Innere Unruhe

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Graureiherin
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Innere Unruhe

Beitrag von Graureiherin » 12:10:2016 16:34

Hallo Ihr Lieben,

ich hatte jetzt doch tatsächlich seit vielen Monaten wieder mit der lieben inneren Unruhe zu tun.

Seit Mai bin ich ja bei 10 mg Escitalopram und lebe somit seit 5 Monaten die längste Zeit mit dieser Dosis (seit beginn der PPD 2013, und "Rückschlag" 2014 nach komplettem absetzten).

Auslöser für die innere Unruhe war eine längere Stresszeit bei meiner Arbeit. Die Unruhe kam mit Herzklopfen, Hitzewellen... brav gefolgt von den allzu bekannten klassischen Gedanken "Jetzt geht alles wieder von vorne los... es wird nie besser... ich bin eine Versagerin... ich kann nicht ohne Medis leben, nicht mal mit 10 mg... was wird die Zukunft bringen, Klinik, Arbeitsunfähig etc, etc, etc, bla bla, kreis, kreis im Kopf.

Trotzdem war es mir irgendwie möglich an die Therapie zu denken und neben den negativen Gedanken eine Art Beobachterrolle einzunehmen (ich kanns nicht besser beschreiben). Heißt: ich konnte Abläufe erkennen und zuordnen. Ich wusste zeitgleich: Ok, jetzt ist der Schwarzmaler am Werk... jetzt trigger ich die Unruhe selber... jetzt stößt mein Körper dadurch noch mehr Stresshormone aus... Aha, jetzt überwältigen mich die Erinnerungen. Erinnerungen an die PPD sind grauslig und lassen sich nicht vermeiden.

Ich habe mir dann bewusst Zeit zum Weinen gelassen und danach aber ganz bewusst Zeit für meine positive Sätze, Therapieerkenntnisse..... um nicht noch mehr in die Negativspirale abzudriften. Das Wichtigste war für mich, dass ich zum ersten mal tatsächlich versucht habe die Unruhe zuzuordnen und zu akzeptieren. Ich versuchte sie eben nicht loswerden zu wollen, sondern mir zu sagen, ja ich kann damit leben. Ein schnell schlagendes Herz ist erstmal nur ein schnell schlagendes Herz, eine Hitzewelle nur eine Hitzewelle... katastrophisiernde Gedankengänge habe ich versucht zu entlarven um damit deren scheinbare Realität zu nehmen.

Hier mal zwei der Sätze die mir geholfen haben:
"Ein "Rückschlag" ist einer der besten Lehrmeister und beinahe eine unentbehrliche Station auf dem Weg zur Genesung, weil man hier nocheinmal Zeit gewinnt um neu zu lernen und zu üben. Wobei Genesung nicht bedeuten muss, dass Symptome ausbleiben".

"Genesung finden an den Orten und in den Erfahrungen statt die wir fürchten"...

Sorry, dass ich mich nicht genauer ausdrücken konnte aber ich muss jetzt sofort losdüsen meine Tochter abholen.

die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
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Marika
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Re: Innere Unruhe

Beitrag von Marika » 12:10:2016 21:36

"Ein "Rückschlag" ist einer der besten Lehrmeister und beinahe eine unentbehrliche Station auf dem Weg zur Genesung, weil man hier nocheinmal Zeit gewinnt um neu zu lernen und zu üben. Wobei Genesung nicht bedeuten muss, dass Symptome ausbleiben".

... an diesen Satz möchte ich gerne anknüpfen - Hallo liebes "Vögelchen" :D

Und zwar insofern als ich ihn wie folgt ergänzen würde: "Und so ist aus dem vermeintlichen "Rückschlag" ein "FORTSCHRITT" geworden.

Du bist also "auf dem Weg", auf dem BESTEN Weg zur Genesung, so zu sagen. Ich habe diesen Weg genau so erlebt: Bis ich gelernt habe zu akzeptieren, anzunehmen und mich in so Situationen wie du sie gerade erlebt hast selbst zu reflektieren und mit meiner Logik zu analysieren - so lange kamen diese Gefühle, Gedanken und "Symptome". Aber eben nicht, weil ich ewig in diesem Kreislauf steckte, sondern als Lernmaterial. Und je länger die Zeit dazwischen war, umso mehr - aber das weiß ich erst heute - war ich auf dem richtigen Weg. Mir war schon recht schnell irgendwie klar, dass aus den Tiefs etwas lernen konnte. Denn immer wenn sie wieder weg waren, war ich ein Stück weiter gekommen. Wenn ich jetzt schreiben würde, dass ich mich über Tiefs gefreut habe, wäre das natürlich gelogen, :wink: aber die Erkenntnis aus ihnen hat mir geholfen, sie durch zu stehen.

Ich bin heute der festen Überzeugung, dass diese Tiefs uns zeigen wollen, wo es lang geht - woran wir arbeiten müssen, damit es uns und unserer Seele gut geht. Und ich glaube, du kommst auch zu dieser Erkenntnis. Und das ist - um es nochmal zu sagen ein FORTSCHRITT! :D Und irgendwann wirst du diese vermeintlichen Symptome der PPD nicht mehr als solche fürchten, sondern sie als das sehen was sie sind: ein Wink deiner Seele, nach einer anstrengenden Zeit wieder kürzer zu treten. :!:
Liebe Grüße von
Marika

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schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

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Re: Innere Unruhe

Beitrag von Graureiherin » 13:10:2016 22:06

Liebe Marika,

ja, ich sehe es auch immer mehr so.

Gestern und heute war ich immer mal wieder etwas innerlich unruhig. Es hat mich nicht, wie früher, komplett aus der Bahn geworfen. Nein, ich konnte sie neben anstellen, konnte trotzdem essen (das konnte ich sonst nie, heute jedoch ohne Problem und sogar mit Genuss) und konnte einfach am Alltag weitermachen. Immer darauf bedacht mit Ruhe und Umsicht die Dinge zu erledigen. Obwohl immer noch viel los ist bei der Arbeit.

Ich bin gespannt auf die nächsten zwei Wochen, da habe ich Urlaub. Vom Stress in die Ruhephase. Nun denn, Du hast recht. Die Unruhe deutet auf etwas hin, aber man darf sie aber eben nicht in ihrer Symptomatik überbewerten. Schnell ist sie durch die eigenen Angstgedanken viel zu stark getriggert und dann schweifen wir (so denke ich) vom Wesentlichen ab in eine negative Spirale.

Ich bin stolz auf mich. ich erleben die Zeit auch als ein Fortschritt. Ich hatte ja auch noch gar nicht so viele Gelegenheiten mit der Unruhe sozusagen Ruhe zu erleben. Die Medis haben in höherer Dosierung die Unruhe meist weitgehend unterdrückt. Das war in den akuten Phasen gut, nun bin ich mit 10 mg auf einer niedrigen Dosis und kann sozusagen nochmals anderes üben und lernen.

Danke für Deine Antwort!

sei lieb gegrüßt
das Vögelchen/Graureiherin
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Re: Innere Unruhe

Beitrag von lotte » 14:10:2016 7:32

Hey Mädels,

"Genesung findet an den Orten statt, die man fürchtet". Genauso sieht es aus und genau das erlebe ich auch gerade in meinem neuen Job. Leichte Überforderung, und dann setzt bei mir auch erst mal die körperliche Reaktion ein: Schwindel, Unruhe, Herzklopfen. Aber wie Du schon so treffend sagst, Graureiherin: so what? Bei mir kam jetzt in der Agentur noch hinzu, dass ein Kollege ohnmächtig wurde und die Rettung gerufen wurde. Da läuft bei mir wieder der Film von ganz früher, als ich mit Baby allein zu Hause war und Sternchen vor den Augen hatte und auch die 112 holen musste.

Aber auch ich schaffe es, mich gedanklich von der totalen Katastrophe fernzuhalten, ich bin nicht der Kollege ;) Und was würde eigentlich passieren, wenn ich im neuen Job "versage"? Den Anforderungen nicht gerecht zu werden hat nix mit mir als Person zu tun und viele Probleme liegen auch beim Gegenüber.

Mein erster Reflex ist ja dann immer gleich "Flucht", ich kündige, werde krank, geh einfach nicht mehr hin. Aber nein! Heute habe ich ein Gespräch mit der Chefin und werde da wie eine "Grosse" ansprechen, was mir auf dem Herzen liegt. Das ist mein to do. Das muss ich noch lernen.

Insofern sind es wirklich keine Rückschläge, sondern vielmehr Gelegenheiten, um weiter zu wachsen ;)

LG
Charlotte
Ängste soll man nicht verdrängen. Man muß mit ihnen gedanklich so lange Schach spielen, bis man sie mattgesetzt hat.

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Re: Innere Unruhe

Beitrag von Graureiherin » 14:10:2016 20:54

Hallo Lotte,

da ich im Gesundheitsbereich arbeite, kenne ich die 112 sehr gut. Ich habe dadurch immer wieder Sitationen in denen ich mich gründlich abgrenzen muss. Vor allem wenn ich wg. psychischer Probleme den Rettungswagen rufen muss. Aber, wie Du schreibst, Ich bin Ich und mein Gegenüber ist mein Gegenüber.

Wie war das Gespräch zwischen der Chefin und der GROßEN LOTTE?

alles Liebe

die Graureiherin
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Re: Innere Unruhe

Beitrag von lotte » 14:10:2016 22:48

Hey Graureiherin,

danke der Nachfrage ;) Das Gespräch verlief anders als erwartet, was aber nicht bedeutet, dass es schlimm oder schlecht war. Nachdem wir vorher eine Präsentation hatten, bei der ich noch bissl "rumgeschwommen" bin, also "Fehler" gemacht habe, dachte ich eigentlich, sie reisst mir deshalb den Kopf ab (die sind da etwas sehr ungeduldig in dem Laden, auch wenn man erst neu dabei ist). Stattdessen hat sie mir hinterher erklärt (da waren wir aber nicht alleine), was sie von mir erwartet, nämlich erstklassige Kreation, wobei sie mir dann auch helfen würde, damit ich das in Ruhe machen kann. Hat sogar deshalb extra einen bestehenden Prozess umstrukturiert, damit ich nicht mehr so oft in anderen Meetings dabei sein muss.

Klingt also erstmal nicht schlecht, muss man aber abwarten, wie das umgesetzt wird. Ich fahre mit ihr am Di allein zum Kunden (lange Autofahrt) und werde da noch mal auf das Thema zu sprechen kommen.

Was mir generell auffällt: ich gehe in solchen Momenten schnell vom schlimmsten aus. Liefere ich keine Hochleistungen, Kopf ab. Dabei will man mir gar nix "böses", eher das Gegenteil. Kein Mensch in der Agentur (also auch die Chefin nicht) sieht mich annähernd so negativ, wie ich das selbst in diesen Situationen mache. Da muss ich wohl noch etwas an meiner verschobenen Wahrnehmung arbeiten ;)

Und eben nicht aufgrund dieser falschen Einschätzungen meinerseits das Handtuch werfen. Denn dann komme ich erst gar nicht zu dem Punkt, wo es sich umdreht, also gut für mich ausgeht und ich das dann auch voll spüren und erfahren kann. Weisste wie ich meine? ;)

So, ich fall jetzt ins Bett. Hoffe, Deine Unruhe ist bisserl besser geworden?

LGL
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Re: Innere Unruhe

Beitrag von Graureiherin » 17:10:2016 21:01

Hallo Lotte,

ich verstehe gut was Du meinst.

Es ist doch interessant was wir von uns denken, was wir meinen zu sein und wie wir scheinbar auf andere wirken. Eine schöne "negative" subjektive Wirklichkeit. Vom bloßen Sachverhalt oft meilenweit entfernt. Solange uns das aber zumindest bewußt ist, fällt man vermutlich nicht so sehr darauf herein. Oder ? Eine Anstrengung bleibt es vermutlich trotzdem immer. (Und Deine Chefin hat ja auch eine eigene Wirklichkeit. Wer weiß was sie über sich denkt und von sich erwartet :wink: . Vielleicht erwartet sie gar keine einzigartigen Kreationen von Dir, sondern von sich. Ein perfektes Bild von ihrem Laden nach außen. Trivialpsychologie ich weiß, aber macht gerade Spaß.

Danke der Nachfrage wegen der Unruhe. Diese ist seit einer Woche komplett weg und ich kann meinen Urlaub in Ruhe genießen. Ich nehme mir jeden Tag nur eine einzige Unternehmung vor. Morgen pflanze ich z. B. einen Aprikosenbaum.

Alles liebe Dir und ich wünsche eine interessante, lange Autofahrt mit Deiner Chefin!

die Graureiherin
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Re: Innere Unruhe

Beitrag von lotte » 18:10:2016 11:16

Hey Graureiherin,

tja, da haben wir den Salat ;( Statt im Auto mit der Chefin zum Kunden zu fahren, habe ich am WE beschlossen, mich für 3 Tage aus dem Verkehr zu ziehen. Warum? Die Signale meines Körpers sind recht eindeutig und wenn ich was in den letzten Jahren gelernt habe, ist es, gut auf mich aufzupassen. Andere, also auch mein Mann, können so was null verstehen: "Ist doch nix dabei, mit der Chefin usw." ABER: ich bin nicht die anderen. Und mein Gefühl hat mir gezeigt, dass ich quasi die "kleine Lotte" erstmal aus dem "Gefahrenfeld" rausnehmen muss, weil es die Grosse Lotte gerade nicht schafft.

Sieht nach "Versagen" aus, ist aber für mich eine Riesenentwicklung. Eigenverantwortlich so für mich zu handeln, dass es mir gut geht. Und zu meiner Entscheidung zu stehen, egal, was andere darüber denken.

Es ist mir schon bewusst, dass andere mich gar nicht so "schlecht" beurteilen, wie ich das dann denke/empfinde. Und ja, meine Chefin ist neu in der Position und will natürlich gegenüber den anderen Ländern (ist ein Netzwerk) glänzen. Es fällt mir aber trotzdem sehr schwer, auf das zurückzublicken, was ich wirklich kann: nämlich 21! Jahre Berufserfahrung und das dann auch außen hin zu vertreten, bzw diese Gedanken auch so zu verinnerlichen, dass ich sie fühlen kann.

Ich habe am 27.10. ein offizielles Personalgespräch. Mal sehen. Auf jeden Fall habe ich mich bis dahin wieder ein bisserl "beruhigt", innerlich.

Sehr schön, mit dem "nur" 1 Aktion am Tag. Reicht ja auch, Du hast schliesslich Urlaub ;)

GLG
Lotte
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Re: Innere Unruhe

Beitrag von Graureiherin » 19:10:2016 21:06

Hallo Lotte,

ich war zunächst auch, ehrlich gesagt, verblüfft. Ich hätte Dich so eingeschätzt, dass Du fährst und diese Gelegenheit relativ gelassen nutzt. Eben nach dem Motto: sich den Orten stellen, die man fürchtet.

Ich habe dann aber noch länger darüber nachgedacht und dabei fiel mir eine Aussage meiner Thera ein. (Ich war vor einiger Zeit in einer Situation, der ich mich auch nicht gestellt habe). Sie meinte dazu: Man kann (und sollte) üben, aber man MUSS nicht immer. Von daher denke ich nun, Du wirst wirklich wissen, was Du dir zumuten kannst und wann.

alles liebe Dir und für das Personalgespräch nächste Woche
und ich wünsche Dir, dass Du Dich innerlich beruhigst.

die Graureiherin
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Marika
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Re: Innere Unruhe

Beitrag von Marika » 20:10:2016 7:59

Hallo ihr,

finde ich toll den Satz: Man soll üben, muss aber nicht immer! Ich glaube, dass du Lotte genau das getan hast, weil du vielleicht merkst, dass dieses Übungsfeld noch ein bissl zu viel ist für dich. Ein Fortschritt ist das auf jeden Fall. Wenn andere das nicht so sehen, dann sehen sie halt nur die eine Seite der Medaille, du aber siehst BEIDE - das ist der wahre Gewinn und das was UNS (die wir eigentlich immer als "schwächlich" belächelt werden) in unserer ganzen Größe erstrahlen lässt. Jetzt geht es nur noch darum, dass wir auch selber AN UNS GLAUBEN, dass wir das was wir als Fortschritt sehen und fühlen wirklich verinnerlichen. Dann strahlt man das auch nach außen aus und die "Kritiker" verstummen recht schnell.

Ich denke, mir ist das wirklich in den all den Jahren endlich zu einem großen Teil gelungen. Jedenfalls bekomme ich ganz andere Resonanzen von außen, als noch früher. Und das ist dann wieder eine Stärkung für mich, die wiederum das Rädchen des "an sich selber glauben" am Laufen hält. Ein "Perpetum Mobile" so zu sagen (hab ich das Wort jetzt glaub ich falsch geschrieben.... :oops: aber ihr wisst, was ich meine.... :wink: ) Habe gerade wieder mal "geübt" was "Nein" sagen anbelangt. Es ging um Überstunden machen und ich sagte "Nein". Ganz kurz dann ein "komisches Gefühl" (mögen die mich jetzt noch?) - aber dann habe ich es durch gezogen. Dann hat es mich gar nicht mehr belastet und am nächsten Arbeitstag bekam anstatt "nicht mehr Mögen", großes Verständnis. Vor 5 Jahren wäre das nicht möglich gewesen, wäre dieses "Übungsfeld" zu großen gewesen - aber Vorgestern - da war es soweit. Alles hat seine Zeit, Lotte!

@Vögelchen: Viel Spaßt beim Pflanzen!
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Innere Unruhe

Beitrag von lotte » 21:10:2016 20:44

Ganz genau. Und je nachsichtiger man mit sich selbst umgeht in Stressmomenten, desto "schneller" kommt man ans Ziel.
Ich war gestern und heute wieder brav arbeiten und konnte mich aufgrund der Pause viel besser behaupten, also habe Dinge angesprochen, die mir letzte Woche unangenehm aufgefallen sind, unter denen ich gelitten habe. Meine Kraft war einfach wieder da :) Ich habe dieses "Abschalten" also wirklich gebraucht.

Und siehe da: kein Mensch will/wollte mir da etwas "böses". Man hat sich eher Sorgen um mich gemacht, weil ich mich krank gemeldet hatte.

LGL
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Anna81
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Re: Innere Unruhe

Beitrag von Anna81 » 20:12:2016 13:10

Hallo ihr Lieben,

Ich habe gerade diesen Verlauf gelesen und ich bin verblüfft wie ihr schon merkt was gut für euch ist und was nicht. Nein, eigentlich muss ich es anders ausdrücken: dass ihr merkt was gut für euch ist und dann allen Widrigkeiten von außen und das typische "das macht man doch nicht" von innen zum Trotz das tut was euch gut tut!

Ich habe diese Momente auch. Nur ich traue mich noch nicht ihnen nachzugeben. Ich habe bspw. Sehr viel Stress auf Arbeit. Ich bin in meinem Bereich die Einzige, die viele fachliche Dinge kann bzw. konzipieren kann. Dadurch erlaube Ich mir nicht auszufallen. Und gehe sogar mit starken Erkältungen und leichtem Fieber auf Arbeit. Ich weiß, dass das nicht gut ist. Aber ich habe zum einen Angst, dass man schlecht über mich reden könnte und zum anderen habe ich Angst davor mich daheim ins Bett oder faul auf die Couch zu legen.
Das ist das eine. Das andere und diesen Mechanismus habe ich auch schon erkannt: Wenn mich der Stress überrollt, dann wünsche Ich mir endlich mal krank zu sein, damit ich legitimerweise endlich mal zu Hause bleiben kann. An der Stelle sollte ich eigentlich sagen: STOPP! Denn mein Unterbewusstsein möchte mir etwas signalisieren. Ich müsste mich rausnehmen und das tun was mir gut tut. Aber auch hier finden sich genug abers und so mache ich weiter! Zum Beispiel, wer schreibt mich krank? Zu wem soll ich gehen. IcH möchte von den Ärzten nicht immer in die Psychoecke gestellt werden. Ich habe das satt. Ich bin ich, so wie ich bin! Und wenn ich eine Auszeit brauche, dann brauche ich sie weil iCh die Warnsignale erkannt habe und mal eine Woche raus möchte aus dem Hamsterrad. Ich arbeite 30 Stunden die Woche. Da bleibt nicht viel Zeit für mich. Und ich habe durchaus Wünsche, aber die stelle ich hinten an oder verbiete mur sogar sie zu denken... Damit ich nicht enttäuscht bin wenn ich sie mir nicht erfüllen kann...

Und dann setze ich alle Hoffnung ins Wochenende endlich mal wieder zur Ruhe zu kommen. Aber das geht meist mach hinten los, denn da sind die zwei kleinen Kinder und der Haushalt und und und...


Ich glaube ich sollte meinen Hausarzt wechseln. :wink:

Waß würdet ihr mir raten. Ich bin ja schon froh, zu spüren was eigentlich gut für mich wäre...

LG Anna
Viele Grüße von
Anna

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lotte
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Re: Innere Unruhe

Beitrag von lotte » 20:12:2016 21:24

Huhu Du,

tja, ich für meinen Teil bin auch schon lange mit mir im Reinen, so dass ich mich nicht mehr zu Dingen zwinge, die ich nicht mag/kann/will.
Dazu gehört auch, in entsprechenden Situationen "Nein" zu sagen. Offen zu gestehen, dass es einem zuviel wird. Den anderen gegenüber, aber vielmehr sich selbst, ohne dabei das Gefühl zu bekommen, man wäre ein Versager.

Und dann, erst dann, kann man sich getrost und beruhigt daheim aufs Sofa schmeissen. Weil man KEIN schlechtes Gewissen hat, es einem egal ist, was andere denken. Obwohl ich das alles mittlerweile ziemlich gut beherrsche - das auf mich hören - bin ich natürlich nicht davor gefeit, mir in besonders stressigen Momenten die "falschen" Gedanken zu machen. Anders als früher erkenne ich diese aber viel schneller und handele dann auch.

Wenn man Deinen Text so liest, wird einem ganz schwindelig. Man möchte Dir zurufen: "Halt, Stopp", nimm Dir Zeit".
Das kannst nur DU allein, dieses Karussell stoppen. Dein Arzt weniger, es sei denn, Du würdest offen ihm gegenüber sein und sagen: "Hallo, können Sie mich bitte mal eine Woche ausm Verkehr ziehen". Dann stündest Du aber noch vor der schwierigen Aufgabe, dir diese Auszeit auch gönnen zu können, um Kraft zu tanken.

Und da wirst Du hinkommen, wenn Du versuchst, ein bisserl Tempo rauszunehmen aus allem. Du musst nicht jeden Tag üben, zu deinem inneren Kind gehen, Yoga machen etc. Konzentriere Dich auf Dein Bauchgefühl.

LGL
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Graureiherin
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Re: Innere Unruhe

Beitrag von Graureiherin » 23:12:2016 18:19

Hallo Du,

also, so mit mir im Reinen wie Lotte bin ich nicht. Werde ich vielleicht auch nie sein :wink:

Ich habe mir z. B. erst letzte Woche wieder ein schlechtes Gewissen gemacht, weil ich erkältet war und zu Hause bleiben musste.

ALLERDINGS habe ich es geschafft immerhin zwei Tage krank zu Hause zu sein und nichts zu machen außer mich auszukurieren. Und meine Kollegin war froh! da ich echt eine Keimschleuder war. Mir ging es dann nach den zwei Tagen wesentlich besser.

Du siehst also, ich arbeite zur Zeit noch manches mal mit Kompromissen. Vielleicht bleibe ich dann das nächste mal DREI Tage krank zu Hause- quatsch, kleiner Scherz... :wink: Wenn ich kränker geworden wäre, wäre ich zum Hausarzt und hätte mir (das schlechte Gewissen im Gepäck) eine Krankmeldung geholt.

Das wird schon! Bei uns allen

mit Grüßen die Graureiherin
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