11:2015 12:07

Na, das klingt doch toll ;)

Das mit dem Verschweigen den eigenen Eltern gegenüber kenne ich noch gut von damals. Vor allem, weil mein Vater so gar nix mit Angstkrankheiten am Hut hat, und das obwohl meine Mum selbst Attacken hatte. Aber ich dann auch noch, nee, das war zuviel für ihn ;(

Gut, wenn Du da jetzt die Sicherheit hast, es ist jemand für Dich da. Wirst sehen, iwann brauchste das dann gar nicht mehr ;)

Weiter so und LG
Lotte
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