Meine VT geht in Rente

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Graureiherin
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Meine VT geht in Rente

Beitrag von Graureiherin » 14:02:2017 17:53

Hallo Ihr Lieben,

meine Verhaltenstherapeutin hat mir gestern gesagt, dass Sie im Laufe des Jahres in Rente geht. Da ich sowieso nur noch alle 2-3 Monate bei ihr war hat Sie überhaupt keinen Zweifel, dass ich ohne Sie nicht zurecht kommen werde. Mir ist das im Grunde ebenfalls klar, wir hätten die Thera sowieso jetzt dann auslaufen lassen. Immerhin bin ich seit vier Jahren bei ihr (vor zwei Jahren war Rückschlag bei mir, da brauchte ich nochmals länger Zeit)

Ich musste aber schon schlucken und mir standen sofort Tränen in den Augen. Ich habe eben immer gedacht, selbst wenn meine Therapie zu Ende ist, ist Sie im Notfall erreichbar für mich.

Nun denn, ich hab irgendwie ein Verlassenheitsgefühl (Inneres Kind) und muss mich immer wieder daran erinnern, dass ich auch ohne Ihre Hilfe im Leben zurecht kommen werde und für mich selbstverantwortlich sein kann.

Wer von euch kennt denn das Gefühl, wenn die Therapie endet und wie seit ihr damit umgegangen?

herzliche Grüße die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
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julebär
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Re: Meine VT geht in Rente

Beitrag von julebär » 14:02:2017 21:48

Hey Liebe Graureiherin,

mir geht's gerade fast gleich. Nach vier Jahren VT stehen meine beiden letzten Stunden an und es fühlt sich komisch an von nun an auf eigenen Beinen zu stehen.

P.s. einige von euch kennen mich vielleicht noch unter dem Namen Herzelmaus. Im Jahr 2011 bis 2012 war ich hier im Forum sehr aktiv unterwegs.
- 08.02.2011 Geburt meines Sohnes
- 15.02.2011 Beginn der PPD mit Panik
- März 2011- Juni 2012 Citalopram 20 mg
- Juni 2012 - August 2012 Citalopram 10 mg
-August 2012 Beginn der Panikstörung - 20 mg Citalopram
- Oktober 2012 Verhaltenstherapie
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Marika
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Re: Meine VT geht in Rente

Beitrag von Marika » 15:02:2017 10:56

Hallo ihr,

mir ging es damals genau gleich. Ich war richtig traurig, als mein Therapeute mir sagte, dass ich ab jetzt "alleine laufen" kann... und Angst war natürlich auch dabei, dass ich "fallen" könnte.

Ich bin mir sicher, dass das ein ganz normales und nach vollziehbares Gefühle ist, dass man ruhig zulassen sollte. Immerhin gehörten unsere Therpeuten ja eine recht lange Zeit zu unserem Leben dazu, waren ein fixer Bestandteil unseres Alltags. Und sie waren ein Symbol der SICHERHEIT, unser Anker. Jetzt müssen wir wieder zu 100 % die Verantwortung für uns übernehmen - es ist logisch, dass das Angst macht.

Aber: dieses abnabeln jetzt und "alleine weiter gehen" ist ein ganz wichtiger Schritt, auf unserem Weg. Ich habe dadurch weiter Selbstvertrauen aufbauen können, weil ich gemerkt habe "ich kann es, ich falle nicht".

Es ist gut und wichtig, wenn die Therapie zu einem Ende kommt - ihr werdet sehen, dass euch nach einer gewissen Zeit gar nichts mehr in den Sinn kommt!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Graureiherin
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Re: Meine VT geht in Rente

Beitrag von Graureiherin » 15:02:2017 17:28

Danke Ihr Lieben,

Ja, Marika ich gebe Dir recht. Meine Thera erscheint mir wie ein Anker in der Not...und nun kommt wohl bald die Zeit in der ich immer weiter mein eigener Anker sein muss/darf.

Tja, heute morgen habe ich eine halbe Stunde vor mich hingeweint, dann habe ich mir meine Therapieaufschriebe geschnappt und mir vor allem die Sätze gemerkt: Schauen wie ich mir helfen kann. Was tut mir gut, was trägt zu meiner Stabilität bei. Die negativen Gedanken zwar nicht unterdrücken (denn normal sind sie ja bis zu einem gewissen Grad) aber dann auch immer wieder einen Gedankenstopp einlegen.

Ich möchte mir schon gerne die Chance geben mein "Gehirn" in die Richtung zu "trainieren", dass es immer besser von Sorgen und Problemen Abstand nehmen kann.

Ich kann mich noch vage an Dich erinnern Julebär alias Herzlmaus. Wie geht es Dir denn jetzt? Fühlst Du Dich stabil, nimmst Du Medis? Ich freue mich von Dir zu lesen.

Sodele, dann mache ich mal mit etwas wackligen Beinen weiter...

eure Graureiherin
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julebär
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Re: Meine VT geht in Rente

Beitrag von julebär » 16:02:2017 9:41

Guten Morgen Graureiherin,

mir geht es soweit gut und ich würde mich als stabil bezeichnen. Allerdings arbeite ich nach wie vor an meinen Problemchen aus der Vergangenheit/Kindheit sie dazu beigetragen haben, dass alles so gekommen ist wie es war. Ich schleiche gaaanz langsam aber sicher aus. Seit Juli 2016 von 20 mg Citalopram auf bis jetzt 15 mg. Mal gucken ob ich beim nächsten Besuch bei meiner Neurologin auf 10 mg runter gehe. Aber mit jeder Reduktion kommen auch immer mehr Gefühle wieder frei die vorher " nur" gedämpft durchgekommen sind und dann heißt es wieder arbeit, arbeit, arbeit. Aber wie gesagt immer langsam mit den jungen Pferden.

Warum genau hast du geweint?
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Re: Meine VT geht in Rente

Beitrag von Graureiherin » 17:02:2017 22:02

Hallo Julebär,

weißt Du, geweint habe ich zunächst wohl, weil ich vorher noch gar nicht dazu kam den "Schreck" zu verdauen. Dann sicherlich noch, weil gleichzeitig die Angst kam "was ist wenn ich wieder einen Rückfall bekomme und dann ist nicht mal mehr meine VT da" (ich hatte vor zwei Jahren einen Rückfall nach kompletten Absetzten der Medis).

Dann ist es bei mir schon immer so gewesen, dass ich lange benötige bis ich Vertrauen habe. Und ich reagiere grundsätzlich auf "Abschiede" von vertrauten Personen sehr sensibel. Insgesamt bin ich eher ein sensibler Typ.

Seit dieser "Weinzeit" letzten Dienstag geht es mir gut! Ich bin gefasst und sehe auch dem Termin nächste Woche bei meiner Neurologin positiv entgegen. Ich werde das AD weiter reduzieren. Ich weiß im Grunde auch, dass der letzte "Rückfall" unter anderem dem geschuldet war, dass es einfach noch zu früh war. Ich hatte noch zu viel Angst in mir und war noch zu unsicher. Mittlerweile kann ich innere Unruhezustände, negative Gedanken... besser erkennen, akzeptieren und bewerte sie nicht mehr so stark über.

Du hast auch vollkommen recht, es kommen immer mehr Gefühle ungefilteter durch je weiter das AD reduziert wird und das heißt arbeit, arbeit, arbeit...

Ich bin echt gespannt was die nächsten Monate bringen werden! Ich freu mich für Dich, dass Du Dich als stabil bezeichnest. Lass mal hören, wie die Reduktion klappt. Wir sind ja in einer ähnlichen Phase. Gerne auch per PN.

liebe Grüße
die Graureiherin
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julebär
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Re: Meine VT geht in Rente

Beitrag von julebär » 17:02:2017 23:46

Hey,

dass mit dem Weinen kenne ich nur zu gut. Bei mir ist es auch ein Ventil. Gerade meine Sensibilität hat mich immer wieder in Schwierigkeiten gebracht, da ich Gefühle anderer sehr stark und sofort mitbekomme. Auch muss ich immer aufpassen, dass ich nicht mit Leide beim Mitleid empfinden und mich abgrenzen und bei mir bleiben. Gesunder Egoismus ist gar nicht so einfach.

LG
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