Bericht Traumatherapie

Austausch von Erfahrungen mit Therapieformen, Infos, Tipps

Moderator: Moderatoren

Antworten
Kika30

Bericht Traumatherapie

Beitrag von Kika30 » 04:02:2016 16:17

Hallo ihr lieben,

wie einige hier wissen, war ich jetzt für vier Wochen auf einer Traumaspezialstation.

Eines kann ich schon sagen, hätte ich diese Klinik schon vor fünf Jahren besucht wäre mir viel Leid erspart geblieben.

Meine Emotionen kommen meist plötzlich und sehr intensiv, sodass ich mich von Ihnen überrollt fühle und ich Handlungsunfähig bin. Jetzt habe ich Werkzeug an der Hand mit dem ich sie regulieren kann. Außerdem habe ich erfahren dass ich meine Emotionen falsch deute bzw, ich wenige Formen von Emotionen kenne. Ich dachte ich bin Wütend und Zornig, dabei war es Neid und Eifersucht. Ich habe hierzu ein tolles Buch kennengelernt. Der Gefühls- und Bedürfnisnavigator.
Auch mit meinen Flashbacks und Dissoziation kann ich besser umgehen.
Außerdem habe ich die Körper und Tanztherapie für mich entdeckt.

Wir haben auch angefangen ein Medikament zu reduzieren. Seitdem spüre ich mich auch wieder besser. ( Aber bitte jetzt nicht eigenmächtig reduzieren) Medikamente sind sehr unterstützend und ich nehme trotzallem noch eine ganze Litanei.

In einem Jahr werde ich dann zur Traumakonfrontation zurückkehren.

Schön, wieder bei euch zu sein.
Eure Kika

Graureiherin
power user
Beiträge: 471
Registriert: 07:01:2015 12:57

Re: Bericht Traumatherapie

Beitrag von Graureiherin » 04:02:2016 22:31

Hallo Du,

es ist schön zu hören, dass es Dir in der Klinik gut ergangen ist!

Du schreibst Du hast nun Handwerkszeug an der Hand, um mit Gefühlen die dich überrollen umzugehen bzw. diese zu regulieren. Ich würde mich freuen, wenn Du ein wenig beschreiben könntest welche Methoden das sind, bzw. welche dir besonders helfen.

mit herzlichen Grüßen
die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
langsame Reduzierung auf 5 mg Escitalopram seit Juli 2017
Verhaltenstherapie beendet seit September 2017

Benutzeravatar
Marika
power user
Beiträge: 7788
Registriert: 04:06:2005 16:05

Re: Bericht Traumatherapie

Beitrag von Marika » 05:02:2016 8:50

Hallo,

das klingt wirklich sehr interessant. Ich freue mich sehr, dass du endlich das für dich passende gefunden hast.

Dass dir das Tanzen gut tut, kann ich mir vorstellen - du fühlst da deinen Körper viel besser und das ist eine Grundlage um auch Emotionen zu verstehen und dann richtig zu deuten. In weitere Folge kannst du dann sicher auch die erkennen, was dahinter steht. Dieses "sich verstehen" war mich ein wichtiger Schritt von vielen. Man kann dann in jeder Situation (und sei sie noch so negativ), sich etwas distanzieren und mit Abstand erkennen, was eigentlich hinter der Emotion steckt.

Schön, dass du diesen Weg nun beschreitest und du dich dabei wohl fühlst. Würde mich auch freuen, wenn du noch etwas mehr dazu schreiben magst!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Kika30

Re: Bericht Traumatherapie

Beitrag von Kika30 » 06:02:2016 8:51

Hallo,

gerne versuche ich euch meine zwei Werkzeuge näher zu beschreiben.

Bei der einen Übung geht es darum ein Gefühl abzuschwächen, bei der anderen Übung surfen wir mit der Emotion.

Ãœbung 1:

Zuerst stellst du fest was dazu beitragen kann, dass die Emotion jetzt da ist; z.B. wenig getrunken,gegessen schlecht geschlafen körperliche Schmerzen.....

jetzt kommt das Ereignis das das Gefühl ausgelöst hat

Wie interpretatierst du das Ereignis

Benenne jetzt das Gefühl

Was für einen Handlungsimpuls hast du jetzt?
Wie sind die Körperreaktion?
Welchen Gedanken hast du ?
Wo ist die Aufmerksamkeit?

Dann frägst du ob das Gefühl angemessen ist und ob das umsetzten des Handlungsimpuls hilfreich ist.
Wenn ja/ja dann führe die Handlung durch wenn nein/nein dann gehe noch mal durch Handlung, Körperreaktion Gedanke Aufmerksamkeit. wenn ja/nein dann Emotionssurfing.

Diese Ãœbung stammt von Priebe/Schmahl/Stiglmayer.

Das schaut erstmal nach viel arbeit aus, aber wenn man das öfters macht dann geht es ganz zügig. Wenn ich es am WE noch schaffe gebe ich ein Fallbeispiel dann ist es nochmal leichter zu verstehen.


EMOTIONSSURFING: (Bohus/Wolf)

1. Traten sie innerlich einen Schritt zurück
2. Benennen sie die Emotion
3. Wie stark ist die Emotion (0-100)
4. BEOBACHTEN sie ihre Körperreaktion
5. BEOBACHTEN sie ihre Gedanken
6. BEOBACHTEN sie ihren Handlungswunsch
7. Lassen sie sich Zeit sie haben eine Emotion sie sind nicht die Emotion
8. Atmen sie mit der Emotion
9. Beginnen sie wieder bei 1.
10. Sie werden meken, wie die Welle abnimmt.


Wiederhohle die Übung so oft bis das Gefühl wieder erträglicher ist.

Wenn ihr noch fragen habt, dann gerne. Beispiele kommen noch. Versprochen!

Ein schönes Wochenende
Kika

Benutzeravatar
Marika
power user
Beiträge: 7788
Registriert: 04:06:2005 16:05

Re: Bericht Traumatherapie

Beitrag von Marika » 06:02:2016 10:13

Hallo,

vielen Dank für diese Erklärung - sehr, sehr interessant. Eine meiner Übung bei meinen ZG war ganz ähnlich aufgebaut und hat enorm geholfen.

Freue mich, wenn du Zeit hast ein Fallbeispiel auf zu schreiben.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Kika30

Re: Bericht Traumatherapie

Beitrag von Kika30 » 08:02:2016 19:16

Hier ein Beispiel:

Verwundbarkeit: sehr wenig getrunken

Ereignis: Mann kommt nach Hause und sagt "Wie schaut es hier aus"

Interpretation: Ich bin nicht in der Lage für eine Ordentliche Wohnung zu sorgen!

Benenne das Gefühl: Schuld!!!!!

Handlungsimpuls: weg rennen
Körper unruhig, angespannt
Gedanke: Du Arsch. ( Sorry )
Aufmerksamkeit: ist bei meinem Mann
Gefühl ist angemessen Handlungsimpuls ist NICHT angemessen

Jetzt ist die WUT da
Handlung: ins Kissen schreien
Körper:Entspannt
Gedanke: Soll er doch selber aufräumen
Aufmerksamkeit: ist bei mir.


Emotionssurfing: WUT

1.Ich trete einen Schritt zurück
2.Bennen sie die Emotion: WUT
3.Wie stark ist die Emotion: 85
4. Beobachten sie ihre Körperreaktion: kalte Hände und Füße leichtes Zittern
5. Beobachten sie ihre Gedanken: Warum werde ich kritisiert. Wenn es aufgeräumt ist sagt er auch nichts
Kinder waren an diesem Tag sehr chaotisch
6. Beobachten sie ihren Handlungswunsch: Ich würde mich am liebsten auflösen
7. Ich habe eine Emotion ich bin keine Emotion
8. Atmen sie mit der Emotion
9.Beginnen sie wieder bei 1
10. Sie werden sehen wie die Emotion abnimmt


1.
2.
3. 70
4. Ãœbelkeit
5. Ich mache bequem eins nach dem anderen und wenn es mal nicht so ordentlich ist, geht die Welt nicht unter
6. mit meinem Mann darüber reden warum es so chaotisch ist.
7.
8.
9.
10.

usw.wenn ich bei 70 oder weniger angekommen bin, dann habe ich meine Skills mit denen ich mich weiter runter skille

Graureiherin
power user
Beiträge: 471
Registriert: 07:01:2015 12:57

Re: Bericht Traumatherapie

Beitrag von Graureiherin » 08:02:2016 21:32

Hallo Du,

auch mich erinnert das an eine Ãœbung aus der VT. Bemerke aber, dass ich mich nur noch wage erinnere. Ich sollte mal wieder in mein VT Skript schauen. Dazu hat mir meine Therapeutin eh geraten, immer wieder mal lesen darin.

Vielen Dank für die Darstellungen!!

Kannst immer ein Ereignis benennen?

und ich musste neulich bei einer angeleiteten Meditation feststellen, dass ich Schwierigkeiten habe Körperliche Reaktion und Gefühl auseinanderzuhalten.

Zudem ist es bei mir so, wenn ich meine Gedanken beobachte, dass ich z. B. bemerke: ich ärgere mich gedanklich. Fühle aber keinen Ärger! Sozusagen ein "Konflikt ohne Dialog" also rein gedankliches ärgern, manchmal ohne konkreten Anlass, also sozusagen präventiv ärgern... Bsp. "wenn nachhher mein Partner kommt, wird er bestimmt das und das kritisieren". Hmmm, klingt etwas wirre, aber vielleicht versteht ihr mich ja trotzdem. Meine Thera sagt, dazu: bemerken, wissen so tickt mein Gehirn , nicht noch zusätzlich ärgern, gedanklich trotzdem davon lösen (es gibt 1000 alternative gedanken die man denken könnte...), Probleme in der Beziehung konkret, mit Abstand und ohne Abwertung meinerseits betrachten um zu guten Lösungen zu kommen.

Spanndend das Leben, oder? Anstrengend, aber spannend!

mit lieben Grüßen
die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
langsame Reduzierung auf 5 mg Escitalopram seit Juli 2017
Verhaltenstherapie beendet seit September 2017

Kika30

Re: Bericht Traumatherapie

Beitrag von Kika30 » 10:02:2016 13:19

hallo Graureiherin,

das wäre schön, wenn ich immer ein Ereignis festmachen könnte. Oft hilft es mir aber trotzdem mit dem Ablauf zu beginnen. Ich lasse dann das Ereignis erstmal aus. Dann hilft die Interpretation oder die Körperreaktion.

Es ist aber auch möglich nur das Emotionssurfing zu machen.

Ich habe auch das Gefühl, dass mein Denken und Fühlen nicht zusammenpasst. ja, das Leben ist spannend, aber ein wenig mehr Anspannung wäre gut.

lieben gruß
Kika

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast