Wie erkennt man, ob man externe Hilfe braucht?

Hier können sich die Angehörigen der PPD/PPP-Betroffenen untereinander austauschen.

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Zap
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Wie erkennt man, ob man externe Hilfe braucht?

Beitrag von Zap » 10:01:2018 0:19

Hallo und guten Abend,
ich bin Zap, 30 Jahre alt und Vater eines 2,5 jährigen Sohnes. Angemeldet habe ich mich in dieser Community, weil ich gerne meiner Frau helfen möchte, wobei ich im ersten Schritt gar nicht weiß, ob Sie die Kriterien einer PPE tatsächlich erfüllt. Es ist bei ihr bisher nicht so deutlich, wie in vielen Erfahrungsberichten auf dieser Seite. Aber ich habe einfach Angst, dass Sie ihre Probleme auch mit mir nicht so offen teilt und alleine mit sich trägt. Ich würde gerne einmal die Situation beschreiben, so wie ich sie wahrnehme. Vielleicht hat dann ja jemand einen Tipp für mich, ob und wie ich meiner Frau helfen kann.
Da ich selbst vorher noch keine wirklichen Berührungspunkte mit psychischen Erkrankungen hatte, fällt es mir etwas schwer die richtigen Worte zu finden. Ich versuche daher einfach alles, was mir im ersten Moment wichtig erscheint zusammenzufassen. Bei fehlenden Themen gerne nachfragen.
Meine Frau fühlt sich seit der Geburt permanent müde, kann aber gleichzeitig nachts häufig schlecht schlafen. Das hat mit dem Stillen angefangen und hat sich bis heute nicht gegeben. Sie hat bereits ihre Blutwerte und die Schilddrüse untersuchen lassen. Beides ist wohl in Ordnung. Ich habe schon gelesen, dass es auch an den Hormonwerten liegen kann. Aber meine Frau verliert langsam die Geduld mit diesen ganzen Untersuchungen.

Sie macht sich selbst sehr viel Druck, dass Sie immer alles schaffen will und organisiert vieles im Haushalt (was sie nicht muss und soll). Selbst wenn Sie einmal Freiräume hat, nutzt Sie diese fast nie für sich selbst. Ich versuche hier eigentlich allen Druck von ihr zu nehmen, bin damit aber nur mäßig erfolgreich. Früher hat sie nach eigener Aussage immer alles so organisieren können und hatte dann trotzdem noch Zeit für sich. Mit einem Kind schafft sie es leider nicht mehr.
Meine Frau ist mittlerweile bei allen Unternehmungen (mit Kind) unentspannt und malt sich immer die schlechtesten Szenarien aus, was alles schief gehen kann. Und das ist völlig unabhängig davon, ob das Kind gut oder schlecht drauf ist oder erwiesenermaßen mit der entsprechenden Situation in der Vergangenheit gut umgegangen ist.

Sie wollte früher nie Kinder, ich wollte immer Kinder… Wir haben sehr früh in unserer Beziehung über Kinder gesprochen und sie hat mir immer den Eindruck vermittelt, dass sie sich mit mir auch über Kinder freuen würde. Sie hat auch eher den Zeitpunkt festgelegt, als ich. Heute zeigt Sie mir Artikel zum Thema „regretting motherhood“ (https://www.welt.de/vermischtes/article ... chaft.html). Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie traurig mich das macht. Habe ich sie zu etwas getrieben, was sie selbst nie wollte? Und wo sie jetzt nicht mehr rauskommt?
Früher war sie unternehmungslustig, hat gerne neue Dinge ausprobiert und hatte ein lautes fröhliches Lachen. Heute ist sie lustlos, müde, findet sich selbst nicht mehr attraktiv und lacht vor allem nicht mehr so wie früher.

Meine Frau hat eine Vorerkrankung. Sie hatte in Ihrer Jugend mit einer Essstörung zu kämpfen und hatte schon immer ein schwieriges Verhältnis zur ihrer übervorsorglichen Mutter. Auch eine Therapie hat damals nicht wirklich geholfen (nach ihrer Aussage). Erst der räumliche Abstand zur Mutter hat es besser gemacht. Eine prägnante Aussage meiner Frau ist: „Früher hat meine Mutter mein Leben bestimmt. Erst als ich es selbst in der Hand hatte, ging es mir besser. Heute bin ich wieder komplett fremdbestimmt.“ Dieses Gefühl würde ich ihr gerne nehmen. Ich weiß aber nicht wie und ob ich das kann. Ich bin genauso fremdbestimmt, wie sie, bin eigentlich nur für Arbeit und Familie da.

Dabei will ich es erstmal belassen. Kann man daraus ablesen, ob ich hier richtig bin?
Unabhängig davon: Habt ihr Tipps, wie ich meiner Frau helfen kann?

Ich danke euch schon jetzt fürs lesen bis hierher und verbleibe mit lieben Grüße,
Zap

Mawer
Beiträge: 7
Registriert: 03:01:2018 21:04

Re: Wie erkennt man, ob man externe Hilfe braucht?

Beitrag von Mawer » 10:01:2018 0:49

Hallo Zap,
Ich finde es toll, wiè du dich um deine Frau kümmerst und ja, du bist hier richtig!
Nach dem was du beschreibst würde ich auch auf eine PPD tippen, genau beurteilen kann das aber am besten ein Psychologe oder Psychiater im direkten Gespräch mit ihr. Gibt es bei Euch entsprechende Beratungsstellen wo man schnell einen Termin bekommen kann?
Sprich mit deiner Frau über deinen Verdacht und deine Sorgen und schlage ihr ein solches Gespräch mit einem Fachmann vor. Falls sie ablehnt zeige Verständnis, erklär ihr, dass gerade, wenn man früher unter Fremdbestimmung gelitten hat und sich seine Freiheit erkämpfen musste, die Fremdbestimmung mit Kind schwer zu ertragen ist und viele darauf mit Depressionen reagieren. Das heißt nicht, das sie eine schlechte Mutter ist oder ihr Kind nicht liebt.
Eine Therapie kann zwar an der Situation des Fremdbestimmt- seins nichts ändern aber hilft, besser damit umzugehen und die kleinen Freiräume für sich zu nutzen und das Leben trotzdem zu genießen!
Ich wünsche viel Erfolg und viel Kraft!
Grüße,
Mawer

Zap
Beiträge: 2
Registriert: 02:01:2018 15:39

Re: Wie erkennt man, ob man externe Hilfe braucht?

Beitrag von Zap » 12:01:2018 23:32

Hallo Mawer,
vielen Dank für die schnelle Rückmeldung.

Das werde ich versuchen, bzw. versuche ich bereits. Aber sie will eben nicht wirklich. Und ich will sie eigentlich gerade in dem Bereich auch nicht dazu drängen. Wie kann ich ihr denn am besten helfen?
Und gibt es auch Tipps, wie ich es für mich besser verarbeiten kann? Ich neige gerade selbst dazu in einen sehr negativen Gedankenstrudel zu kommen...(Habe ich sie gedrängt? Gebe ich ihr genug Luft? Jetzt musste ich schon wieder lange arbeiten... Würde es ihr ohne uns besser gehen etc.)
Danke für eure Tipps.

Viele Grüße,
Zap

Mawer
Beiträge: 7
Registriert: 03:01:2018 21:04

Re: Wie erkennt man, ob man externe Hilfe braucht?

Beitrag von Mawer » 13:01:2018 21:53

Hallo Tap,

Wie ich sehe wurdest du bzw. Deine Anfrage schon auf das Angehörigenforum verschoben, wo du sicher am ehesten Hilfe bekommen kannst. Es ist wichtig, dass du jetzt auf dich achtest.
Zwingen mit einem Therapeuten zu reden kann man niemandem, vielleicht gelingt es, sie um diesen Gefallen zu bitten. Warum lehnt sie ab? Wovor hat sie Angst, was fürchtet sie zu verlieren? Zeige ihr auf, was sie gewinnen kann.
Wünsche viel Erfolg!

Mawer
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Re: Wie erkennt man, ob man externe Hilfe braucht?

Beitrag von Mawer » 13:01:2018 21:55

Sorry für den Tippfehler im Namen, doofe Autokorrektur.

Astrid
Beiträge: 61
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Re: Wie erkennt man, ob man externe Hilfe braucht?

Beitrag von Astrid » 14:01:2018 21:05

Hallo Du,

als ich deine/eure Geschichte gelesen habe, musste ich fast schmunzeln. Denn das hätte alles auch ich damals sagen können. Auch ich hätte gut ohne Kinder leben können. Mein Mann wollte gerne Kinder haben. Ich habe nach der Geburt meines Sohnes wirkliche Probleme gehabt die neue Situation zu akzeptieren. Man wird völlig fremdbestimmt. Schlafen, Essen, aufs Klo gehen... . Es ist eine Katastrophe, für einen Menschen, der gerne über sich selbst bestimmt. Und du kommst auch nicht mit Argumenten bei einem Säugling/ Kleinkind weiter. Wenn du dem sagst, du willst in Ruhe im Bad alleine sein, ist dem das nur egal :D . Und auch bei uns war es so, dass mein Mann quasi sein altes Leben behielt, und ich von 0 wieder anfangen musste. Ich war wie isoliert mit meinem Schreihals. Dafür habe ich meinen Mann und das Kind gehasst. Das hört sich schlimm an, ich weiss, aber es war so. Aber ich darf tröstend hinzufügen, dass ich meinen Mann immer noch von Herzen liebe, und wir mitlerweile ein zweites Kind bekommen haben. Ich würde dir raten, zeige Anteilnahme. Frage deine Frau, was geändert werden müsste, damit es für sie leichter wird. Was ihr fehlt. Teile ihr offen mit, dass du dir Sorgen um sie und um Euch machst. Dass Du Angst hast sie zu verlieren. Dass Du alles tun willst, was ihr hilft. Sie hat leider schlechte Erfahrungen mit einer Therapie gemacht, da sie ihrer Meinung nach nicht geholfen hat. Vielleicht gehst Du das Thema wissenschaftlich an: Sage ihr, dass es eine Stoffwechselstörung im Gehirn gibt, die durch eine Geburt hervorgerufen werden kann. Dadurch entsteht ein Umgleichgewicht in den Glückshormonen. Das tritt nicht selten auf. Und das das heilbar ist, und man Hilfe durch verschiedene Stellen bekommen kann. Nicht immer bedeutet das Gesprächstherapie, auch Medikamentös kann geholfen werdeb. Hast Du den Fragebogen, "leide ich unter PPd" schon ausgedruckt? Es ist immer etwas schrecklich von außerhalb gesagt zu bekommen, dass mit einem etwas nicht stimmt. Man will ja funktionieren und alles richtig machen. Aber sage ihr, dass es dir nicht richtig vorkommt, dass sie sich bei allem so quälen muss, dass sie sich so unglücklich fühlen muss. Dass Du ihr Lachen vermisst. Das sich das für dich nicht richtig anfühlt, und du deshalb abgeklärt haben möchtest, ob sie eine PPD hat. Das man an anderen Dingen gleichzeitig drehen kann, ist dir hoffentlich klar: bald kommt euer kleiner in den Kiga, oder ist er schon in der Kita? Sie könnte wieder arbeiten gehen, oder die Zeit für sich nutzen. Gönne ihr mal ein Wochenende mit einer Freundin, oder Euch beiden, ohne Kind. Ausschlafen... .
Vor allem vergiss nicht, dass du sie liebst. Ich war wirklich ganz furchtbar zu meinem Mann, und bin glücklich, dass es es trotzdem durchgehalten hat. Die Krankheit macht schlimme Dinge mit einem. Vielleicht kannst du sie auch dazu bringen hier mal reinzulesen.... Oder dass eine Freundin mit ihr spricht, oder jemand, der ihr anders Nahe steht. Gibt es eventuell bei Euch in der Nähe eine Mama, der es ähnlich geht?
Ich bin froh, dass du hier Hilfe gesucht hast, und ich denke du bist hier richtig.
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
2011 zweites Kind ohne PPD
heute gesund ohne Medis

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